„Nix dagegen“

eigen(sinnig)e Lieder, überlebt und verfallen

Dieser Lieder sind aus einer anderen Zeit, 
nicht aus einem anderen Leben. 
Es sind Lieder, 
die durch den Zeitablauf überholt wurden, 
aber als ich sie in den siebziger und Anfang der achtziger Jahre geschrieben habe, waren es aktuelle Protestlieder im besten Sinne: aktuell und eindeutig parteilich. 
Ich habe sie für diese Aufnahme geringfügig bearbeitet, um nicht die Jahre zu ignorieren, 
die inzwischen vergangen sind. 
Die Aufnahme war wohl der letzte Anlass, 
sie noch mal zu singen... 
So gesehen sind es Lieder 
aus dem Archiv für das Archiv 
und für diejenigen, 
die am Rückblick sentimentales 
oder anderes Vergnügen finden: 
"Weißt Du noch, damals... 
bei der Sitzblockade ... 
vor dem Bauzaun... 
auf der Demo ..."

1 Die Tage werden kürzer
ein Lied über eine Wachtraum-Vorstellung; war zunächst auf eine Melodie von Jackson C. Frank und hat mit dem Originalthema absolut nichts zu tun. Dann merkte ich, wie „wortreich“ der Text werden würde und bemühte mich um eine Komposition, die dem Rechnung trug, entstand Ende der siebziger Jahre.
2 Spekulantensong

mein erstes richtig komplett eigenes politisches Lied, mit dem ich mich auch an die Öffentlichkeit getraut habe. Das Thema „Hausbesetzungen“ sorgte für reichlich Schlagzeilen. Ich hab zwar keine mitgemacht, aber Sympathie gespürt. Geschrieben 1972
3 Drei alte Kisten

noch so ein „Hausbesetzersong“, aus der Distanz verfasst, quasi Krawallromantik aus zweiter Hand im revolutionären Reggae-Rhythmus... geschrieben 1981. Es gab auch eine rockmusikalische Fassung mit „Krise“
4 Schon wieder

neben Hausbesetzungen gab es Ende der siebziger / Anfang der achtziger Jahre Bauplatzbesetzungen, Zufahrtsblockaden, Menschenketten und andere mehr oder weniger romantische und phantasievolle Formen des Bürgerwiderstandes gegen obrigkeitliche Planungs- und Vorsorgemaßnahmen, sei es zu vorgeblichen Energie- oder zur angeblichen Friedenssicherung. Die Gegnerschaften waren eigentlich immer gleich: „Die da oben“ gegen „die da unten“... dieses Lied entstand 1976  unter dem Eindruck der Bauplatzräumung in Brockdorf an der Unterelbe, und irgendwann, um die 25 Jahre später, einen Aktualisierungsversuch mit "Schon wieder 2"
5 Furcht im Nacken

gleiches Szenario: zum Gehorsam verpflichtete „Uniformierte“ gegen ungehorsame „Zivilisten“, zwischen denen jeglicher Gesprächsfaden gerissen ist. Dies Lied ist der Versuch, sich unter die „Uniformierten“ zu mischen und dort seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Geschrieben 1981, gab es auch eine rockmusikalische Version mit meiner Gruppe „Krise“.
6 Computer

als die Bundesregierung Ende der siebziger Jahre eine großangelegte Volkszählung durchführen wollte, hatte sie wohl kaum damit gerechnet, dass ihre die Pläne derartig zerpflückt wurden. Dass die Daten alle gespeichert werden könnten und damit jeder quasi durchleuchtet erfasst wäre, war kurz vor 1984 auch mit Blick auf Orwells gespenstisches Szenario eine Schreckensvision - vor allem, weil Computer noch mit reichlich Geheimniskrämerei umwabert waren, und im Grunde für grenzenlose Überwachung standen... geschrieben 1979
7 Zähl mal mit

in Nürnberg, der Stadt der Reichsparteitage, befahl die „Obrigkeit“ eine Razzia gegen das Jugendzentrum „Komm“, weil sie dort ein staatsfeindliches Widerstandsnest wähnte. Die Polizei reagierte völlig überzogen und verhaftete 141 brave Bürgerkinder, so dass ein Aufschrei durch die liberal-alternative Szene ging; geschrieben 1981
8 Sozialistengesetz

