Im
Handumdrehn
Die
Tür ist zu, wenn
ich sie schließ,
D
Topfpflanzen blüh’n, wenn ich
sie gieß,
A
das Leben ist schön, wenn ich es
genieß –
D
wenn ich es genießen kann.
AD
Trink ich ne Flasche aus, ist
sie leer,
D
schmeckt das auf’m Teller, dann will
ich mehr,
A
Jeder Tag ist schön, ich mach
ihn mir nicht schwer, D
wenn ich ihn genießen kann.
AD
Im
Handumdreh’n
ist der Tag verpasst,
C
wenn du zu genießen vergessen hast.
DA
Ne vertane Chance
ist verlorn –
C
keiner bleibt völlig ungeschorn,
DAD
keiner bleibt völlig ungeschorn.
GAD
Im
Haus ist dunkel, lösch
ich’s Licht,
ich kann alles hörn, wenn keiner spricht,
Ich weiß, was war, was kommt
halt nicht,
ob
ich es genießen kann.
Mit
guter Laune fällt mir alles
leicht,
harte Brocken werden aufgeweicht.
Und kein Tag dem andern gleicht,
wenn ich ihn genießen kann.
Im
Handumdreh’n
ist der Tag verpasst,
wenn du zu genießen vergessen hast.
Ne vertane Chance
ist verschenktes Glück –
Wer Liebe schenkt, kriegt sie oft zurück,
Wer Liebe schenkt, kriegt sie oft zurück.
2006
Komm
doch mal rüber
Komm
doch mal rüber, komm doch mal vorbei.
Komm mal rüber – hab heute frei.
So auf n Kaffee, Wasser ist schon heiß –
hast du auch viel zu viel zu tun, ich weiß.
Tassen
stehn schon auf’m Tisch –
komm rüber –
Kaffee ist frisch / auch Tee ist frisch
komm doch mal rüber…
Komm
doch mal rüber, komm doch mal her.
Komm mal rüber oder fällt’s dir schwer.
Ich hab auch Tee da, vielleicht auch n Keks.
komm, lass uns klön’, sind ja viel unterwegs.
Komm
doch mal rüber, komm doch einfach rein.
Bist doch genau wie ich zu oft allein.
Ich hab n Sofa und geheizt ist auch.
ist ganz gemütlich – hab was ich so brauch.
Komm
doch rüber, auch mit bisschen Zeit.
Komm mal rüber, alles steht bereit.
ich lass die Briefmarken tief im Regal.
Bin ich nervös – auch das ist ganz normal.
Komm
doch wenigstens so auf’n Sprung.
Zeit läuft weg, sind beide nicht mehr jung.
Auch die Kids sind längst nicht mehr klein -
Wenn du mal ausgehst, sind die gern allein.
2008
Vielleicht
ist ja so, dass irgendwo
jemand auf dich wartet,
in sich gekehrt dort dich verehrt,
und sich mehr nicht traut.
Du bist versteckt, hältst dich bedeckt,
wie lang wohl jemand wartet,
sich schließlich dreht und weiter geht,
nicht mehr rückwärts schaut,
nicht mehr rückwärts schaut.
Vielleicht
irgendwann findest du dann
worauf du so wartest,
den du begehrst, den du verehrst,
nicht zu nehmen traust.
Wie kann man sehn und wie verstehn,
wie lang du schon wartest. –
Zeig dein Begehr, vielleicht noch mehr,
zeig, wonach du schaust,
das, wonach du schaust.
Vielleicht
irgendwie, man weiß ja nie,
werden die sich finden,
die dann bereit, fortan zu zweit,
ein Stück des Wegs zu gehn.
Herzlich vertraut sich angeschaut,
tief im Glück verschwinden –
solang es hält, kein Weg verstellt,
auch wenn Winde drehn,
wenn Winde drehn.
2008
Verwirrung
Hin und her, heiß und
kalt,
leicht und schwer, festgeschnallt,
keine Luft und keinen Platz,
stottern nach halbem Satz.
Durchgedreht,
abgehängt,
umgemäht, eingezwängt.
Heißer Druck in der Brust
pfropft den Hals, lähmt die Lust.
Ich weiß nicht mehr,
wie mir geschieht,
was mich mal hier-, mal dahin zieht...
Ich weiß nicht mehr, wohin ich geh,
ob ich mich hier-, ob dahin dreh...
