„Nix dagegen“

eigen(sinnig)e Lieder, überlebt und verfallen

1 Die Tage werden kürzer
ein Lied über eine Wachtraum-Vorstellung; war zunächst auf eine Melodie von Jackson C. Frank und hat mit dem Originalthema absolut nichts zu tun. Dann merkte ich, wie „wortreich“ der Text werden würde und bemühte mich um eine Komposition, die dem Rechnung trug, entstand Ende der siebziger Jahre.

2 Spekulantensong

mein erstes richtig komplett eigenes politisches Lied, mit dem ich mich auch an die Öffentlichkeit getraut habe. Eigentlich auch mein erstes Lied , mit dem ich so zufrieden war, dass ich mich traute, mich auch als "Liedermacher" zu sehen. Das Thema „Hausbesetzungen“ sorgte für reichlich Schlagzeilen. Ich hab zwar keine mitgemacht, aber Sympathie gespürt. Geschrieben 1972 lang lang ist's her...

3 Drei alte Kisten

noch so ein „Hausbesetzersong“, aus der Distanz verfasst, quasi Krawallromantik aus zweiter Hand im revolutionären Reggae-Rhythmus... geschrieben 1981. Es gab auch eine rockmusikalische Fassung mit „Krise“.

4 Schon wieder

neben Hausbesetzungen gab es Ende der siebziger / Anfang der achtziger Jahre Blauplatzbesetzungen, Zufahrtsblockaden, Menschenketten und andere mehr oder weniger romantische und phantasievolle Formen des Bürgerwiderstandes gegen obrigkeitliche Planungs- und Vorsorgemaßnahmen, sei es zu vorgeblichen Energie- oder zur angeblichen Friedenssicherung. Die Gegnerschaften waren eigentlich immer gleich: „Die da oben“ gegen „die da unten“... dieses Lied entstand 1976  unter dem Eindruck der Bauplatzräumung in Brockdorf an der Unterelbe, und irgendwann, um die 25 Jahre später, einen Aktualisierungsversuch mit "Schon wieder 2"

5 Furcht im Nacken

gleiches Szenario: zum Gehorsam verpflichtete „Uniformierte“ gegen ungehorsame „Zivilisten“, zwischen denen jeglicher Gesprächsfaden gerissen ist. Dies Lied ist der Versuch, sich unter die „Uniformierten“ zu mischen und dort seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.
Ein "historisches" Lied, das immer wieder aktuell wird, wenn eine Konfrontation zwischen Bürgern und Staat den für das staatliche Machtmonopol zuständigen Verantwortlichen nicht anders lösbar scheint, als mit Wasserwerfern und Gummiknüppeln - früher an den Bauzäunen und Einfriedungen der Kernkraftwerke oder Raketenlager (anlässlich dieser Ereignisse wurde das Lied geschrieben) , heute an den Strecken der Castor-Transporte oder wie beispielsweise Mitte April 2004 in Hamburg in der Hafenstraße, um eine Blockade der Bauwagen-Szene gewaltsam zu beenden... Geschrieben 1981, gab es auch eine rockmusikalische Version mit meiner Gruppe „Krise“.

6 Computer

als die Bundesregierung Ende der siebziger Jahre eine großangelegte Volkszählung durchführen wollte, hatte sie wohl kaum damit gerechnet, dass ihre die Pläne derartig zerpflückt wurden. Dass die Daten alle gespeichert werden könnten und damit jeder quasi durchleuchtet erfasst wäre, war kurz vor 1984 auch mit Blick auf Orwells gespenstisches Szenario eine Schreckensvision - vor allem, weil Computer noch mit reichlich Geheimniskrämerei umwabert waren, und im Grunde für grenzenlose Überwachung standen... geschrieben 1979

7 Zähl mal mit

in Nürnberg, der Stadt der Reichsparteitage, befahl die „Obrigkeit“ eine Razzia gegen das Jugendzentrum „Komm“, weil sie dort ein staatsfeindliches Widerstandsnest wähnte. Die Polizei reagierte völlig überzogen und verhaftete 141 brave Bürgerkinder, so dass ein Aufschrei durch die liberal-alternative Szene ging; geschrieben 1981

