Herzlichen
Glückwunsch
Herzlichen
Glückwunsch und willkommen im Club –
es sind ja schon ein paar da.
Gehörst nun auch dazu, auch wenn du dich sträubst,
sag nicht, das war dir nicht klar.
Sich
wehr’n ist zwecklos, auch wenn du’s probierst.
Pass auf, dass du dich dabei nicht nur blamierst.
Du hast es schwarz auf weiß und spürst es, nicht wahr –
nix ist mehr so wie es war…
Du
steigst am Morgen schwer wie Blei aus dem Bett,
nicht nur dein Kreuz tut dir weh.
Du greifst zur Pillendose, nimmst was du brauchst,
noch vor dem ersten Kaffee,
drehst
dich vorm Spiegel und willst, dass er lügt.
Er kann nicht anders, wenn er dich nicht betrügt.
Du stehst vor dir und du erkennst dich auch klar –
nix ist mehr so wie es war…
Du
greifst zur Zeitung – ohne Brille geht nix –
willst seh’n, was läuft in der Welt.
Wer ist gestorben und wen hast du gekannt –
was dir die Lebenskraft hält.
zwar
spürst du Reißen in Schultern, im Bein:
und ignorierst es auch – es darf doch nicht sein…
Das Alter kommt dir näher und ist schon da –
nix ist mehr so wie es war…
Beiß
auf die Zähne, dein Gebiss ist doch gut –
es war doch teuer genug.
Lach dir die Falten tief und nimm’s wie es kommt,
sei altersweise und klug.
Mach
dir nichts vor. Du weißt genau, was noch stimmt.
Du hast Erfahrung, die keiner dir nimmt,
und irgendwie kommst du auch damit schon klar -
denn nix bleibt so wie es war.
2006
Ausgeliefert
Wenn
du an mich denkst,
ich glaub, ich kann das spüren,
hab das im Gefühl,
einen siebten Sinn.
Wenn du mir Sehnsucht schenkst,
wir uns mental berühren,
ist das mehr als ein Spiel,
weil ich dir nicht entrinn.
Weißt
du, was „ausgeliefert“ heißt?
Wenn du nicht mehr weißt,
was mit dir geschieht –
so wie’s mich zu dir zieht.
Träum
ich mich dir nah,
träum ich mich dir näher,
näher geht’s nicht mehr,
nah, so nah es geht.
Kneif mich – wird es wahr?
Schon bald oder schon eher?
Kommst du zu mir her?
Merk, wie sich alles dreht.
Kann
ich bei dir sein,
umhüllt mich andere Sphäre,
bin dann ganz weit weg,
auf einem anderen Stern.
Auf dem bin ich nicht klein,
wie ich’s ohne dich wohl wäre.
Da brauch ich kein Versteck,
bin dort von dir nicht fern.
Sind
wir in unserm Nest
verschränkt, vereint, verbunden,
wir unsere Hitze spürn,
den Puls der Leidenschaft,
dann saugen wir uns fest,
Genuss mit Gier gefunden,
wenn wir uns so verführn
erschöpft nichts unsere Kraft.
2006
"Melanie"
Blick zurück – ich hör, wie
viele Stimmen krächzten,
als noch die Nachmittage unsere Zeiten warn,
wir über Schule, über unsere Lehrer ächzten,
für uns eine völlig andere Zukunft sah’n.
Das war, als laute Rhythmen unsere Eltern schreckten,
aus dunklen Kellern, bunte Poster an der Wand.
Als wir’s versuchten, doch uns Küsse noch nicht schmeckten,
als zögernd meine Zunge zwischen deine Lippen fand.
Unsere alten Lieder spieln sie manchmal wieder –
Ruby Tuesday - das war eben Melanie...
Schon seh ich dich wieder, du singst ihre Lieder,
singst den Nickelsong viel schöner noch als sie...
la lala lala lala la, la lala lalala la la
They put in a nickel and you sang a little song.
Ein paar Jahre später, als die Küsse schmeckten,
statt in Matratzenkellern wir in dunklen Kneipen warn,
Köpfe zusammen, unsere Ziele höher steckten,
und uns erst am Anfang unserer Reisen sah’n.
Und jeder hatte seine Lieder, jeder gern gesungen,
jeder neue Freundschaften gefunden und gepflegt,
neue Ziele sich gesetzt, von Leidenschaft durchdrungen,
was unwichtig geworden, ohne Zögern abgelegt.
