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Gerd Schinkel
„Bin ich
ihr ähnlich?“
- Adoptivtochter auf Spurensuche in Korea -
Erschienen
bei „Books on Demand“
in Norderstedt,
ISBN-Nr. 3-8334-33915-7.
Der Preis im Buchhandel (für 260 Seiten ) beträgt 14,90 Euro.
Presseecho
Adoptivkinder
auf Spurensuche
Anneli Schinkel bei "37 Grad" im ZDF
25.4.2006, 22.15 Uhr
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Anneli Schinkel mit ihrer neu gefundenen Familie in Korea
Wäre die Geschichte einer Adoption und deren Auswirkungen, die Gerd Schinkel in seinem Buch erzählt, ausgedacht, so würde ihn jeder ob der überaus rührseligen Zutaten belächeln. Doch manchmal passieren offensichtlich Dinge, die über unsere Phantasie hinausgehen. In seinem sehr persönlichen Bericht beschreibt Gerd Schinkel, wie seine Adoptivtochter Anneli vor zwei Jahren über einen Aufruf im koreanischen Fernsehen ihre leiblichen Eltern fand - und erfuhr, dass diese dachten, Anneli wäre bei der Geburt gestorben. Unsentimental und wachsam reflektiert Gerd Schinkel diese bewegende Zeit in seinem Buch.
Ein Schicksal, das auch die Medien nicht kalt ließ: nach Annelis Auftritt in der Talkshow „Kerner“ widmet sich am 24. April 2006 nun auch die ZDF-Dokumentationsreihe „37 Grad“ dem Thema. Unter dem Titel „Nicht ohne meine Tochter“ begleitet die Sendung Annelis Familie aus Südkorea bei ihrem ersten Deutschland-Besuch und zeigt, wie Anneli und ihre beiden Familien mit der neuen Situation umgehen. (aus Books on Demand aktuell)
Das Pressematerial zum Film.
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Allgäuer Zeitung, Dienstag, 21.11.06
Als Adoptivkind auf Spurensuche in Korea
Lesung von Gerd und Martina Schinkel bei der vhs
Marktoberdorf (hie)
Die Suche seiner koreanischen Adoptivtochter nach ihrer leiblichen Mutter hat der Journalist und frei Liedautor Gerd Schinkel in seinem Buch "Bin ich ihr ähnlich?" literarisch aufgearbeitet. Abwechselns mit seiner Frau Martina las er über die Etappen und Zufälle der Suche und erzählte menschlich anrührend über die Gefühlslagen in der Familie. Bereichert wurde der Vortrag, der im Rahmen des Volkshochschulprogramms im Rathaussaal in Marktoberdorf stattfand, durch die poetischen Lieder, mit denen Schinkel seine Kinder charakterisierte.
Anneli Joo Vanessa Schinkel, oder, koreanisch gesagt, Kim Kyung Joo, hatte Glück: Bei ihrem Auftritt in einer koreanischen "Suchsendung" wurde sie von ihrer leiblichen Mutter erkannt und lernte ihre koreanische Ursprungsfamilie kennen. Bis dahin freilich war es ein langer, von vielen glücklichen Zufällen beeinflusster Weg, den ihre Adoptiveltern Gerd und Martina Schinkel in ihrer Lesung darstellten: Der Autor thematisierte darin die Selbstzweifel seiner koreanischen Adoptivkinder angesichts ihrer ungeklärten Herkunft sowie die Gefühlslage der Adoptiveltern, als sich die Tochter in Korea auf Spurensuche begibt.
Während Gerd Schinkel Stationen der Koreareise aus Elternsicht vortrug, verlas Martina Schinkel rückblickend die Einschätzungen ihrer Tochter. Beide Sichtweisen lieferten ein anrührendes Bild der Familiengeschichte und nahmen die Zuhörer mit auf die Reise ins Ungewisse. Mit seinen selbst getexteten und vertonten Liedern verdeutlichte Gerd Schinkel dem Publikum das Wesen seiner Adoptivkinder und brachte ihm schwierige Gefühlslagen während der langen Suche näher. Sehr familiär verlief die anschließende Diskussion, denn nur wenige Zuhörer hatten sich in den Rathaussaal verirrt. Darunter waren mehrere Adoptiveltern, die mit dem Autorenehepaar Erfahrungen über ihre angenommenen Kinder austauschten.