Enger Schlauch, Loch im
Hirn,
Blei im Bauch, feuchte Stirn,
keine Chance, ausgezählt,
jede Wahl falsch gewählt.
Ich weiß nicht mehr, wie’s um mich
steht,
ob es nun hier-, ob dorthin geht...
Ich weiß nicht mehr, wie’s weiter geht.
Hab ich noch Zeit? Ist’s schon zu spät?
Mal sehn...
1982
Zielsuche
Der Platz neben dir fühlt
sich an wie ein Pranger,
ein Folterstuhl, solang du schweigst.
Hilfloses, krampfhaftes Suchen, Sich-Winden -
wie wahr darf das sein, was du zeigst...
Der Kopf streikt, das
Herz schlägt hinauf bis zum Halse,
und unten im Bauch ist es flau.
Verschluckt an dem, was auf der Zunge gelegen,
weiß alles – und doch nichts genau...
Ein
Schritt neben dir, ein Abgrund
dazwischen,
wie eine gähnende Schlucht.
Wird sie breiter, tiefer, unüberbrückbar,
den Grund liefernd für rasche Flucht?
Auch Scherben sind
Reste, auch Narben sind Spuren,
sie zeugen von dem, was mal war.
Doch wie es gewesen, sagt nur die Erinnerung,
nur sie allein ist uns nah.
Der Weg neben dir führt
wohin – in den Nebel,
der den Horizont gnädig verhüllt.
Zu sehn, dass er enden könnt, weit vor der Ferne,
das Herz kaum mit Zuversicht füllt.
Die Sinne geschärft,
dazu mutig gepfiffen,
immerhin ist um mich herum Licht.
Vielleicht zeigt sich ein Ziel, eh es dunkel zur Nacht wird -
ausschließen lässt es sich nicht.
2008
Noch
frisch
Die Wohnung ist ne
Falle,
wird zum Tempel mit Altar.
Die Möbel alle unverrückt –
alles noch wie’s war.
Die Wände unverändert
und der freie Kopf blockiert,
Bilder in den Händen,
deren Anblick deprimiert.
Ein Ende kann kein
Anfang sein,
ein Schluss kein Neubeginn,
wenn alles trist und trostlos ist
und tief im Dunkel drin.
Den Strich zu ziehen, abzuhaken,
was grad erst geschehn,
geht nicht, denn der Schmerz ist frisch
und will noch längst nicht gehn.
Das Bett war unser
Bett,
das Zimmer nicht bloß nur ein Raum.
Durchs Fenster noch derselbe Blick –
im Schlaf nur einen Traum.
Fotos, Briefe, Kleinkram –
überall wir angeklebt:
Erinnerung verfliegt nicht –
weiß bloß nicht mehr, wie man lebt...
Wie wasch ich mein
Gehirn frei?
Wie hör ich nicht länger Moll?
Hab Zeit, doch keine Ziele –
weiß nicht, was ich im Leben soll...
Wo ist das, was mir gut tut?
Wer besorgt mir, was mir fehlt?
Wer holt dich, bringt dich wieder?
Hab sonst nichts, was wirklich zählt...
Warum den Kopf nach
oben?
Mir geht’s besser, so versteckt...
Mag der Bär auch draußen tanzen -
fühl mich wohler unentdeckt.
Was soll ich unter Leuten?
Falsch wie sie sein und so nett?
Hab ein zerbrochnes Herz,
und bei mir ist so kalt im Bett...
2008
Is egal
E/0
Soll die Zahnbürste rot oder blau sein?
E
Der Kakao lieber warm oder kalt?
AEH7
Kommt der Schal ins Regal oder in’ Schrank rein?
E
Magst Du den Käse lieber
jung oder alt?
H7 E
Willst Du vor- oder rückwärts lieber fahren?
H7 E
Sitzt Du lieber hinten oder
vorn?
AEH7
Isst Du die Würstchen gar nicht oder gleich in Paaren?
H7 E
Wenn Dich was piekt, was spürst Du: Stachel oder Dorn?
H7 E
Is egal, is egal, is egal, is egal -
ADA
Weiß ich jetzt noch nicht - frag mich
nachher noch mal.
c# f#
Is egal, is egal, is egal, is egal -
H7 E
immer soll ich mich entscheiden, hab die
Qual der Wahl, A H7
dabei is doch schnurz, dabei is doch piep,
AE AE
dabei is doch sch......on egal.