Verliebt hast du dich nicht in mich, wo blieb die Nähe?–
Kompromisslos brachst du auf, ihm hinterher,
statt blond nun dunkel, wie ich’s heut noch vor mir sehe.
Aus Palästina hörte ich von dir nichts mehr.
Als Jahre später mich die Pflichten nicht mehr schreckten,
und Kompromisse längst ein Teil des Alltags warn,
„Erwachsenen-Küsse“ und auch Kinderküsse schmeckten,
hab ich erst, wie es dir ergangen ist, erfahrn.
Dein Mann erschossen, und du Witwe mit zwei Kindern,
von Hass umgeben, Bürgerkrieg im Libanon,
Um deine Rückkehr in den Frieden zu verhindern,
vom Schwager abgeknallt kurz vor dem Flug nach Bonn.
Im Rückblick sogar schlecht geküsste Küsse schmecken.
Zum Schmerz kommt Dank, dass ich ihr
nah stand, irgendwie.
Zwei Söhne heute schließlich ihre Mutter neu entdecken,
nun älter als
sie wurde, erinnern sie sich kaum an sie.
2005
Die
Macht des Glaubens
Macht wie die Mullahs
würden sie so gern genießen,
und trauern längst vergang’nen Zeiten hinterher,
als ihresgleichen noch die Hexen brennen ließen,
und wünschen sich, ach wenn’s doch immer noch so wär’.
Dann wär’ die Erde
immer noch die flache Scheibe,
an die zu glauben nur der Angst geschuldet war.
Den Paradiesverweis verdankten wir dem Weibe –
Und vom Leibhaftigen käm’ Darwins Lehre her.
Unbeirrt und
selbstgerecht –
der Glaube echt....
Für sie ist Toleranz
des Teufels reine Lehre,
dies zu verkündigen die höchste Glaubenspflicht.
Sie ahnen, was ein Leben ohne Sünde wäre,
was sie auch beichten – sie bereu’n es sicher nicht.
Um für sich selber
die Erlösung zu verdienen,
geh’n sie auf Kreuzzüge, die Gottes Werk zerstör’n,
behaupten, ihnen sei in Träumen Gott erschienen –
auf Zweifel können sie sich grenzenlos empör’n...
Sie haben Dogmen und
für jeden Fall Zitate,
mit denen sie das eigene Denken sich erspar’n.
Sie sehen alles richtig aus der eigenen Warte,
wer die nicht teilt, der hat des Lebens Sinn vertan.
Fanatisch drohen sie,
um so zu überzeugen,
mit blankem Hass, erbarmungslos im Hinterhalt.
Wer nicht zu Kreuze kriecht, nicht lernt, sein Kreuz zu beugen,
dem wird das Kreuz gebrochen, gnadenlos und kalt.
Unfehlbar sind sie in
Unfehlbarkeit gefangen,
absolut absolut, fatal fundamental,
sie halten für befreit, wen sie zuvor bezwangen,
und Freiheit schlicht und einfach für katastrophal.
Sie sind von Eifer
und Bekehrungssucht getrieben,
dem Wahn verfallen rechnen sie mit Gottes Lohn.
Wiedergeboren, auferweckt, übrig geblieben
sind sie die späten Erben der Inquisition.
2006
Ausziehen
Weil
die Deutschen offenbar
nicht mehr wissen, wie man Kinder macht,
haben Politik und Wissenschaft
gründlich drüber nachgedacht.
Aber wenn man nur so denkt,
was kommt dabei am End schon raus –
wenn man immer nur zusammensitzt
und zieht sich dabei nicht mal aus…
Die
Merkel sagt, sie weiß
wie das geht, als Mutter der Nation,
Theorie ist nur nicht alles –
wie viel Kinder hat die Dame schon?
Aber wenn man nur so plappert,
was kommt dabei am End schon raus -
zieht man keine Konsequenzen,
zieht sich nicht mal aus.
Der
Müntefering glaubt,
am besten schafft das Vater Staat,
hält er dies und das
für den Kinderfall parat.
Aber wenn man nur so glaubt,
was kommt dabei am End schon raus –
Kinder komm’ nicht von allein –
schon gar nicht, zieht man sich nicht aus.
Der
Stoiber rät, am aller-
besten geht das mit Moral.
Fördert man die Ehe,
kommen Kinderlein in hoher Zahl.
Aber wenn man so was rät,
was kommt dabei am End schon raus –
geht man nur verklemmt zur Sache,
zieht sich nicht mal aus.