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Publik-Forum/Provo Nr 2, April 2006, Seite 14, von Irene Dänzer-Vanotti:
Es war einmal eine böse Großmutter … Dies ist die wunderbare Geschichte eines Mädchens, das seine leibliche Mutter suchte
Sie verlangte von ihrer leiblichen Mutter keine Rechtfertigung. Sie war in keiner Weise vorwurfsvoll. Sie war nicht einmal besonders neugierig. Anneli Schinkel bewegte nur eine ganz schlichte Frage: Bin ich ihr ähnlich? Darauf bekam die 23-Jährige eine Antwort: Sie juckt sich in derselben Weise wie ihre Mutter, die sie noch keine Stunde ihres Lebens gesehen hatte, an der Nase. Es muss ein Gen fürs Nasejucken geben. Ihre Beine, die sie eigentlich schon immer zu kurz fand, hat sie aber von ihrem Vater geerbt. Den bekam sie bei ihrer Suche nach der Mutter gleich mitgeliefert. Und drei Geschwister. Anneli Schinkel, die wenige Wochen nach ihrer Geburt vor einem Kinderheim in Südkorea ausgesetzt und von Martina und Gerd Schinkel in Deutschland adoptiert worden war, weiß jetzt, woher sie kommt. Und wo sie hingehört: zu zwei Familien. »Das ist für uns alle eine Bereicherung«, sagt Anneli in ihrer lockeren, heiteren Art. Nein, ein ganz neues Lebensgefühl habe die wundersame Geschichte ihrer Herkunft ihr nicht gegeben. »Das würde ja bedeuten, dass ich vorher unglücklich war, und das war ich nicht.«
Annelis Geschichte lässt sich wie ein Märchen erzählen: Es war einmal eine böse Großmutter. Deren Tochter hatte gerade ein Kind bekommen, ein kleines Mädchen, in der Stadt Pohang in Südkorea. Die Tochter war schwach, denn während der Schwangerschaft war sie schwer krank gewesen, und die Ärzte hatten ihr wenig Hoffnung gemacht, dass sie und das Kind überleben würden. Dabei hatte das Kind Glück bringen sollen – dritte Kinder bringen Glück, glauben Koreaner. Jetzt war auch das Schlimmste überstanden, und die Großmutter bot ihre Hilfe an. Sie wollte das Baby zu sich nehmen. Ihre Tochter könnte sich dann von der Geburt erholen und sich um ihre beiden älteren Kinder, die gerade zwei und vier Jahre alt waren, kümmern. Und überhaupt: Das Geld ist immer so knapp, da hilft es doch, wenn die Großmutter das Baby in den ersten Wochen auf dem Weg ins Leben begeleitet. Einen Namen hat das kleine Mädchen noch nicht. Namen werden in Korea erst später gesucht.
So nahm die Großmutter das Baby zu sich und gab es weiter. Sie vertraute das kleine Wesen einer Freundin an, die versprochen hatte, sich darum zu kümmern. Nach einigen Tagen aber, das Mädchen hatte immer noch keinen Namen, setzte diese Freundin das Baby aus. Vor einem Kinderheim. Es sollte leben. Aber nicht in ihrer Obhut. Ihr Versprechen zählte nicht mehr. Die Großmutter war eingeweiht. Ihrer Tochter aber erzählte sie, das Baby sei tot. Die Ärzte hätten Recht behalten, das Kind sei nicht lebensfähig gewesen. Nein, ein Grab hätte es nicht, es habe ja noch gar keinen Namen gehabt, sei doch noch gar nicht wirklich ein Mensch gewesen.