AE H7E
Ob im Wald wir nun schleichen oder pirschen?
Wohin soll nun das Bild an der
Wand?
Streuselkuchen mit und ohne Kirschen?
Isst Du das Brot vom Teller oder aus
der Hand?
Trägst Du Hut? Oder hast Du lieber Mützen?
Siehst Du lieber Kino oder fern?
Magst Du mich lieber nun zum Lehnen oder Stützen?
Geboren bist Du, sag mir, unter welchem Stern?
Willst Du Erdbeer-, Vanille- oder Nusseis?
Schmeckt der Keks besser weich
oder hart?
Schokoladenriegel mit und ohne Puffreis?
Bleibt er dran, kommt er ab, Papas
Bart?
Scheitel links, Scheitel rechts, in der Mitte?
Klopapier mehr kratzig oder
weich?
Wenn Du was willst - ist das nun mehr als nur ‘ne Bitte?
Wann gibt’s Du mir die Antwort: sofort oder gleich?
Die Krise kommt
Ich kann denken, was ich will,
es glauben oder nicht:
von jedem Kiosk springt es mir
laut schreiend ins Gesicht.
Will ich davon nichts wissen und geh
irritiert nach Haus -
drück ich auf den Knopf - schon knallt es
aus der Glotze raus.
Was ich auch versuch, es bleibt mir
keine Chance zur Flucht.
Ich häng im Netz und zappel
und dann spür ich den Schlag mit Wucht.
Alle sagen mir dasselbe,
laut und ungefragt -
einmal wird es mir gejammert,
ein andres Mal geklagt:
Die Krise kommt. Die Krise kommt.
Wie ein Hammer haut sie rein.
Und sie wird ohne Ende sein.
Die Krise kommt. Die Krise kommt.
Wie ein Hammer haut sie rein,
und sie wird ohne Ende sein.
Einer klärt mich nüchtern auf,
und ein anderer lallt.
Was ich davon halten soll,
hab ich noch nicht geschnallt.
Und dann erkenn ich die Symptome
in allem, was ich seh -
ich spür die Schraube mir am Hals,
wie ich selbst noch an ihr dreh...
Mit ein bisschen Grips kannst du
die Zeichen auch kapiern:
Hast du niemals Zahnfleischbluten,
Füße, die dir friern...
Gestern noch, vom Chef ganz plötzlich
so ein Riesenlob...
und letzte Woche stand es
dick und fett im Horoskop.
Die Ellenbogen quietschen
und es juckt so in den Zehen -
die Knie knacken komisch -
aber es ist nichts zu sehn...
Ein Kribbeln in den Füßen
und dazu ein Tatterich -
und auch nach einem vollen Bier
bliebt der Durst noch fürchterlich.
Drückt es auf die Lunge
und dir fällt das Atmen schwer,
flattern deine Nerven
und dein Blick irrt wirr umher -
du kaust an deinen Nägeln
und riechst deinen kalten Schweiß -
und obendrein verlierst du
deine Haare büschelweis’...
1982
Das Recht, ein Mensch zu sein
Was
gilt das Recht, ein Mensch zu sein?
Was fällt dir bei dieser Frage ein?
Denkst du dabei nur an Putsch und Diktatur,
Fundamentalistenwahn und Pressezensur?
Denkst du nur an Folter,
an Kerker, Barbarei -
dann blick dich um in unserer Freiheit
und sag mir: Was heißt hier frei?
Was gilt das Recht, ein Mensch zu sein?
Was ganz konkret, und nicht zum Schein?
Was gilt es am Fließband, im Büro und auf dem Bau?
Was gilt es für den Arbeitslosen, und was für die Frau?
Nur auf Papier steht was von
„Recht auf Arbeit“, „gleichem Lohn“,
in unsrem Land der Freiheit -
der Freiheit grad zum Hohn...
Was gilt das Recht, ein Mensch zu sein?
Obdachlose brauchen mehr als schlechten Wein.
Wenn wieder mal ein Berber in der Nacht krepiert:
Wen kümmert es - wenn auf der Welt so viel passiert...
Für den Flüchtling im Container,
den Verfolgten im Asyl
ist selbst im warmen Sommer
unser Land erschreckend kühl...
Was gilt das Recht, ein Mensch zu sein?
Nur fressen, schuften, schlafen kann nicht alles sein.