Westerwelle
dreht
das Problem nach hinten und nach vorn,
er hat immer eine Antwort,
da muss man gar nicht lange bohr’n,
aber wenn man nur so dreht,
was kommt dabei am End schon raus –
ohne Mutter keine Kinder –
und schon gar nicht, zieht sich keiner aus.
Die
Grünen sind besorgt –
in der Partei die jungen Leute fehln,
Man kann sie zwischen alten Grau’n
an einer Hand abzähln.
Aber wenn man sich nur sorgt,
was kommt dabei am End schon raus -
für Nachwuchs muss man sorgen,
und das geht nicht, zieht sich keiner aus.
Wer
annimmt, dass Politiker
schuld an dem Desaster wär’n
der soll erst mal Luft holn –
er könnte sich zu früh beschwern.
Sucht man nur die Schuld,
was kommt dabei am End schon raus –
jeder ist mit schuld,
zieht man sich noch nicht mal aus.
Manche
wissen, wie
man Karriere und auch Kinder macht –
die von der Leyen weiß es –
immerhin hat sie fast acht.
Will man wissen wie,
was kommt dabei am End schon raus –
der Klapperstorch hat sie gebracht –
da zog sich keiner aus.
Wie
soll das nun weitergehn,
gibt’s keine Deutschen mehr –
Katastropheneinsatzplan –
wie kommen Kinder her?
Reagiert man panisch,
was kommt dann am End schon raus -
vogelgrippt der Klapperstorch –
und bringt kein Kind ins Haus.
Dann
muss man selber ran,
denn niemand nimmt die Sache ab.
Vor allem braucht ihr Ausdauer,
macht dabei nicht so schnell schlapp.
Wollt ihr wissen was zu tun ist –
dann probiert es selber aus –
Mit einem müsst ihr anfangen –
zieht
euch gegenseitig aus…
2006
Wenn
andere in den Spiegel sehen,
wird deutlich, wem sie ähnlich sind.
Wer kann fest auf dem Boden stehen,
als nachtgebor’nes Findelkind.
Zur
Welt gebracht im schwarzen Dunkel,
weiß nicht von wem und weiß nicht wann.
Objekt stets für Gerücht, Gemunkel -
man überlebt’s, gewöhnt sich dran.
Weiß
nichts von sich, von seinen Genen,
von seinen Wurzeln, seinem Weg.
Wo fing er an? An wen sich lehnen?
Die Herkunft ohne ein Beleg....
Verklapptes
Kind, kalt abgenabelt,
anonym aus nichts gebor’n,
aufgesammelt, aufgegabelt -
gefunden und bleibt doch verlor’n.
Aus
der Familienchronik hören -
auch jenen Abschnitt über sie.
Weiß der gewiss, er wird nie stören,
wer nie weiß, ob man ihm verzieh,
dass
er entstanden und gewachsen -
doch nicht gewollt, deshalb entsorgt,
entbunden und gleich losgeworden -
wie ein Objekt, auf Zeit geborgt.
Wenn
and’re ihre Ahnen ehren,
vielleicht auch einfach ignorier’n,
ist dies für manche ein Begehren,
an dem sie den Verstand verlier’n.
Verschickt,
verscherbelt und verschoben,
verkappte Wurzeln, abgekappt –
nichts dringt ans Licht, die Spur zerstoben –
auch ohne Klappe nur verklappt.
2006
Kinderklau
Schon länger als ihr halbes Leben
Sucht sie ihr Kind, so früh verlor’n,
hätt’s nie freiwillig hergegeben,
man nahm es ihr, kaum war’s gebor’n.
Sie war noch jung, grad dreizehn Jahre,
beim ersten Mal gleich war’s passiert,
Details, die ich mir hier erspare -
wer Liebe sucht, Liebe probiert…
Dass sich nach Monaten was
regte,
in ihrem Körper sich was tat,
sich nach und nach in ihr bewegte –
was interessierte das den Staat?
Die Stasi kommt, fängt an zu quälen,
mit Helfern, willig und devot,
die Mutter hat nichts mehr zu wählen,
wird eingeschüchtert und bedroht.
Gestohl’n, geraubt, entrissen –
Kinderklau, gleich nebenan,
ungesühnt, will’s einer wissen ? –
denn die sind noch immer dran.
Und sie hauen ihre Stempel
menschenverachtend auf Papier
im selben Bürokratentempel,
Handlanger damals, und noch hier…
Auf harter Pritsche die Entbindung,
sofort nimmt man das Kind ihr weg,
fragt nicht nach ihrer Schmerzempfindung,
behandelt sie wie feuchten Dreck.