Das Mädchen aber wurde gefunden. In Korea waren uneheliche Kinder noch in den 1980er Jahren eine Schande. Deshalb wurden viele Babys ausgesetzt. Das Waisenhaus versah das Mädchen mit einem Namen und einer Nummer, gab es frei zur Adoption und schickte es schon bald auf seine nächste Reise: ins ferne Deutschland. Die Mächte des Schicksals und die Angestellten der Adoptionsvermittlung hatten das Mädchen Gerd und Martina Schinkel zugeteilt. Die standen jetzt aufgeregt auf dem Frankfurter Flughafen, um Eltern zu werden. Sie nannten ihr Kind Anneli. Ihre deutsche und ihre asiatische Lebenswelt sollte sie in den Namen Anne und Li in sich tragen. Zwei Jahre später bekam Anneli noch einen Bruder, Jannik. Auch er stammt aus Südkorea.
Und so vergingen viele Jahre, und Anneli wurde ein glückliches Mädchen. Sie war zufrieden und fühlte sich gut aufgehoben in ihrer Familie und in dem Land, in dem sie aufwuchs. Sie konnte nicht einmal die Sorge ihrer Eltern verstehen, Ausländerfeinde könnten ihr oder Jannik etwas antun. »Ich bin doch Deutsche«, sagte Anneli dann und lächelte ihr strahlendes Lächeln.
Wenn sie als kleines Kind ihre Mutter fragte, ob sie denn in ihrem Bauch herangewachsen sei, dann erzählte Martina Schinkel, dass sie aus einem fernen Land stamme und dass sie dort irgendwo noch eine andere Mutter habe. So wurde Anneli im Laufe der Jahre ein wenig neugierig, und als ihr – sie war 21 – angeboten wurde, in Südkorea in einer Suchsendung im Fernsehen aufzutreten, sagte sie zu. Irgendwie stellte sie sich vor, dass ihre leibliche Mutter in irgendeiner Notlage gewesen sein musste. Vielleicht war sie das Kind einer unerfüllbaren Liebe? Vielleicht hatte ihre Mutter sie heimlich zur Welt gebracht? Anneli fantasierte keine Katastrophe und kein Verbrechen an den Beginn ihres Lebens. Und sie suchte ihre Mutter auch nicht verzweifelt. Sie brauchte sie nicht, um endlich zu wissen, wer sie eigentlich ist. Es ging um nichts anderes als um die Frage: Bin ich einem Menschen auf dieser Welt ähnlich?
So ruhig Anneli bei dieser Suche blieb, so entspannt waren auch ihre Eltern. »Wir hatten keine Sekunde Angst, unsere Tochter zu verlieren«, sagen Gerd und Martina Schinkel. Und dann standen alle, auch Bruder Jannik, in Seoul im großen Fernsehstudio. Die Suchsendung ist in ganz Südkorea ein Ereignis. Schon während des Korea-Krieges (von 1950 bis 1953) waren viele Familien auseinander gerissen worden, die sich auf diesem Weg wieder zu finden versuchten.
Anneli erzählte auf Deutsch ihre Lebensgeschichte, ein Freund der Familie übersetzte ins Koreanische, sie zeigte einige Bilder von sich als Baby. Gerd Schinkel und Martina waren von der unerschütterlichen Heiterkeit ihrer Tochter gerührt, und dann war auch schon alles vorbei und die Wahrscheinlichkeit, eine Mutter zu finden, immer noch minimal.