es gab was zu feiern: das hundertjährige „Jubiläum“ der Sozialistengesetze im deutschen Kaiserreich, auf deren Grundlage unter Bismarck Sozialisten kriminalisiert und verfolgt wurden. Dieser „Geburtstag“ fiel in die Zeit der „Berufsverbote“ während der Regierungszeit einer sozial-liberalen Koalition: Auf der Grundlage eines Radikalenerlasses, auf den sich die Ministerpräsidenten der Bundesländer und die Bundesregierung geeinigt hatten, sollte jeder aus dem öffentlichen Dienst fern gehalten werden, der nicht die Gewähr dafür bot, dass er sich jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes einsetzen würde. Die bloße Mitgliedschaft in einer als „verfassungsfeindlich“ (und nicht etwa „verfassungswidrig“) eingestuften Organisation war ausreichend für Zweifel. Geschrieben 1978
9 Freund aus Potsdam

im „Stern“ stand die damals überraschende Story, dass westdeutsche Geheimdienste Postsendungen mit Adressaten im deutschen Osten systematisch öffneten und mitlasen, um so Spionen auf die Spur zu kommen oder andere, sicherheitsrelevante Informationen zu sammeln. Dass dies von der ostdeutschen Stasi genauso gemacht wurde, war allgemein bekannt oder vermutet, jedenfalls nicht bezweifelt. Ich studierte damals Rechtswissenschaften in Bonn und bekam mit, wie eine sozialdemokratische Kommilitonin gegen diese westdeutsche Bespitzelung und Postöffnungspraxis Verfassungsbeschwerde einreichte. Jahre später wurde dieser Beschwerde tatsächlich stattgegeben... geschrieben 1979

10 Glaubwürdigkeitsmarsch

nicht ganz ernstgemeinter Vorschlag für eine Parteihymne der Deutschen Kommunistischen Partei oder auch der SED-Nachfolgerin, der Partei Demokratischer Sozialisten, zu singen und zu klatschen auf allen Pressefesten der Parteizeitungen "Unsere Zeit" oder "Neues Deutschland" und auf sonstigen Parteiveranstaltungen, vielleicht auch ein Repertoirevorschlag für verschiedene Liedermacher oder Singegruppen in den alten oder neuen Ländern... als ich das Lied 1979 schrieb war es vor allem die DKP-Verlogenheit in der Diskussion um die Sicherheit von Atomkraftwerken: Im Westen eine große Gefahr für die Menschen, im Osten hingegen völlig sicher...
11 Jusotod – 
ein historisches Lied über die Veränderung von Spitzenfunktionären der Jusos - vom verbalen Radikalinski zum angepassten Funktionär, der für die Parteikarriere zu allem bereit ist - auch zur Selbstverleugnung. Kasten Voigt und Wolfgang Roth waren die ersten Vorsitzenden der Jungsozialisten "neuen Typs", also nach 68. Die Vorgänger waren bis dahin (fast alle) schon in der Partei was geworden: Hans Jürgen Wischnewski, Holger Börner in der SPD, Günther Müller war bei der CSU gelandet (!!!), Peter Corterier immerhin auf dem rechten SPD-Flügel im Bundestag. Heidemarie Wieczorek-Zeul wird ihrem früheren Ruf als "rote Heidi" primär frisurmäßig gerecht, Klaus Uwe Benneter ist inzwischen - nachdem Schröder als Rechtsanwalt seine partei-interne "Resozialisierung" betrieben hat, "Generalsekretär" wie irgendwann vor ihm Wischnewski und Börner auch. Von den Juso-Vorsitzenden nach Gerhard Schröder, etwa von dem Zeitpunkt an, als die "Grünen" auf der politischen Bühne erschienen,. hat sich lediglich Andrea Nahles als "linke Quertreiberin" einprägen können, die gelegentlich wider den Vortandsstachel löckt. Aber ich bin sicher, auch ihre Spitze wird stumpf, früher oder später... geschrieben 1981
12 Nix dagegen

die USA hatten mit Ronald Reagan einen abgehalfterten Hollywood-Schauspieler ins Präsidentenamt gewählt, der vor allem mit Cowboyfilmen der B-Kategorie seine Dollars verdient hatte und nebenbei als reaktionärer Sprücheklopfer in die Politik gewechselt war. Kaum im Weißen Haus, schreckte er im Kalten Krieg Freund und Feind mit der Idee auf, den Bau von sogenannten Neutronenbomben in die Wege zu leiten - Bomben, die bei ihrer Explosion keine Sachschäden anrichteten, sondern nur Leben vernichteten, m.a.W. alle gingen tot, aber nichts ginge kaputt. Ein deutliches Wort der Ablehnung durch den damaligen sozialdemokratischen Kanzler Helmut Schmidt war nicht zu vernehmen. Damit hatte die „Friedensbewegung“ ein weiteres Reizthema...; geschrieben 1981