Erst Tage später darf sie wissen,
woanders hat’s ihr Sohn doch gut,
und sie weint nächtelang ins Kissen,
wer weiß, wie weh es ihr noch tut.
Nach Wochen dann ein warmer Regen,
woher kommt plötzlich so viel Geld?
Ihr Vater nimmt’s, hat nichts dagegen,
wenn’s Leben leicht wird, das gefällt.
Der Kinderraub ist längst besiegelt,
das Jugendamt der Stasiarm.
Die Tochter hat sich eingeigelt,
fühlt sich verkauft, verraten, arm.
Nach Jahren geht die Staatsmacht
unter,
die Zeit der Stasi – aus, vorbei,
das graue Leben langsam bunter,
sie geht auf Suche, fühlt sich frei.
Will wissen, wo ihr Sohn geblieben –
rennt gegen Mauern, jeder schweigt,
grad die ins Unglück sie getrieben,
niemand von denen Mitleid zeigt.
Die ihr den Sohn eiskalt gestohlen,
tun heute so, als wär’s nicht wahr.
Unmissverständlich wird empfohlen,
find dich mit ab, was war, das war,
Und ihre Klagen zu nichts führen -
Ihr Sohn bleibt Raub, zwangsadoptiert.
Man droht ihr, ja nicht dran zu rühren -
die alte Seilschaft funktioniert.
Doch sie bleibt dran, lässt sich
nicht schrecken,
dann hilft ein Zufall, wie so oft,
ein Anruf reicht, um zu entdecken,
nichts ist verlor’n, solang man hofft.
Sie weiß nun, wo ihr Sohn geblieben,
der sie nicht kennt, sein Leben lebt.
Sie hat ihm einen Brief geschrieben,
nicht abgeschickt, nur zugeklebt...
2006
Nur
geklont
Wir
seh’n, dass alles funktioniert,
alles läuft ja wie geschmiert,
keine Frage: Nichts geht schief,
keiner fällt so richtig tief.
Wir
haben alles fest im Griff,
ist alles klar auf dem Schiff.
Und fragt einer, wie das geht,
dass sich da gar nichts überdreht,
gibt’s nur eins, was dies erklärt:
Wird Zeit, dass jeder es erfährt:
Wir
sind alle geklont –
ham alle schon mal hier gewohnt,
sind ganz bestimmt nicht alle echt –
was irgendwann sich sicher rächt.
Wir sind sowieso gedopt –
man hat das lang an uns geprobt
und dann gemerkt, dass es sich lohnt –
wir sind alle nur geklont.
Wir sind alle nur geklont.
Wir
hör’n, dass keiner widerspricht.
Alles klar – das tun man nicht.
So nimmt man alles einfach hin,
fühlt sich nur wohl so mitten drin.
Da
steht auch keiner außen vor,
und jeder singt mit im Chor.
Falls doch einer dann mal fragt,
ist doch klar, was man dem sagt,
denn nur eins kann dies erklär’n,
und darum soll’n es alle hör’n:
So
laufen alle mit im Schritt –
wunderbar, das hält fit.
Und es schert auch keiner aus –
und falls doch, fliegt der raus.
Damit
ist die Richtung klar –
wunderschön, wunderbar.
Und falls einer Fragen stellt,
Zweifel sät, der sich auch hält –
dann ist keinem was bekannt –
nur hinter vorgehalt’ner Hand:
Wir
sind alle geklont –
ham alle schon mal hier gewohnt,
sind ganz bestimmt nicht alle echt –
was irgendwann sich sicher rächt.
Wir sind sowieso gedopt –
man hat das lang an uns geprobt
und dann gemerkt, dass es sich lohnt –
wir sind alle nur geklont.
Wir sind alle nur geklont.
2006
Schöner
Döner
Mein leerer Bauch revoltiert –
der Hohlraum fühlt sich abserviert.
Such nen Imbiss mir zu Will’n -
Denn ich will mein’ Kohldampf still’n.
Und les’ da ne Schlagzeile – richtig fies,
die mich würgen lässt, und hör dies:
Guten Appetit – knurrt der Magen sein Lied,
geht’s um Profit, zählt der Unterschied.
Hunger hab ich auch – wozu hat man den Bauch –
Fleisch hält fit – komm’, iss mit –
So’n Döner macht dich schöner –
gut gekaut – und verdaut.
Riecht er auch schon streng –
sieh das nicht so eng –
Hauptsache satt, dass man gegessen hat.