Es begab sich aber, dass eine Frau zur gleichen Zeit irritiert in ihren Fernseher schaute. Warum, fragte sie sich, sehe ich Kinderbilder meiner Nichten und dazu eine junge Person, die irgendeine Geschichte von einer Adoption in Deutschland erzählt? Rätselhaft! Telefon! Sie rief ihre Schwägerin an. Und die erzählte ihr etwas, was sie gar nicht glauben konnte. Ja, sie habe noch eine Tochter. »Ich weiß nicht, wo. Meine Mutter hatte sie mir kurz nach der Geburt weggenommen und mir erzählt, sie sei gestorben. Aber vor drei Jahren offenbarte sie sich mir. Sie habe gelogen. Meine Tochter sei gar nicht gestorben. Sie sei vor einem Waisenhaus ausgesetzt worden. Seither bin ich Aufregung und suche im Geiste mein Kind.« Das sagte Sang-Suk Lee, begab sich an ihren Computer und schaute Annelis Auftritt im Internet an. Sie war sicher: »Das ist meine verschollene Tochter.« Aufregung. DNA-Tests, bei denen das gemeinsame Erbgut überprüft wurde, Warten. Ja. Wieder warten. Die Begegnung durfte erst auf der Bühne in derselben Show stattfinden.
Beide Familien kamen, Mutter und Tochter nahmen einander in die Arme. »Sie war mir irgendwie vertraut«, erzählt Anneli. Und zwischen den Tränen und Umarmungen der ersten Stunden kamen mehrere Fügungen ans Licht: Annelis Mutter und ihre Adoptivmutter sind am gleichen Tag geboren, ihre leibliche Mutter ist ein Jahr älter. Ihr Nachname ist Lee, was die Eltern, als hätten sie es geahnt, in Anne-li hineinlegten. Die Einzige, die nach der ersten Begegnung verstört schien, war die Großmutter. Sie konnte nur schreien, als sie ihre Enkelin sah, die sie als Baby verschachert hatte.
Anneli ist glücklich, dass die Gewissheit über ihre Herkunft sie nicht vor neue Entscheidungen gestellt hat: »In keinem Moment hieß es, die Anneli gehört zu uns in Korea oder die gehört zu uns in Deutschland. Es war immer so, dass beide Familien gemeinsam gesagt haben, wie schön, das ist unsere Tochter. Wie schön, dass es ihr so gut geht!« Ihr Vater, ein Journalist, hat ein Buch über ihre Geschichte geschrieben, Anneli trat im Fernsehen auf. Und wenn sie nicht gestorben sind …
So märchenhaft enden aber nicht alle Bemühungen adoptierter Kinder. Manche finden ihre Eltern gar nicht, manchen wird die Tür, vor der sie endlich stehen, vor der Nase zugeknallt, und manche Kinder kommen auch selbst nicht über ihre Vorwurfshaltung gegenüber der Mutter, die sie ausgesetzt und verlassen hat, hinweg. »Wer wirklich möchte, sollte sich auf die Suche nach seinen Eltern begeben«, rät Anneli Schinkel deshalb, »aber nur, wenn er oder sie sich dafür auch stark genug fühlt und gute Unterstützung hat von den Eltern, dem Partner oder Freunden.«
Irene Dänzer-Vanotti
Wer mehr über Annelis
Geschichte erfahren möchte, kann lesen oder fernsehen.
Buchtipp: Gerd Schinkel, Bin ich ihr ähnlich? Adoptivtochter auf Spurensuche
in Korea, Books on Demand, ISBN 3-8334-3915-7. ZDF, 37 Grad, 25. April 2006,
22.15 Uhr, Bin ich ihr ähnlich? Diskutiert zu diesem Artikel in unserem Forum
artikel publik forum
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WDR 5 23.2.2006, zwischen 15 und 16 Uhr WDR Radio für Aachen und die Euregio - Thema NRW - Zwischen kölsch und koreanischEine koreanisch-kölsche Adoptivtochter findet ihre leiblichen Eltern über eine Fernsehsendung.
