Gerd Schinkel

„Bin ich ihr ähnlich?“

 - Adoptivtochter auf  Spurensuche in Korea -

Erschienen bei „Books on Demand“ in Norderstedt, ISBN-Nr. 3-8334-33915-7. 
Der Preis im Buchhandel (für 244 Seiten ) beträgt 14,90 Euro. 

Was macht eigentlich ...? 

WDR PRINT befragt monatlich MitarbeiterInnen des Hauses. Diesmal Redakteur Gerd Schinkel.

Gerd Schinkel (55), politischer Hörfunkredakteur im WDR, hat ein vielschichtiges Buch geschrieben: Seine detailgetreue Chronik dokumentiert nicht nur, wie sich seine koreanische Adoptivtochter Annelie 2003 auf die Spurensuche nach ihrer biologischen Familie begibt. Man erhält von Schinkel, dem ehemaligen Mitglied des Bundesvorstandes von *terre des hommes" und Mitbegründer der Adoptionsvermittlungsorganisation *Eltern für Kinder" auch wertvolle Informationen zum Thema Adoption. Zudem ist dem Leser das Land Korea nach der Lektüre des Buches nicht mehr so fern. Denn der Journalist ist Mitglied der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft.

PRINT: Kürzlich war Yun-Joo Jung, der Intendant des koreanischen Senders kbs, zu Gast im WDR. Die Intendanz hat Sie dazu gebeten. Warum?

Gerd Schinkel: Ich hatte mein Erlebnis mit dem koreanischen Sender angedeutet und gebeten, mich für die Hilfe bedanken zu dürfen. Ohne die kbs-Fernseh-Suchsendung hätte unsere Tochter ihre leiblichen koreanischen Eltern nicht wieder gefunden. 

PRINT: Sie waren dabei, als Ihre Tochter ihre koreanische Familie zum ersten Mal getroffen hat. Was ist in Ihnen vorgegangen? 

G. Sch.: Ein Teil der vorher aufgebauten Spannung, seit eine Frau behauptet hatte, sie wäre die Mutter, fiel von mir ab. Gleichzeitig wuchs die Neugier, sie näher kennen zu lernen. Viele Gedanken gingen durch den Kopf: Wie mochte es unserer Tochter gehen, Mitleid mit der sichtlich erschütterten koreanischen Familie, die aber auch unübersehbar glücklich war, selbst als die Tränen strömten. Das war die Situation, die in der ganzen Geschichte am meisten zu Herzen ging.

PRINT: Sie und Ihre Frau Martina haben Ihre Tochter Anneli 1982 adoptiert, Ihren Sohn Jannik 1985. Haben Sie sich schon damals Gedanken darüber gemacht, dass Sie zusammen mit Ihren Kindern sich irgendwann einmal in Korea auf Spurensuche begeben würden?

G. Sch.: Nein, nicht auf Suche nach den leiblichen Eltern, denn soweit wir wussten, wäre dies völlig aussichtslos gewesen. Ihr Leben vor dem Waisenhaus lag völlig im Dunkeln. Wir haben uns aber mit Korea beschäftigt, um plausibel erklären zu können, warum sie bei uns waren und nicht in Korea, um zum Beispiel Antworten aus der wirtschaftlichen Situation des Landes, aus den sozialen Gegebenheiten zu bekommen. Geplant war aber, mit den erwachsenen Kindern in Südkorea die Stätten zu besuchen, an denen ihre uns bekannte Biographie anfing.

PRINT: Man kann sich vorstellen, dass sich das Leben Ihrer Tochter grundlegend verändert hat. Wie haben die Ereignisse Ihres verändert?

G. Sch.: Unsere Familie hat einen koreanischen Zweig bekommen, mit zwei Elternpaaren und fünf Kindern. Wir Adoptiveltern fühlen uns auch den koreanischen Geschwistern von Anneli nahe und Annelis koreanische Eltern haben Jannik genauso in ihre Familie einbezogen. Die Geschehnisse lassen uns natürlich nicht los. Gleich nach der Rückkehr hatte ich mit dem Buch angefangen, um ja keine Einzelheiten zu vergessen. Zumindest für unsere Familie wollte ich so viel wie möglich festhalten. Dann haben wir gemerkt, wie sehr es auch andere bewegt, sobald wir andeuten, was wir erlebt haben.

PRINT: Sie sind vermutlich eine von vielen Familien, die so etwas erlebt haben. Warum haben Sie darüber ein Buch geschrieben?
G. Sch.: Ich weiß nicht, ob bei vergleichbarer Ausgangslage wirklich so viele ähnliche Erlebnisse hatten. Für das Buch gab es zwei Gründe: Unsere Tochter - die dem Projekt ja zustimmen musste, weil ihre Geschichte erzählt wird - wollte anderen Adoptierten in aussichtsloser Lage Mut machen, auch bei vermeintlicher Chancenlosigkeit nach ihren Wurzeln zu suchen. Und ich wollte Adoptiveltern ermuntern, ihre Adoptivkinder bei deren Spurensuche, auch nach den biologischen Wurzeln, aktiv zu unterstützen, ohne Angst davor, sie könnten damit ihr Kind verlieren. 

Die Fragen stellte Maja Lendzian

Der Tipp:
"Bin ich ihr ähnlich? Adoptivtochter auf Spurensuche in Korea". 244 Seiten. Verlag: Books on Demand, Norderstedt, ISBN 3-8334-3915-7. 14,90 Euro