Ich krieg was ich will ganz frisch,
denk ich, stell mich an den Tisch.
Während ich versonnen kau,
seh ich, wie ich um mich schau:
Was die Zeitung beschrieben hat, dreht sich am Spieß…
mir dreht sich der Magen und ich denk dies:
Bei ganz genauer Fleischbeschau
kam raus, man nahm’s wohl nicht genau.
Im Kühlhaus lag, und das recht kalt,
ne Menge Fleisch, schon ziemlich alt,
und doch noch frisch laut Etikett –
was man gebraten, unter der Soße nie gesehen hätt’…
Gammel-Hammel – ein satter Trick.
Der Händler hängt sich satt an’n Strick.
War’s schöner Döner, gut verdaut?
Auf’s Datum hab ich nicht geschaut,
und irgendwann sterb ich ja sowieso auch –
Wo mein Gammelfleisch hängt, siehst du: hier am Bauch.
2006
Kohlroulade
Er
lügt immer noch -
kriecht aus seinem Loch
als wenn nichts gewesen wär -
nichts gewesen wär.
Zurück
ins Rampenlicht, - bereit,
bescheiden nicht,
was hat er da verlorn - so unverfrorn.
Er
grinst frech und breit - von jeder
Scham befreit
So als hätt er nichts getan - nie
was getan.
Er
tut so als ob -
gäbs für ihn kein Stopp
und er hätt immer freie Bahn -
immer freie Bahn
Zynisch
und voller Hohn - lacht er, wer
kann ihm schon
was wolln, soviel Gewicht - bewegt man
nicht.
Wie
er Komplizen deckt - ein Gauner,
den nichts abschreckt,
der nichts bei denkt, kriegt er schmutziges Geld geschenkt.
Er
pocht aufs Ehrenwort - als er’s
gab, war es schon fort.
Er pfeift auf das Gesetz - noch heut,
noch jetzt.
Solang
er sich ungestraft - als Gauner
selbst entlarvt,
schützt sein Ehrenwort nicht mehr -
als Ganovenehr’.
Wenn
er wie’n Dackel guckt -
hilflos die Schultern zuckt
Als hätt er keine Wahl -
ist das fatal.
Wer
so die Strippen zog - ein ganzes
Volk belog
Wie kommt der an Respekt - so klar
befleckt.
Wie
er breit übern Bildschirm lacht – er weiß, wie man’s macht
der Rechtsbrecher wird hofiert -
statt einkassiert.
Wie
er sich feiern lässt - gibt unserm
Recht den Rest.
Er zeigt sich ungeniert - und wird
hofiert, ungeniert
Sag nicht, dass so was nicht passiert, weil es grad passiert.
2004
Freispruch
?
Gute
Geschichten hört jeder doch gern.
Spannend ist diese – handelt von einem Herrn.
In der CDU Hessen war er nicht irgendwer,
hatte Macht, hatte Einfluss – Generalsekretär.
War auch die Partei noch in Opposition –
Dafür war sie stramm rechts, jahrzehntelang schon.
Das zu bewahren war damals sein Ziel –
Kein Einsatz zu hoch – Politik ist kein Spiel.
In
der Politik geht es um Einfluss und Macht.
Wer beides vereint, hat es zu was gebracht.
Wer zielstrebig auftritt, gilt als großes Talent,
was mancher mit Spenden auch gern anerkennt.
Doch manchmal sind Spenden nicht ganz so legal –
Ein Fall kam heraus, genannt Flick-Skandal.
Bloß nicht da reinrutschen, das war sein Ziel –
Kein Einsatz zu hoch – Politik ist kein Spiel.
Etwa
Freispruch für Manfred Kanther?
Ja, das sei nur gerecht, so befand er.
Doch er war reif, er war dran, längst überfällig –
Vielleicht nicht kriminell, aber kriminellig,
er war reif, er war dran, das begreift man schnell –
zumindest kriminellig, wenn schon nicht kriminell...
Die
Spenden verwenden zum besseren Zweck –
Eh der Staat sie kassiert, schiebt man sie besser weg.
Millionen verschoben, schwarz in die Schweiz –
Keiner muss es erfahren – es ist ja kein Geiz.
Die Zinsen erklärt man – da ist man so frei –
als jüdische Erbschaft – und grinst wohl dabei...
Dann wird er Minister, ist als Sheriff am Ziel
Mit „Null Toleranz“ – Politik ist kein Spiel.
Doch
irgendwie kam schließlich alles ans Licht –
Das Geld war in keinem Kassenbericht.