Wie eine Spielfigur schiebt man dich hin und her,
solange man dich brauchen kann - und dann nicht mehr.
Dann wirft man dich auf Seite,
und du stehst nur noch am Rand,
beleidigt und getreten,
mit dem Rücken an der Wand.
Was gilt das Recht, ein Mensch zu sein?
Schließt es das Recht zu leben und zu sterben ein?
Zum Tod verurteilt und im Krieg muss man krepier’n
und darf nicht sterben, will man Lebensqual verlier’n.
Wer schreibt vor, dass du leben musst,
entscheidet, dass du stirbst?
Wie frei bist du, wenn du nicht
für dich selbst dies Recht erwirbst.
Vers 1-4 Ende d. 70er J./ 2005
Big
Brother 2004/8
(mehr als 20 Jahre spsäter)
Es blendet grell ein weißes Licht.
Man kann vor lauter Helligkeit nichts seh'n.
Ringsum sind leere Straßen,
und doch bleibt vor Platzangst keiner steh'n.
Beklemmung presst die Gurgel zu
und zwingt auf die Stirne kalten Schweiß.
Sie lässt die Knie zittern
und fährt in die Gesichter käseweiß.
Big Brother
is watching.
Längst ist es soweit.
Mit Video und Servern
hat er heute eine gute Zeit.
Draußen
weht ein seichter Wind,
doch bewegt er keine Luft.
Die Blüten stehn in voller Pracht,
doch du atmest keinen Duft.
Die Nackenhaare sträuben sich
und darunter eine Gänsehaut.
Die Spitzel wirken vor dem Bildschirm –
wehe dem, der ihnen blind vertraut.
Auf
Straßen und auf Plätzen
werden alle lückenlos erfasst.
Bürgerwehren kontrollier’n
was du bei dir zu Haus verloren hast.
Gestöbert wird per Telefon.
Dein Mail-Adressenbuch wird dir geklaut
und in die Welt verbreitet und du staunst,
weil dir kein Partner mehr vertraut.
Wer
weiß, in welchen Datenspeichern
schon deine Leberwerte steh’n.
Adresse, Schulden, Kontostand:
wer's will, kann in die Speicherplatten seh’n.
Der Zugriff ist direkt, kein Passwort schützt,
kein Schlüssel sperrt dein Haus.
Und plötzlich bist du ohne Job
und kommst aus der Falle nicht mehr raus.
In
der vollen Straßenbahn könn’ alle
wie dein Handy klingelt hör’n.
Dass alle dir beim Reden zuhörn,
scheint dich nicht die Spur zu stör’n.
Zuhause machst du online-banking,
chattest noch ein wenig um die Welt
und surfst im world wide web voll Freude,
weil die weite Welt dir so gefällt.
Du
klickst dich durch die Seiten,
hinterlässt ne breite Spur als dein Profil.
Ob Studi-VZ, Google, Ebay, Amazon,
du weißt gar nicht wie viel.
Die Suchmaschine findet dich
und mit ihr jeder, der was wissen will,
auch was du für geheim hältst. Also
red nur weiter, bleib nicht stumm und still.
Big
Brother is watching –
Nur du bist blind und taub.
Was willst du dich beschweren –
hast dir den Datenschutz
längst selbst geraubt, längst geraubt..
2008
AUFZUG
Drei
kalte Wände, glatt, glänzend, Metall,
e
längs zwei Schritt Abstand, quer eher schmal - C
aber keiner, keiner bremst sein’ Schritt.
H7e
Niedrige Decke, sechs mal grelles Licht,
e
senkrechte Strahler, rundum dicht – C
rascher Einstieg, ich will auch noch mit.
H7
Sechs
Männer, davon drei korpulent, GD9
ein Nicken, nicht dass man sich besser kennt,
eC
drückt auf den Knopf, nach unten, nicht weit -
D
die vierte Wand schließt für geraume Zeit…
H7e
Luft
und Platz und Raum –
CD9
aus der Traum – aus der Traum
eC
weder Platz, noch Raum, noch Luft –
aH7
streng der Duft, –
e
II: Angst die Brust beklemmt,
xH7
was das Atmen hemmt, :II
eC IxH7e
Abwärts
die Reise kurz, längst nicht am Ziel,
ein Schlag, dann Stillstand: nicht mehr mobil.
jeder staunt und überspielt den Schreck.