8 Sozialistengesetz

es gab was zu feiern: das hundertjährige „Jubiläum“ der Sozialistengesetze im deutschen Kaiserreich, auf deren Grundlage unter Bismarck Sozialisten kriminalisiert und verfolgt wurden. Dieser „Geburtstag“ fiel in die Zeit der „Berufsverbote“ während der Regierungszeit einer sozial-liberalen Koalition: Auf der Grundlage eines Radikalenerlasses, auf den sich die Ministerpräsidenten der Bundesländer und die Bundesregierung geeinigt hatten, sollte jeder aus dem öffentlichen Dienst fern gehalten werden, der nicht die Gewähr dafür bot, dass er sich jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes einsetzen würde. Die bloße Mitgliedschaft in einer als „verfassungsfeindlich“ (und nicht etwa „verfassungswidrig“) eingestuften Organisation war ausreichend für Zweifel. Geschrieben 1978

9 Freund aus Potsdam

im „Stern“ stand die damals überraschende Story, dass westdeutsche Geheimdienste Postsendungen mit Adressaten im deutschen Osten systematisch öffneten und mitlasen, um so Spionen auf die Spur zu kommen oder andere, sicherheitsrelevante Informationen zu sammeln. Dass dies von der ostdeutschen Stasi genauso gemacht wurde, war allgemein bekannt oder vermutet, jedenfalls nicht bezweifelt. Ich studierte damals Rechtswissenschaften in Bonn und bekam mit, wie eine sozialdemokratische Kommilitonin gegen diese westdeutsche Bespitzelung und Postöffnungspraxis Verfassungsbeschwerde einreichte. Jahre später wurde dieser Beschwerde tatsächlich stattgegeben... geschrieben 1979

10 Glaubwürdigkeitsmarsch

nicht ganz ernstgemeinter Vorschlag für eine Parteihymne der Deutschen Kommunistischen Partei oder auch der SED-Nachfolgerin, der Partei Demokratischer Sozialisten, zu singen und zu klatschen auf allen Pressefesten der Parteizeitungen "Unsere Zeit" oder "Neues Deutschland" und auf sonstigen Parteiveranstaltungen, vielleicht auch ein Repertoirevorschlag für verschiedene Liedermacher oder Singegruppen in den alten oder neuen Ländern... als ich das Lied 1979 schrieb war es vor allem die DKP-Verlogenheit in der Diskussion um die Sicherheit von Atomkraftwerken: Im Westen eine große Gefahr für die Menschen, im Osten hingegen völlig sicher...Ein Lied, über das die Zeitgeschichte mit ihrer ganzen Unerbittlichkeit hinweggewalzt ist...

11 Jusotod – 

ein historisches Lied über die Veränderung von Spitzenfunktionären der Jusos - vom verbalen Radikalinski zum angepassten Funktionär, der für die Parteikarriere zu allem bereit ist - auch zur Selbstverleugnung. Kasten Voigt und Wolfgang Roth waren die ersten Vorsitzenden der Jungsozialisten "neuen Typs", also nach 68. Die Vorgänger waren bis dahin (fast alle) schon in der Partei was geworden: Hans Jürgen Wischnewski, Holger Börner in der SPD, Günther Müller war bei der CSU gelandet (!!!), Peter Corterier immerhin auf dem rechten SPD-Flügel im Bundestag. Heidemarie Wieczorek-Zeul wird ihrem früheren Ruf als "rote Heidi" primär frisurmäßig gerecht, Klaus Uwe Benneter ist inzwischen - nachdem Schröder als Rechtsanwalt seine partei-interne "Resozialisierung" betrieben hat, "Generalsekretär" wie irgendwann vor ihm Wischnewski und Börner auch. Von den Juso-Vorsitzenden nach Gerhard Schröder, etwa von dem Zeitpunkt an, als die "Grünen" auf der politischen Bühne erschienen,. hat sich lediglich Andrea Nahles als "linke Quertreiberin" einprägen können, die gelegentlich wider den Vortandsstachel löckt. Aber ich bin sicher, auch ihre Spitze wird stumpf, früher oder später... geschrieben 1981