Ein Bußgeld war fällig, traf hart die Partei –
Die CDU grollte – doch er fand nichts dabei,
sein Unrechtsbewusstsein blieb immer noch klein –
was sollte an Geld schon Verwerfliches sein?
Doch wird er verurteilt – das war nicht sein Ziel...
Wo bleibt seine Ehre – Politik ist kein Spiel...
Was
kämpft er um Ehre – hat davon nicht mehr
Als ein kleiner Ganove, der verknackt worden wär’,
hätt’ er die Gesetze so nassforsch verletzt –
doch der schwarze Sheriff bleibt stur bis zuletzt.
Da ist er nicht anders als sein Kanzler Kohl –
Auch der pochte auf Ehre – und schon klingt das Wort hohl...
Für manchen ist Macht das einzige Ziel –
Und Gier treibt sie an – Politik ist kein Spiel.
2006
Fast
dreissig Jahre
Fast
dreißig Jahre Vertrauen gegen Vertrauen –
Immer mitgedacht, alles mitgemacht,
nur für den Ertrag.
Fast dreißig Jahre ein Leben aufgebaut auf
weiter nichts als Sand. Rinnt er durch die Hand,
von grad zum nächsten Tag?
Was
soll werden? Wie geht’s weiter? Wo geht’s hin?
Ohne Job, ohne Kredit, im Strudel drin...
Doch wer fragt danach, wen kümmert’s, geht’s was an?
Abteilung dicht – nach dieser kommt die nächste dran...
Nach
dreißig Jahren Erfahrung, die gewachsen ist:
Wissen eingebrannt, jeder Kniff bekannt,
stolz dazu gehör’n...
Nach dreißig Jahren – ein Pfeiler, der zu stützen weiß –
Doch der Boden bebt, das Fundament sich hebt –
und am End nur stör’n...
Was
soll werden? Wie geht’s weiter? Wo geht’s hin?
Ohne Hoffnung, ohne Chance, im Strudel drin...
Doch wer fragt danach, wen kümmert’s, geht’s was an?
Abteilung dicht – nach dieser kommt die nächste dran...
Noch
fünfzehn Jahre – die Zukunft perspektivlos –
Rücken an der Wand, kein Schritt bis zum Rand –
nach rechts und links blockiert...
Noch fünfzehn Jahre – noch mal von vorn beginnen...
Konkurrenz fatal, aber keine Wahl,
wer aufgibt, der verliert...
Was
kann werden? Wo geht’s weiter? Wie sieht’s aus?
Sich gewehrt, gerudert, aus dem Strudel raus...
Doch wer fragt danach, wen kümmert’s, geht’s was an?
Abteilung dicht – nach dieser kommt die nächste dran...
2006
Flieg
Welche Weiche war die Falsche?
Welcher Abzweig ging ins Nichts?
Welche Richtung ging ins Leere,
ins Land des Schattens, nicht des Lichts?
Welche Schienen führ’n zum Prellbock,
welche Schneise in ein Loch?
Welcher Trampelpfad zum Abgrund –
erinner’ dich, du weißt es doch…
Kann der Weg so einfach aufhör’n
und du stehst vor glatter Wand
in der Sackgasse, die endet
wo sich nie ein Ziel befand,
wie im Tunnel, der nie aufhört,
wie ein Hohlweg, schmal und eng –
an ein Umdreh’n nicht zu denken,
weil es niemandem geläng’…
Denk dich über jede Hürde,
träum dich dorthin, wo du magst.
Lass dich von nichts und keinem bremsen,
verkneif dir, dass du lange fragst.
Wer soll dir auch was verbieten,
und warum – jetzt nicht und nie –
lass dich weich und weit weg tragen
beflügelt durch die Phantasie…
2006
Holz
knistert
Holz
knistert im Feuer,
Ascheflocken tanzen durch den Rauch,
aus Glut springen Funken –
was soll Hitze, wenn ich Wärme brauch’?
Komm
her, komm näher,
oder lass mich nah zu dir.
Was ich nicht ertrage, ist Distanz.
Noch mehr, noch näher.
Keiner da – nur wir sind hier.
Die Sonne taucht in’s Meer mit rotem Glanz.
Kein
Wölkchen am Himmel,
kein Lufthauch die Nacht bewegt.
Der Wein rot und trocken,
und dann sich einer zum andern legt...
Komm
her, komm näher,
oder lass mich nah zu dir.
Muss dich bei mir fühlen, dich berühr’n.