Der Tastendruck, wiederholt ein paar mal,
nichts sich bewegt, anscheinend Lage fatal –
jeder grübelt, und versteckt den Schreck.
Anruf
beim Pförtner, bitte Geduld –
ist nichts passiert, den Pförtner trifft keine Schuld,
beim Warten scherzen, Minuten vergehn,
nichts geschieht, doch langsam sollt was geschehn.
Luft
und Platz und Raum –
aus der Traum – aus der Traum
weder Platz, noch Raum, noch Luft –
streng der Duft, –
II: Angst die Brust beklemmt,
was das Atmen hemmt, :II
Sakkos
ausgezogen, locker der Schlips,
Alptraumphantasie, sechs Horrortrips.
Halogen auf Scheiteln brennt so heiß.
Der Platz, für acht gedacht, reicht kaum aus,
Distanz unmöglich, keiner kann raus –
von den Stirnen perlt der kalte Schweiß.
Handys
gezückt – Glück: Man hat Empfang –
gewählt den Notruf, Mann, das dauert lang,
außen Stimmen, was sich draußen tut -
Klopfen und Rufen, ja man hört uns gut…
Luft
und Platz und Raum –
aus der Traum – aus der Traum
weder Platz, noch Raum, noch Luft –
streng der Duft, –
II: Angst die Brust beklemmt,
was das Atmen hemmt, :II
Doch
noch ein Panikanfall, geht vorbei,
ein paar Minuten noch, dann wieder frei –
doch nichts tut sich, was geht draußen vor?
Sag irgendwas, Hauptsache es lenkt ab,
Kraft und Nerven spar’n, macht einer schlapp…
Seid mal leise – was dringt da ans Ohr?
„Will
raus hier“ – Fäuste trommeln laut an die Wand –
quälende Ohnmacht raubt beinah den Verstand.
Ein lautes Hämmern, von außen, ein Ruck –
Die Tür wird aufgeschoben, nach lässt der Druck.
Luft
und Platz und Raum –
ein Schreck, kein Traum, war kein Traum
wieder Platz und Raum und Luft
verdrängt den Duft,
und die Brust befreit
war höchste Zeit, höchste Zeit.
2006
Ohne
Ende
Tränen
ohne Ende -
jeder Tag nur grau und trist,
der Schmerz kaum zu ertragen,
seit du nicht mehr bei mir bist.
Wo blieb unser Glück – ein Glück,
das man nicht einfach hergibt...
Glaubst du, es gibt einen Menschen,
der dich wirklich mehr liebt?
Schwer
verwundet in der Seele,
tief im Herz verletzt:
Abgeschoben, ausgesperrt,
vor die Tür gesetzt,
das Dasein ohne Freude,
nur von Einsamkeit gequält,
um den Lebenssinn betrogen,
ohne Ziel, das noch was zählt...
Trauer
ohne Ende –
jeder Tag nur trist und grau,
kaum zu lindern diese Schmerzen,
niemand, dem ich noch vertrau’.
Jeder rät, dich zu vergessen,
doch wie soll mir das gelingen,
wenn ich eins nur wissen will:
Was kann dich wieder zu mir bringen...
Wund
an Herz und Seele –
wie verheilt der tiefe Riss?
Du entfliehst aus meinem Leben,
weißt nicht, wie ich dich vermiss’...
Lässt mich mitten in den Trümmern,
hilflos, fassungslos allein –
Weiß nicht, wie es weitergehn soll –
wie kannst du so grausam sein?
Träume
ohne Ende –
grau und trist ist jeder Tag.
Der Schmerz kommt immer wieder,
wenn ich nach den Gründen frag.
Warum gingst du fort? Was, glaubst du,
kann ich dir nicht geben?
Wonach suchst du? Findest du
dein Glück? Ein neues Leben?
Wie
vernarbt die Seele?
Woher holt ein Herz die Kraft,
durch den Schmerz hindurch zu schlagen?
Ich weiß nicht, wie es das schafft...
Deine Worte im Gedächtnis,
deine Briefe auf Papier –
Alles kannst du mir nicht nehmen –
ich bleib auch ein Stück von dir...
2008
Die
Nacht durchwacht
Die
Nacht durchwacht – wieder nicht geschlafen.
Aufgedreht wie nach zuviel Kaffee,
verstopft der Kopf, darin sich Fragen überschlagen –
sag warum, weil ich’s nicht versteh.