Südkorea führte in den 70er Jahren die Adoptionsstatistiken unangefochten an. Rund 150.000 südkoreanische Kinder sind seitdem von ausländischen Familien adoptiert worden, viele davon in Deutschland. Das konfuzianische Weltbild lässt aber eigentlich eine Adoption nur innerhalb der Familie zu, deshalb wurden viele dieser Schicksale einfach totgeschwiegen. Im modernen Korea allerdings können adoptierte Kinder mittlerweile sogar in einer Fernsehsendung nach ihren leiblichen Eltern suchen. Und manchmal funktioniert es sogar, wie bei Anneli Schinkel, die heute 23 Jahre alt ist.
1982 nahmen die Adoptiveltern am Frankfurter Flughafen ihr vier Monate altes Baby in Empfang. Vermittelt worden war Anneli Schinkel von Terre des Hommes. Über die Familie des Kindes war nichts bekannt; man ging davon aus, dass die Eltern tot waren oder aber unglückliche Umstände die Mutter gezwungen hatten, ihr Baby abzugeben.
Anneli Schinkel
"Es war so, dass ich, als ich ein paar Tage alt war, vor einem
Kinderheim gefunden wurde, ohne irgendwelche Informationen, so dass mir auch ein
Name gegeben wurde und mein Geburtsdatum geschätzt wurde."
Gerd Schinkel (Adoptiv-Vater)
"Man ist sich klar, wenn man ein Kind adoptiert, dass es in
diesem Kulturkreis aufwachsen wird. Was auffallen wird, dass dieses Kind anders
aussieht. Vom Aussehen her nicht in diesen Kulturkreis passt."
Der Adoptiv-Vater, Gerd Schinkel, hat in seinen Liedern die Geschichte und
die Geschichten seiner beiden koreanisch Adoptivkinder verarbeitet und dabei
auch die Probleme nicht ausgespart.
Gerd Schinkel
"Im Nachhinein diese Erklärungen von den Kindern geschildert zu
bekommen, dass sie darunter häufig gelitten haben, dass sie anders aussahen und
wie sehr das für sie auch ne Belastung war, das bringt einen dann schon auch
zum Nachdenken."
Es war im Jahr 2003, als Anneli
eine Einladung des koreanischen Staates ins Haus flatterte. Adoptierte Kinder
aus der ganzen Welt, von 18 bis Mitte 30, sollten in einem Seminar mehr über
ihr Herkunftsland und die koreanische Kultur erfahren. Bei dieser Reise ergab es
sich, dass Anneli die Chance bekam, an einer Suchsendung im Fernsehen
teilzunehmen.
Koreanisches Fernsehen, Dolmetscher:
"Was würdest du deinen leiblichen Eltern sagen, wenn sie dich
jetzt sehen würden?"
Anneli:
"Also erstmal würde ich ihnen sagen, dass ich ihnen absolut
keine Vorwürfe mache, dafür, dass sie mich abgeben haben. Ich würde ihnen
gerne sagen, was ich alles erlebt habe und dass es mir gut geht und dass ich
eine wunderbare Familie gefunden habe und glücklich bin."
Und tatsächlich: nach der
Sendung meldete sich eine Frau, die sagte, sie wäre Annelis Mutter. Anneli
hatte im koreanischen Fernsehen Kinder-Fotos von sich gezeigt - und sah als Kind
ihren Schwestern wohl so ähnlich, dass die Mutter keinen Zweifel hatte.
Nach einem DNA-Test stand fest: Anneli hatte eine ganze Familie gefunden, zwei
Schwestern, einen Bruder und ihre leiblichen Eltern.
Anneli
"Der erste Eindruck war, Gott, die tun mir total leid, weil
meine Eltern kamen und beide total geweint haben. Das hat mich total berührt,
weil ich gedacht habe, das Ganze muss die beiden ja noch viel mehr mitnehmen als
mich."
Ihre leibliche Mutter hatte gar nicht gewusst, dass Anneli noch lebt. Die
Oma hatte damals entschieden, das Kind wegzugeben und erzählt, es wäre
gestorben.
Ihre deutschen Eltern, die die Suche begleitet hatten, machten sich zu keiner
Zeit Sorgen, die Tochter zu verlieren. Sie freuen sich einfach für sie. Ein
echtes Happy End.