12 Nix dagegen

die USA hatten mit Ronald Reagan einen abgehalfterten Hollywood-Schauspieler ins Präsidentenamt gewählt, der vor allem mit Cowboyfilmen der B-Kategorie seine Dollars verdient hatte und nebenbei als reaktionärer Sprücheklopfer in die Politik gewechselt war. Kaum im Weißen Haus, trieb er im Kalten Krieg die Perversion des Denkens in neue Dimensionen voran und schreckte Freund und Feind mit der Idee auf, den Bau von sogenannten Neutronenbomben in die Wege zu leiten - Bomben, die den "Vorteil" hatten, dass sie bei ihrer Explosion keine Sachschäden anrichteten, sondern nur Leben vernichteten, m.a.W. alle gingen tot, aber nichts ginge kaputt. Ein deutliches Wort der Ablehnung durch den damaligen sozialdemokratischen Kanzler Helmut Schmidt war nicht zu vernehmen. Damit hatte die „Friedensbewegung“ ein weiteres Reizthema...; geschrieben 1981

13 Sechzehn Nationen

Fußballweltmeisterschaft in Argentinien 1978 - Faschisten an der Macht verüben Massenmorde, doch der Ball rollt... und nun, im März 2004, stellt die rot-grüne Bundesregierung an die argentinische Regierung den Antrag, den früheren Junta-Chef Videla an Deutschland auszuliefern, um ihm wegen des Verschwindens von Elisabeth Käsemann und Klaus Zieschank den Prozess zu machen. Als beide vor 26 Jahren verschwanden, regierte in Deutschland auch ein sozialdemokratischer Kanzler. Wie intensiv ist damals eigentlich versucht worden, gegen Mord und Folter an Regimegegnern in Argentinien zu protestieren? Ach ja, vermutlich sollte man berücksichtigen, dass Argentinien damals wirtschaftlich gesehen - also aus dem Blickwinkel der investierenden Kredithaie - noch ein lukrativerer Markt war als heute...; geschrieben 1978

14 Fremde Augen

in den siebziger Jahren war nicht nur die ostdeutsche DDR ein Zufluchtsland für Verfolgte aus Rechtsdiktaturen in aller Welt, sondern manche wollten auch in der Bundesrepublik Deutschenland darauf warten, dass in ihrer Heimat bessere Zeiten für ein freies Leben ohne Verfolgung anbrachen. Viele Flüchtlinge erhielten in Westdeutschland Asyl, doch haben sie nicht in dem Umfang eine herzliche Aufnahme erfahren, wie sie es sich erhofft hatten und wie es - nach den finsteren Zeiten in Deutschland, als viele Deutsche ihre Heimat verlassen mussten und im Ausland Asyl fanden - angebracht gewesen wäre. Übrigens ließ auch in der DDR neben der politisch verordneten internationalen Solidarität die Herzlichkeit der Freundschaft zu wünschen übrig. Ein Text, den ich unter dem Eindruck der vielen Flüchtlinge aus  Chile geschrieben habe, die nicht jeder hierzulande willkommen hieß... geschrieben 1978 

15 Karl der Steife

Karl Carstens war von der CDU/CSU-Fraktion in verschiedenen Spitzenfunktionen gewählt worden und hatte sich bei mir durch sein schneidiges Auftreten unbeliebt gemacht. Dann wurde seine mangelnde Distanz zum NS-Regime ruchbar – gleichwohl lies er sich als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten aufstellen, nachdem die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung klar waren und es an seiner Wahl keinen Zweifel gab. Für die Frohnatur Scheel gab es nur eine Amtsperiode, und dann kam diese Nachfolgeregelung, die eine „braune Vergangenheit“ wieder als Normalfall aussehen ließ, als hätte es nie zumindest den Versuch eines Neuanfangs gegeben... geschrieben 1978

16 Neuanfang

keine Auftragsarbeit, aber quasi eine Pflichtübung für mich, als eingeladen worden war, bei einer Gewerkschaftsveranstaltung zu spielen, mit der an das 40 Jahre zurückliegende Kriegsende erinnert wurde; geschrieben 1985