Die Nacht durchwacht – und ewig kommt kein Morgen
Und keine Chance, dass ich dich wiederseh.
Was
du wohl denkst?
Wälzt du dich auch hin und her?
Lässt dich alles kalt?
Denkst du an mich schon längst nicht mehr?
Die
Nacht durchwacht – nur dein Bild vor Augen –
Erinnerung an verlorne Zeit.
So viel erlebt, soviel Glück gefunden –
zerplatzt der Traum – kein Lebensweg zu zweit...
Die Nacht durchwacht – und draußen fällt der Regen,
und nichts, was mich von meinem Schmerz befreit...
Ob
du wohl schläfst?
Machst du wie ich kein Auge zu?
Denkst du an mich?
Kümmert dich nicht mehr, was ich tu?
Die
Nacht durchwacht, mit Hoffen und mit Bangen.
Die Sehnsucht wächst sobald es draußen tagt.
Wer weiß wie oft am Telefon gehangen –
Dich anzurufen wieder nicht gewagt...
Die Nacht durchwacht, bis es draußen dämmert –
Und keine Frage, die noch nicht gefragt...
Wo
du wohl bist?
Hast du die Nacht allein verbracht?
Vielleicht hast du ja
genau wie ich die Nacht durchwacht...
2008
Frei
wie der Wind
Die
Tür fällt ins Schloss und
ich
weiß nicht warum.
Dass du gehst, macht mich sprachlos,
der Schmerz macht mich stumm.
Du suchst deinen Weg und willst nicht,
dass ich ihn mit dir geh.
Was
ich denk, ist nicht druckreif,
verwirrt, unsortiert.
Hab so blind drauf vertraut,
dass dies niemals passiert.
Merk nun, dass ich meinem Zynismus
kaum noch widersteh.
Frei
wie der Wind, drehbereit Tag und Nacht,
hat mir dein Abgang auch Chancen gebracht,
mich zu verwirklichen, rücksichtslos, hemmungslos, frei...
Selbstbewusstlos, wie ein Wimpel verdreht,
wie ne Bierdose, die leer im Weg herumsteht,
such ich mich selbst ohne Chancen, bist du nicht dabei.
Unser
Weg ist zuende -
weiß nicht, wo ich bin,
nicht, wohin ich mich wende,
erkenn keinen Sinn.
Ich find keine Richtung, will nicht,
dass sie jemand mir zeigt.
Was
du denkst, wüsst ich gern,
vielleicht denkst du an mich.
Konntst du mir nicht vertraun?
Und was war ich für dich?
Merk nicht, wie ein jeder, dem ich
meine Fragen stell, schweigt.
Frei
wie ein Vogel, und doch flügellahm,
bleib ich dort nur zurück, wo ich mit dir hinkam,
mich zu bedauern, so grenzenlos, hemmungslos, tief.
Unfähig aus meinem Käfig zu fliehn,
der mit dir neben mir doch so wunderbar schien,
find ich kein Ziel, das mich ruft, so wie’s mich zu dir rief.
Die
Tür fällt ins Schloss und
ich
weiß nicht warum.
Dass du gehst, macht mich sprachlos,
der Schmerz macht mich stumm.
Du suchst deinen Weg und willst nicht,
dass ich ihn mit dir geh.
2008
Neustart
Orkane
toben, Mut kann sinken,
Strömung reißt mit – Luft geht aus.
Kein Grund in Ängsten zu ertrinken –
wer durchhält, findet wieder raus.
Los
geht’s nur, wenn man sich lösen kann,
und vom Ballast sich selbst befreit.
Der Blick ein Schub, durch den klar wird, du bist dran –
gerade noch zur rechten Zeit.
Stürme
wüten, Kraft kann schwinden,
Strudel ziehen – Luft wird knapp.
Trotz hilft, die Furcht zu überwinden –
und nur wer zögert, macht schon schlapp.
Nach vorn geht’s
leicht, wenn man nicht nach hinten blickt
–
Was man erlebt, geht nicht verlorn.
Ein Schritt zum Start, an den dich niemand schickt –
zum Neubeginn wie neu gebor’n.
Winde
drehn, ein Kreuz kann brechen,
Fluten steigen – Luft bleibt weg.
Fällt es auch schwer zu widersprechen –
nur dem, der aufgibt, fehlt der Zweck.