Gerd Schinkel
"Das Fazit ist eine unglaubliche Bereicherung, weil es eine
koreanische Familie gibt, die zu unserer Familie hinzugekommen ist. Es ist ein
Zusammenwachsen von zwei Familien und dies dauert an. Wir haben quasi Kinder
dazu gekriegt und die koreanische Familie auch."
Geprägt hat Anneli aber nicht die Nationalität ihrer Gene, sondern das
Land, in dem sie aufgewachsen ist. Sie bleibt wohl ein kölsches Mädel.
Anneli
"Nein, ich kann mir nicht vorstellen in Korea zu leben, ich finde,
die Menschen sind sehr nett, aber ich fühle mich von mir aus einfach so deutsch
und hier so verwurzelt, dass ich nie auf die Idee kommen würde nach Korea zu
gehen."
Autorin: Bettina Lendzian
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Suche nach Spuren der eigenen
Vergangenheit
Anneli Schinkel ist in Kornwestheim
aufgewachsen und hat vor zwei Jahren
ihre leiblichen Eltern in Korea getroffen
Artikel aus der Kornwestheimer Zeitung vom 24.01.2006 Von Steffen Rometsch
Kornwestheim. Bereits als Baby ist Anneli adoptiert worden. Sie wuchs bei
ihren Adoptiveltern in Kornwestheim auf. Als sie erwachsen war, hat sie sich vor
zwei Jahren unter kaum Erfolg versprechenden Aussichten in Korea auf die Suche
nach ihren leiblichen Eltern gemacht.
Unbefangen und eher zufällig hat sich Anneli Schinkel vor gut zwei Jahren auf
Spurensuche nach ihren biologischen Eltern in Korea begeben. Auf Einladung des
koreanischen Konsulats in Frankfurt hat sie im Sommer 2003 erstmals ihr
Geburtsland besucht. Das Angebot sollte jungen adoptierten Koreanern im Ausland
die Möglichkeit bieten, sich zwölf Tage lang näher mit ihrer
"Heimat" zu befassen. Bis zu diesem Seminar hat sich Anneli Schinkel
nie für Korea interessiert. "Ich habe gedacht, Deutschland ist für mich
meine Heimat. Ich habe immer gesagt: ,Da will ich gar nicht hin. Ich fühle mich
deutsch, ich bin deutsch. Ich will damit gar nichts zu tun haben." Für
mich waren die USA viel interessanter."
Nachdem Mediziner Martina und Gerd Schinkel gesagt hatten, dass es unwahrscheinlich sei, dass sie leibliche Kinder bekommen könnten, entschieden sie sich Anfang der 80er Jahre ein Kind zu adoptieren. Gerd Schinkel war damals Lokalredakteur bei der Kornwestheimer Zeitung, seine Frau Martina arbeitete als Lehrerin am Gymnasium.
Bei ihrer ersten Reise nach Südostasien hörte Anneli von einer Fernsehsendung im koreanischen Fernsehen, über die man seine leiblichen Eltern suchen kann. Schon wenig später reifte in ihr der Entschluss, selbst mit Hilfe der Sendung nach ihren leiblichen Eltern zu suchen. "Was ich immer gesucht habe, war eine Antwort auf die Frage, wem ich ähnlich sehe", sagt die heute 23-Jährige. "Aber ich habe nicht erwartet, dass dabei etwas herauskommt. Ich hab" gedacht, ich versuche das mal, und dann kann ich für mich das Thema abhaken."
Doch es kam ganz anders. Schon einen Tag nach der Sendung meldete sich eine Frau bei dem Fernsehsender, die behauptete, Anneli sei ihre Tochter. "In dem Moment war ich geschockt", erinnert sich Anneli, "ich wusste gar nicht was ich machen sollte. Ich war wie vom Blitz getroffen." Es folgten viele Gespräche, Befragungen und DNA-Vergleiche - bis schließlich zwei Tage nach der Rückkehr der Anruf aus Korea kam: Die DNA stimmt überein.