Noch mehr, noch näher –
Was wir brauchen, haben wir,
was wir für einander fühlen, könn’ wir spür’n...
Sterne
glühen wie Funken.
Manche verlöschen genauso schnell.
Stirbt nach Stunden das Feuer,
wird’s am Horizont wieder hell.
Bleib
hier, bleib bei mir,
nah, dass es nicht näher geht –
spielen wir „Verstecken“ mit dem Tag...
Bei dir, nah bei dir,
bis über uns die Sonne steht,
gibt’s nichts, was ich vermisse, nicht ertrag..
2005
Suchen – finden
Dritte Zähne – zweite Frau und erstes Kind.
Chancen nutzen eh sie längst verpasst von gestern sind.
Hoffen, träumen – alles frisch verwoben.
Neuer Anfang, Blick nach vorne auf ein altes Ziel.
Viel zu lange unzufrieden, Frust im falschen Spiel.
Lust auf Leben nun nicht mehr verschoben.
Unvergessen was gewesen ist –
wer könnt es ausradier’n.
suchen, finden – und den Wert versteh’n
und nicht den Kopf verlier’n
Im ersten Herbst der zweite Frühling - nun zu dritt –
Was lange nicht im Blick war, nimmt man schnell noch mit,
holen, greifen – und sich selbst versorgen.
Nach dem Schussstrich kurze Drehung und dann geradeaus,
aus der Falle, aus dem Käfig, dem Labyrinth heraus.
Perspektiven nicht mehr vertagt auf morgen.
Schattenzeiten aus der Ferne seh’n,
durchlitten und durchlebt,
suchen, finden und den Sinn versteh’n
und nicht den Kopf verklebt.
Feste Mauern, enge Grenzen – weites Feld.
eingezwängt, dann ausgebrochen – nichts mehr hält.
Wünschen, sehnen – und nicht mehr verzichten.
Zwang ertragen, Flucht nach vorne und nie mehr zurück.
Angst verdrängen, mutig vorwärts wagen, Stück für Stück.
Wieder lachen, noch mal Verse dichten.
Barfuss im Abendrot am Strand spaziert,
den Horizont im Blick
suchen, finden, was man doch verliert,
die Schatten im Genick…
2005
Spiel dein Spiel
Einer sagt
dir, was du tun sollst,
einer weiß nicht, was du denkst,
einer kennt dich und durchschaut dich auch,
einer will, dass du was schenkst,
einer sagt, da sollst du hingehn,
einer rät dir, lass es sein,
einer hilft dir aus der Klemme,
einer reißt dich erst hinein.
Einer holt dich rein nach drinnen,
einer schmeißt dich einfach raus,
einer meint, er kann dich brauchen,
einer denkt sich das nur aus,
einer gibt dir, was du forderst,
einer zeigt nicht, was er hat,
einer fängt dich, wenn du hinfällst,
einer isst sich bei dir satt.
Einer haut
dich in die Pfanne,
einer bringt dir, was dir fehlt,
einer schubst dich durch die Gegend,
einer deine Fehler zählt,
einer stärkt dir deinen Rücken,
einer glaubt, dass er dir droht,
einer reicht dir nicht das Wasser,
einer hält dich für’n Idiot.
Einer zögert, dir zu trauen,
einer öffnet dir sein Herz,
einer setzt drauf, dass du zaubern kannst,
einer glaubt mehr himmelwärts,
einer lässt dich einfach hängen,
einer legt sich für dich krumm,
einer will nichts von dir wissen,
und einer fragt dich nur warum.
Einer wünscht
dich in die Wüste,
einer rätselt, wo du bleibst,
einer kann dich nicht erreichen,
einer freut sich, wenn du schreibst,
einer sinnt verstimmt auf Rache,
einer lacht sich mit dir tot,
jemand träumt mit dir gemeinsam,
schläft mit dir im Morgenrot.
Einer rügt dich, wenn du redest,
einer schmollt, nur weil du schweigst,
einer grollt dir, weil du besser bist,
einer flüchtet, wenn du’s zeigst,
einer hebt dich auf ’nen Sockel.
einer stößt dich vor sich her,
einer hat schon längst genug von dir,
einer möchte immer mehr.
Einer will
dich völlig anders,
einer hofft, dass du dich wehrst,
einer fordert, dass du alles gibst,
einer drängt drauf, dass du fährst,
einer geht mit dir nach draußen,
einer bleibt, solang du magst,
einer kann dich nicht begreifen,
einer hört nicht, was du sagst.