Bergab
geht’s nur solang bis man unten ist –
der Kurs nach oben steht dir frei.
Dein Weg ein Ziel, auf dem dir klar wird, wer du bist –
und wenn du willst, bist du dabei.
2008
Deine Klamotten
E/0
Mama, mach den Schrank auf -
E I AG I A I
was hast Du für Sachen?
AGA I
Sieht doch gar nicht schlecht aus -
E
kann man was draus machen.
A
Lass mich doch mal anprobiern -
H7
wie mir das wohl steht...
A
siehste, passt mir auch schon!
E
Hab’s gewusst: Das geht.
A H7 E
Deine Klamotten sind auch meine Klamotten,
A I DA I
die fressen sonst nur die Motten -
E H7
komm, rück sie raus, raus, raus, raus -
E E7
Gib mir Deine Klamotten - sei nicht so geizig wie Schotten -
A E
solln die im Schrank bloß verrotten -
H7
komm, rück sie raus, rück sie raus, rück sie raus.
E H7 E
Was hast Du für Hemden? Papa, lass mal sehen.
So locker über’n Jeansbund... könnte mir doch stehen...
gib mal den Pullover her. Den trägst Du doch nie.
Ich laß ihn einfach schlabbern, runter bis ans Knie...
Omi, Deine Bluse hat so hübsche Spitzen...
der Kragen und die Schultern - kuck mal, wie die sitzen...
Die brauchst Du bestimmt nicht mehr...?...Sieh mal, wie die passt.
Kuck, was für ‘ne schicke Enkelin Du hast...
Gib doch mal das Kleid her! Zeig doch mal die Schuhe!
So ein hübsches T-Shirt... Was ist da in der Truhe?
Lass mich mal den Rock anziehn! Die Hose passt mir auch!
He, was für ‘ne Jacke - Oh ne! Du hast da drin ‘n Bauch!
Das Phantom: Der Opa
C/0
Wenn Opa früh um fünf schon nicht mehr schlafen kann,
CGC
dann zieht er sich den bunten Bademantel an,
FC
schleicht durch das Treppenhaus nach draußen vor die Tür GC I ea
und läuft dort Rollschuh - eine ausgefallne Kür.
D D7 G IG7
Er läuft nur kurz, weil er nicht will, dass man ihn sieht.
CGC
Wenn’s einer sieht, weiß er ja nicht, was ihm geschieht...
Fe
Drum zieht er bald schon wieder seine Rollschuh aus
FC
und schleicht auf Socken wieder hoch im Treppenhaus.
GC
Das ist der Opa - das Phantom!
FD
Kuck, wie der kuckt - der steht schon wieder unter Strom...
GC
Warum hat Oma ihn bloß nicht mehr so im Griff?
FD
Was ist sein Trick? Was ist sein Kniff?
GC
Wenn Opa dann die Zeitung lesen will um acht,
dann hat er sich schon mehrmals halb kaputt gelacht.
Vorm Spiegel hat er kurze Hosen anprobiert -
mit langen Unterhosen drunter - das passiert...
Er kuckt die Zeitung durch, wo die Annoncen sind:
Wer ist gestorben, und wer hat ein neues Kind...
Erst neulich hat er inseriert, er sei verlobt -
da hat die Oma aber ganz schön laut getobt...
Hat Opa dann sein Frühstück hinter sich um zehn,
besucht er Schulen, will dort nach dem Rechten sehn.
Er hat ‘nen leeren Werkzeugkasten in der Hand
und sagt: "Herr Lehrer, ist denn Ihnen nicht bekannt:
Ich muss im Klassenraum die Heizung repariern,
damit die Kinder, wenn es kalt ist, nicht mehr friern.
Bestimmt hab ich genug zu tun bis gegen drei -
am besten geben Sie den Kindern einfach frei..."
Wenn Opa mittags sich zum Schläfchen hingelegt,
hat er schon bald ein ganzes Waldstück umgesägt,
springt dann vom Sofa gegen vier und ist so fit
und schleppt die Oma auf ‘ne Joggingrunde mit.
Danach geht er mit Walkman in den Spielpalast.
Er kennt die Tricks und weiß, wann welcher Knopfdruck passt.
Die jungen Leute staunen mit dem Mund weit auf.
Der Opa steigt durch alle Level - ist gut drauf.
Ist Opa schließlich spät beim Fernsehn eingenickt,
hat er am Abend noch ein Stündchen lang gekickt.