17 Wenn der Vorhang fällt

Ende der siebziger Jahre hatten wir – Martina und ich – das Vergnügen, am Stuttgarter Schauspielhaus einige Inszenierungen von Claus Peymann und seinem Ensemble zu erleben. Wie danach nie wieder waren wir gepackt von der Kraft und Spielfreude, die über die Bühne kamen. Und dann bat Claus Peymann am Schwarzen Brett des Staatstheaters um eine Spende für eine Zahnbehandlung, der sich eine im Stammheimer Hochsicherheitstrakt inhaftierte Terroristin namens Gudrun Ensslin unterziehen musste. Was folgte, war eine beispiellose Hetzjagd gegen den linken Intendanten, der mit seinem frechen und respektlosen Theater für den reaktionären Stuttgarter Ministerpräsidenten Hans Filbinger längst zum roten Tuch geworden war. Auch ein vorgeblich so liberaler CDU-Oberbürgermeister Manfred Rommel konnte oder wollte Peymann nicht halten, der mit fast seinem gesamten Ensemble nach Bochum zog. Ein Aderlass, von dem sich das Stuttgarter Schauspielhaus jahrzehntelang nicht erholt hat. Mein Lied war der Versuch einer Art Suite, mit der nach der letzten Vorstellung meine Dankbarkeit für so manches unglaublich schönes Theatererlebnis ausdrücken wollte; geschrieben über einen längeren Zeitraum hinweg Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre, bis zu letzten Korrekturen 2003.

Gesamtinhaltsverzeichnis 
(plus Angabe der CD, 
auf der das Lied zu finden ist,
Kinderlieder kursiv geschrieben) 

A

Abhetzblues (Du bist schuld, Der geklaute Gameboy, 
          Papa backt, Aufräum', Diese 1)
Abrechnung (Nicht als Eigentum, Nichts ist ideal, 
          Diese 2)
 
Acht große Lieben
(Spuren, Diese 2)
Adventszeit - Bastelzeit (Mama, mach Mam'lade)
Alle alle da (Mama, mach Mam'lade)
Allein mit meinen Träumen (Nicht als Eigentum)
Alle haben einen Weg (Ich bin groß)
Alleine in der Stadt (Papa repariert)
Alle Kinder draussen (Der geklaute Gameboy)
Alles dabei (Weit und offen, Gegenseitig geschenkt, 
          Diese 3)

Alles hat seine Zeit
(Draufgänger, Gegenseitig 
         geschenkt, Schicksalsglück, Diese 1)
Alle Zeit (Bestes Stück)
Andres Kind (Draufgänger, Mama, mach Mam'lade,
          Schicksalsglück)
Anneli (Schicksalsglück)
Anziehlied (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Aufräum')

Aufgewacht
(Spuren)
Aufräum’ (Du bist schuld, Papa repariert, Papa backt, 
         Aufräum')
Auf Reisen (Stück des Wegs, Sternschnuppen)
Aufstehn
Auf Wiedersehn (Ich bin groß)

Aufzug
(Im Handumdrehn)
Ausgeliefert (Ausgeliefert, Diese 1)
Aus, over, roger (Unentdeckt)
Aussen vorbei
(Spuren)
Ausstand (So ist gut)
Ausziehen (Ausgeliefert, Diese 4)
Autowäsche (So ist gut)

B

Baby Doll (Draufgänger, Igitt, da drin sind Zwiebeln,
         Papa backt)
Bäh (Ich bin groß)
Bande Bande (Papa repariert)
Bangelied (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Mach die Tür zu)
Bauchschuss (Nicht als Eigentum)
Bauchweh (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Mach die Tür zu)
Bei Gelegenheit - Wiedersehen reloaded 
         (Im Handumdrehn)
Bekenntnis (Nicht als Eigentum)
Bestes Stück (Bestes Stück)
Beweise
(Unentdeckt)
Big Brother
(Nicht als Eigentum)
Big Brother 2004 (neu) (Im Handumdrehn)
Bilanz
(Weit und offen)
Bis sie geht
(Unentdeckt, Diese 2)
Bloß keinen Schiss (Ich bin groß)
Blütenträume (auch engl.) (Stück des Wegs
         Gegenseitig geschenkt)