Wenige Wochen später kam es in der Fernsehsendung zum ersten Treffen. "Die erste, die ich sah, war meine Mutter, sie hat total geweint. Ich habe mich wirklich nur gefreut", beschreibt Anneli ihre Gefühle, als sie ihrer leiblichen Mutter zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand. "Ich habe gedacht, ich habe eine Bereicherung, ich sehe sie, ich lerne sie kennen. Und dann hat die Mutter was erzählt, und ich habe kein Wort verstanden."
Schließlich stellte sich heraus, dass Anneli auch noch zwei Schwestern und einen jüngeren Bruder hat. Als ihre Mutter mit ihr schwanger war, hat sie im sechsten Monat eine Schwangerschaftsvergiftung bekommen. Es ging ihr so schlecht, dass sie sich kaum um die beiden anderen Töchter kümmern konnte, die damals zwei und vier Jahre alt waren. Die Ärzte hatten nicht ausgeschlossen, dass die Mutter oder Anneli, oder sogar beide, sterben könnten. Deshalb sollte Annelie nach der Geburt erst mal bei der Großmutter aufgepäppelt werden - sofern sie die Geburt überlebt.
Sie hat, doch ihre Mutter hat sie nicht mehr gesehen, weil sie nicht bei Bewusstsein war, als Anneli auf die Welt kam. Nur zwei Tage später sagte die Oma, das Kind sei gestorben. Ob die Oma oder deren angebliche Bekannte Anneli in das Kinderheim gegeben haben, von wo sie schließlich zur Adoption freigegeben wurde, ist ungeklärt.
Klar ist aber, dass Anneli Schinkel nie bereut hat, sich auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern zu begeben. Ihre leibliche Mutter hat sie inzwischen schon zweimal wieder besucht. "Ich fand das Treffen unglaublich toll und wünsche jedem so ein Happy End!" Während ihre Eltern schon seit vielen Jahren in Köln leben und arbeiten, ist Anneli nach dem Abitur mit ihrem Freund nach Stuttgart gezogen, wo sie mittlerweile seit mehr als drei Jahren lebt.
Am morgigen Mittwoch, 25. Januar, ist Anneli Schinkel ab 22.45 Uhr zu Gast in der ZDF-Talkshow von Johannes B. Kerner. Weitere Gäste der Sendung sind die Schauspielerin Veronica Ferres, die Moderatorin Sandra Studer, der Psychologe Werner Katzengruber sowie die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth.
Das Buch "Bin ich ihr ähnlich? - Adoptivtochter auf Spurensuche in Korea" ist erschienen im Verlag Books on Demand, ISBN-Nr. 3-8334-33915-7. Das Werk von Gerd Schinkel umfasst 244 Seiten und kostet 14,90 Euro.KWZ
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Und hier ein Link zu einem
Artikel über die Geschichte aus der Stuttgarter
Zeitung.
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Pressetext zu Talkauftritt mit Frank Elstner bei "Menschen der Woche", SWR-Fernsehen, Samstag, 20. Mai 2006 :
Anneli Schinkel
"Bin ich ihr, meiner leiblichen Mutter, ähnlich"? Dieser Frage ging
die Adoptivtochter Anneli vor drei Jahren nach. Die junge Frau, aufgewachsen in
Kornwestheim, begab sich auf Spurensuche in ihrer "Heimat" Korea. Mit
Hilfe einer koreanischen Fernsehsendung erfüllte sich plötzlich das
Unglaubliche: Anneli begegnete ihren leiblichen Eltern. "Was ich immer
gesucht habe, war eine Antwort auf die Frage, wem ich ähnlich sehe", sagt
die heute 23-Jährige. Ihre Adoptiveltern Gerd und Martina Schinkel unterstützten
die Suche. Mit einem Buch über die Ereignisse möchte die Familie auch anderen
Adoptiveltern Mut machen.