Am Plätzchen, da gelingt ihm mancher feste Schuss -
hat er sein siebtes Tor gemacht, dann macht er Schluss.
Er schnappt die Oma, setzt sie in sein Cabrio,
fährt in die Disco - das läuft jeden Abend so.
Da zeigt er, was noch in den alten Knochen steckt -
doch da hat ihn die Oma aus dem Schlaf geweckt...
Das war der Opa - das Phantom!
Er steht in seinem Traum noch immer unter Strom.
Und wenn er träumt, hat ihn die Oma nie im Griff -
das ist sein Trick, das ist sein Kniff!
Heut
geht M.G.
Kein
Weg zur Arbeit mehr per Bus –
damit ist ab heute Schluss.
Mal früh zur Schicht, mal spät erst frei –
ist ab heute auch vorbei.
Mit
Margit mal zum Kiosk gehn –
da wird man sie nicht mehr sehn.
In Konferenzen viel notiern –
wird ihr ab heut nicht mehr passiern,
die Redaktion stöhnt Weh und Ach –
heut geht Marlies Grützenbach.
Kein
RvD mehr schrill und laut,
kein Redakteur, der muffig schaut,
egal, ob der Kopierer geht,
ein Fax kommt und die Leitung steht,
kein
Honorar, das sie mehr schreibt,
kein Assi sich am Dienstplan reibt,
kein Moderator mehr dumm fragt,
und keiner ihr die Ohrn voll klagt,
die Redaktion wird blass und schwach:
heut geht Marlies Grützenbach.
Geduld
muss sie hier nicht mehr zeigen,
Wenn’s klingelt, kann sie einfach schweigen.
Kein Anruf landet mehr bei ihr,
kein Durchzug mehr bei offner Tür,
der
Drucker mag zur Unzeit spinnen,
im Kühlschrank ruhig die Milch gerinnen -,
Kein Anruf mehr von Barbara –
Marlies macht ab heut sich rar,
Ein Schreck – die Redaktion wird wach:
heut geht Marlies Grützenbach.
Sie
geht - und das sei ihr gegönnt,
auch dass sie denkt, dass „man sie könnt“…
Hier hat sie lang genug geschrieben,
telefoniert, sich aufgerieben.
Der
Bus fährt sie zurück nach Haus,
nach Bensberg, dort ruht sie sich aus.
Jetzt nur noch Tochter, Mutter, Oma,
und wir falln traurig fast ins Koma -
Die Spatzen pfeifen es vom Dach:
Alles Gute Marlies Grützenbach…
2007
Bei
Gelegenheit (Wiedersehn
reloaded)
Wenn
man vom letzten Lied die letzte Strophe singt,
und wenn der letzte Akkord dann auch verklingt,
ist das Konzert vorbei, man könnte dann sogar schon gehn.
Bei Gelegenheit werden wir uns bald
wiedersehn.
Lächeln
und Lachen, sogar mal nachgedacht -
die Welt ist schön, wenn man bloß mal die Augen aufmacht
War ja so nett bei euch hier, will auch längst noch gar nicht gehn
bei Gelegenheit werden wir uns doch wiedersehn.
Manchen
geht’s so gut, andern dafür so schlecht.
So ist die Welt nun mal: hart und grausam, ungerecht.
Hast du genügend Kraft, kannst du vielleicht ja widerstehn.
Und mir deine Narben zeigen, dann wenn wir uns wiedersehn.
Wie
eine gute Zeit nicht ewig dauern kann,
dunkle Stunden kommen auch irgendwann am Ende an,
es ist schon vorbei, noch eh wir uns einmal drehn.
Bei Gelegenheit werden wir uns ja wiedersehn.
instrumental
Sind
die Straßen auch verstopft, und die Blechlawine rollt,
und ein Gewitter den Tribut an die Hitze zollt –
Glatteis
Kälte
Regen
das Frühjahr
erster Sturm Tribut an den Spätherbst
was auch passieren mag - es wird immer weitergehn.
Bei Gelegenheit werden wir uns wiedersehn.
Wenn
man vom letzten Lied die allerletzte Strophe singt,
und wenn dann auch der letzte Akkord verklingt,
ist das Konzert vorbei, man könnte dann tatsächlich gehn.
Bei Gelegenheit werden wir uns ja wieder sehn,
wiedersehn, wiedersehn ...
2009