Jemand warnt dich vor der Liebe,
jemand will, dass du ihn liebst,
mancher glaubt, dass er dich zwingen kann,
und verlangt, dass du vergibst,
einer hat dich längst vergessen,
einer nimmt dich nicht für voll,
einer flucht, läuft er dir übern Weg,
einer findet dich so toll.
Einer
kommt so zu dem andern,
während du dein Leben lebst,
lass sie ruhig vorüber wandern,
entscheide selbst, wonach du strebst.
Du kannst deine Richtung finden,
und auch fragen, fehlt ein Ziel,
brauchst dich nicht gequält zu winden –
leb dein Leben, spiel dein Spiel…
2006
Der
Tropfen auf dem heissen Stein
Jet-Set-Lärm
aus der anderen Welt
rauscht vorbei und betäubt tausend Ohr’n.
Zum Greifen nah, was zum Leben fehlt,
auf Reichweite - und doch verlor’n.
Der Blick wandert hoch - und fällt gleich steil herab:
Bis zum Knöchel im Unrat und ein Bein im Grab.
Jeder sucht, was er findet - und er braucht, was er sucht.
Im Gestank wird geröchelt, der Unrat verflucht.
Doch
am Leben hält eben
bloß der Tropfen auf dem heißen Stein.
Da
dampft er und fault, lebt wie ein Vulkan
und ernährt nicht nur Geier mit Aas.
Gibt seine Schätze in Bruchstücken frei -
vor’m Verhungern ein nahrhafter Fraß.
Zuwenig zum Leben - zum Sterben zuviel,
was an Krümeln vom Tisch in der anderen Welt fiel,
Jeder wühlt, jeder gräbt, sammelt auf und sackt ein,
mit knurrendem Magen, jeder für sich allein.
Auf
dem Müllberg herrscht Ordnung, streng kontrolliert,
jeder hat sein begrenztes Revier.
Dort nimmt sich der Starke sein Recht mit Gewalt,
und dies Recht gilt dort für Mensch und Tier.
Unaufhörlich rollt Nachschub der Wegwerfkultur
als Rohstoff der Not für die Leid-Kreatur:
Ein Stück Blech, ein Stück Stoff, Leder, Holz, oder Glas,
ein Stück Hoffnung fürs Leben - ein Stück irgendwas...
1984
Der
Weg ist endlich
Fragst
du, warum dich grad’
ein Mensch verlassen muss,
den du so sehr geliebt.
Fragst du, warum – erwarte nicht,
dass dir die Antwort
eine Chance zur Klarheit gibt.
Du
hattest Glück, dass ihr
ein Stück des Wegs gemeinsam
hinter euch gebracht.
Du hattest Glück: Ihr habt
gelebt, geliebt, gesorgt,
geweint und auch gelacht.
Der
Weg ist endlich,
wie es Wege nun mal sind.
Am Ziel geht’s weiter,
denn ein neuer Weg beginnt.
Du
hast in deinem Herzen
doch für so viel Platz –
für alles, was dir wertvoll bleibt
und brauchst auch kein’ Ersatz...
Frag
nicht warum, denn es
gibt niemanden, der dir
die Antwort sagen kann.
Frag nicht warum – es macht
nur bitter – und was fängst
du mit der Antwort an?
„Blick
nun nach vorn“, das heißt
doch nicht, dass du ab jetzt
alles vergessen wirst..
„Blick nun nach vorn“, hilft dir
nur, dass du nun nicht taumelnd
durch das Leben irrst.
Der
Tod ist schmerzlich,
doch weißt du, wie’s weiter geht,
wenn man danach doch
vor ner neuen Zukunft steht...
Du
bist in deinem Herzen
nicht für dich allein,
und alles, was dir wichtig bleibt,
kann weiter in dir sein.
Frag
nicht wieso – es hilft
dir nicht darüber weg,
wenn du dich fragend plagst.
Frag nicht wieso – es wird
dir besser gehn, wenn du
dich nicht mehr sinnlos fragst.
Setz
auf die Zeit. Sie heilt
und lässt dir doch, was keiner
dir mehr nehmen kann.
Setz auf die Zeit. Sie eilt
vorüber, und du wirst
getröstet werden, irgendwann.
Des
Lebens Sinn ist doch
kein Geheimnis, sondern klar.
Du sollst es leben, deshalb
lebst du, bist du da.
Und
tief in deinem Herzen
hast du so viel Kraft,
und alles, was dich mutlos macht,
das kriegst du auch geschafft.
2006