Gerd Schinkel singt auf deutsch eigene Lieder  

CDs für Erwachsene:

Es gibt CDs mit Liedern für Erwachsene in quasi chronologischer Zusammenstellung (drei vorwiegend aus dem vorigen Jahrtausend), eine CD mit meinen besten Liedern aus dem vorigen Jahrtausend und - als besondere Zusammenstellung - einen Viererpack mit meinen besten Liedern.

00 - "Nix dagegen" - eigen(sinnig)e Lieder

01 - „Nicht als Eigentum" - eigen(artig)e Lieder

02 - „Stück des Wegs" - eigen(willig)e Lieder

03 - „So gesehen" - eigen(mächtig)e Lieder

04 - „Weit und offen“  - eigen(ständig)e Lieder  

05 - "Draufgänger" - eigen(händig)e Lieder

06 - "Unentdeckt" - eigen(tümlich)e Lieder

07 - "Du bist schuld" - eigen(wüchsig)e Lieder

08 - "Spuren" - eigen(wertig)e Lieder

09 - "Ausgeliefert" - eigen(nützig)e Lieder

10 - "Bestes Stück" - eigen(brötlerisch)e Lieder

11 - "So ist gut" - eigen(verantwortlich)e Lieder

12 - "Im Handumdrehn" - eigen(süchtig)e Lieder

13 - "Na klar" - eigen(gesetzlich)e Lieder

14 - "Geh ma weg" - eigen(formatig)e Lieder

15 - "Muss was passiern" - eigen(gewächsig)e L.

16 - "Was denn sonst" - eigen(förmig)e Lieder

sowie die besten eigenen aus dem vorigen Jahrtausend :

- "Sternschnuppen"

CDs in besonderer Zusammenstellung:

- "DIE BOX: gnadenlos anachronistisch - aber nicht hoffnungslos"  enthält meine mutmaßlich besten Lieder:
             - DIESE
             - AUCH DIESE
             - AUCH NOCH DIESE
             - WOHL AUCH NOCH DIESE
             - Dann wohl auch noch diese

- "Schicksalsglück" - CD mit 19 Liedern zu meinem  Buch :   „Bin ich ihr ähnlich?" 
             - Adoptivtochter auf Spurensuche in Korea“ -
             erschienen Dez. 2005 bei Books on Demand,
             Norderstedt, ISBN
3-8334-33915-7, 260 S., 14.90 €
            
Buch ist im Handel und bei mir erhältlich, CD nur bei mir

"- "1-fach" Beispielsweisen 
             vorzugsweise auszugsweise 

- "4-fach" Beispielsweisen 
             vorzugsweise scheibchenweise
             als 4er Box angelegt, aber auch jede CD einzeln 
            
( erschienen 2003, thematisch sortiert mit meinen bis 
             dahin geschriebenen besten Liedern):

- „Gegenseitig geschenkt“
     
„Beziehungsweisen“ schönste Liebeslieder
-
„Woher – wohin“ – 
            „Betrachtungsweisen“ beste Lebenslieder
- „Nichts ist ideal“ – 
            „Sichtweisen“ trotzigste Trotzlieder 

- „Papa backt“ – 
           
„Singweisen“ aus der Kinderwelt
   

Es gibt fünf CDs mit eigenen Liedern für Kindern in altersentsprechender Zusammenstellung sowie zwei CDs mit den besten Kinderliedern (einmal laut, einmal leise):

CDs für Kinder:

- "Igitt! Da drin sind Zwiebeln" - für Vorschulkinder

- "Ich bin groß" - zur Einschulung       

- "Papa repariert" - für "frische" Grundschulkinder

- "Der geklaute Gameboy" - für erfahrene Grundschulkinder 

- "Mama, mach Mam'lade" - für große Grundschulkinder

sowie als "beste" Kinderlieder:

- "Aufräum'"   (laut genug)

- "Mach die Tür zu" (leise)

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erhältlich (aber auch nicht im Handel!):

  • "Überlebenslieder - Lieder übers Leben" 60 Lieder
    Textbuch z.T. mit Noten, RADIUS-Verlag 1982
  • Texthefte zu den Kassetten nach Anfrage (auch mit Griffe)

    außerdem CD-Kopien von uralten Studioproduktionen:

13 Sechzehn Nationen
Fußballweltmeisterschaft in Argentinien 1978 - Faschisten an der Macht verüben Massenmorde, doch der Ball rollt... und nun, im März 2004, stellt die rot-grüne Bundesregierung an die argentinische Regierung den Antrag, den früheren Junta-Chef Videla an Deutschland auszuliefern, um ihm wegen des Verschwindens von Elisabeth Käsemann und Klaus Zieschank den Prozess zu machen. Als beide vor 26 Jahren verschwanden, regierte in Deutschland auch ein sozialdemokratischer Kanzler. Wie intensiv ist damals eigentlich versucht worden, gegen Mord und Folter an Regimegegnern in Argentinien zu protestieren? Ach ja, vermutlich sollte man berücksichtigen, dass Argentinien damals wirtschaftlich gesehen - also aus dem Blickwinkel der investierenden Kredithaie - noch ein lukrativerer Markt war als heute...; geschrieben 1978
14 Fremde Augen

in den siebziger Jahren war nicht nur die ostdeutsche DDR ein Zufluchtsland für Verfolgte aus Rechtsdiktaturen in aller Welt, sondern manche wollten auch in der Bundesrepublik Deutschenland darauf warten, dass in ihrer Heimat bessere Zeiten für ein freies Leben ohne Verfolgung anbrachen. Viele Flüchtlinge erhielten in Westdeutschland Asyl, doch haben sie nicht in dem Umfang eine herzliche Aufnahme erfahren, wie sie es sich erhofft hatten und wie es - nach den finsteren Zeiten in Deutschland, als viele Deutsche ihre Heimat verlassen mussten und im Ausland Asyl fanden - angebracht gewesen wäre. Übrigens ließ auch in der DDR neben der politisch verordneten internationalen Solidarität die Herzlichkeit der Freundschaft zu wünschen übrig... geschrieben 1978
15 Karl der Steife

Karl Carstens war von der CDU/CSU-Fraktion in verschiedenen Spitzenfunktionen gewählt worden und hatte sich bei mir durch sein schneidiges Auftreten unbeliebt gemacht. Dann wurde seine mangelnde Distanz zum NS-Regime ruchbar – gleichwohl lies er sich als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten aufstellen, nachdem die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung klar waren und es an seiner Wahl keinen Zweifel gab. Für die Frohnatur Scheel gab es nur eine Amtsperiode, und dann kam diese Nachfolgeregelung, die eine „braune Vergangenheit“ wieder als Normalfall aussehen ließ, als hätte es nie zumindest den Versuch eines Neuanfangs gegeben... geschrieben 1978
16 Neuanfang

keine Auftragsarbeit, aber quasi eine Pflichtübung für mich, als eingeladen worden war, bei einer Gewerkschaftsveranstaltung zu spielen, mit der an das 40 Jahre zurückliegende Kriegsende erinnert wurde; geschrieben 1985
17 Wenn der Vorhang fällt

Ende der siebziger Jahre hatten wir – Martina und ich – das Vergnügen, am Stuttgarter Schauspielhaus einige Inszenierungen von Claus Peymann und seinem Ensemble zu erleben. Wie danach nie wieder waren wir gepackt von der Kraft und Spielfreude, die über die Bühne kamen. Und dann bat Claus Peymann am Schwarzen Brett des Staatstheaters um eine Spende für eine Zahnbehandlung, der sich eine im Stammheimer Hochsicherheitstrakt inhaftierte Terroristin namens Gudrun Ensslin unterziehen musste. Was folgte, war eine beispiellose Hetzjagd gegen den linken Intendanten, der mit seinem frechen und respektlosen Theater für den reaktionären Stuttgarter Ministerpräsidenten Hans Filbinger längst zum roten Tuch geworden war. Auch ein vorgeblich so liberaler CDU-Oberbürgermeister Manfred Rommel konnte oder wollte Peymann nicht halten, der mit fast seinem gesamten Ensemble nach Bochum zog. Ein Aderlass, von dem sich das Stuttgarter Schauspielhaus jahrzehntelang nicht erholt hat. Mein Lied war der Versuch einer Art Suite, mit der ich nach der letzten Vorstellung meine Dankbarkeit für so manches unglaublich schönes Theatererlebnis ausdrücken wollte; geschrieben über einen längeren Zeitraum hinweg Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre, bis zu letzten Korrekturen 2003.

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