Bonbonpapier (Der geklaute Gameboy, Aufräum')
Brieffreundschaft (Der geklaute Gameboy, Papa backt, 
         Mach die Tür zu)

C

Camping (Papa repariert, Papa backt, Aufräum')
Camping-Disco 
Computer (Nix dagegen)
Cool (So ist gut)

D

Das merk ich mir (Papa repariert, Papa backt, Mach die 
         Tür zu)
Das peinliche Lied (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Papa 
         backt, Aufräum')
Das Phantom: Der Opa (Der geklaute Gameboy, Papa
         backt, Aufräum', Im Handumdrehn)
Das Recht ein Mensch zu sein (Stück des Wegs, 
         Nichts ist ideal, Sternschnuppen)
Das Recht ein Mensch zu sein - ergänzt 
         (Im Handumdrehn)
Das war's (So ist gut)
Das Weihnachtslicht (Igitt, da drin sind Zwiebeln)
Da war doch was (Ich bin groß)
Denk nun an dich (So gesehen)
Deine Klamotten (Der geklaute Gameboy, Papa backt, 
         Aufräum', Im Handumdrehn))
Der Abend vorher (Ich bin groß)
Der ewige Despot (So gesehen, Nichts ist ideal)
Der geklaute Gameboy (Der geklaute Gameboy, 
         Aufräum')
Der Hexenmeister (Papa repariert, Aufräum')
Der Junge ist tapfer (Papa repariert, Mach die Tür zu)
Der Kalender (So ist gut)
Der Kardinalsfehler (Bestes Stück)
Der Namenstag (Ich bin groß)
Der qualmende Karl (Papa repariert)
Der Ranzen (Ich bin groß)
Der Tropfen (Ausgeliefert)
Der Verdacht (Bestes Stück)
Der Zirkus (Igitt, da drin sind Zwiebeln)
Dicke Decke (Bestes Stück)
Die Eulen lauschen (Weit und offen)
Die ist bekloppt 1 (Der geklaute Gameboy, Aufräum')
Die ist bekloppt 2
Die Krise kommt (Im Handumdrehn)
Die Lehrerin (Ich bin groß)
Die Macht des Glaubens (Ausgeliefert, Diese 3)
Die Nacht durchwacht (Im Handumdrehn)
Die Schule (Ich bin groß)
Die Tage werden kürzer (Nix dagegen)
Die Tüte (Ich bin groß)
Doch aufgepasst (Der geklaute Gameboy, Aufräum')

Domina
(Spuren)
Draufgänger (Draufgänger, Woher - wohin, Diese 1)
Drei alte Kisten
(Nix dagegen)
Drüber schlafen
(Du bist schuld)
Du alte Schule (Mama, mach Mam'lade)
Du bist schuld (Du bist schuld, Diese 1)
Du bist zu allem fähig
(So gesehen, Nichts ist ideal)
Du könntest meine Tochter sein
(Draufgänger, 
         Woher - wohin, Diese 3)

Du nicht bei mir
(Weit und offen, Gegenseitig 
         geschenkt, Diese 3)

Durch den Wind
(Draufgänger)
Durchsicht meiner Konten
(So gesehen)
Dutzendgesicht
(Unentdeckt, Diese 4)

E

Eile mit Weile (So ist gut)
Ein Blick
(Draufgänger, Gegenseitig geschenkt, Diese 4)
Ein Glas Saft (Papa repariert, Papa backt, Mach die Tür 
         zu)
Eismann
(Mama, mach Mam'lade)
Epitaph für John Pearse (So ist gut)
Epitaph für Phil Ochs (auch in engl.) (Nicht als 
         Eigentum
, Nichts ist ideal, Sternschnuppen, 
         Diese 3)

Epitaph für Rudi Dutschke
(Stück des Wegs, Nichts 
         ist ideal)

Er tanzt
(Unentdeckt, Diese 1)
Es ist wie’s ist (Du bist schuld, Mama, mach Mam'lade, 
         Papa backt, Aufräum')
Es tut mir leid (Nicht als Eigentum)
Etikette
(Unentdeckt)

F

Fahrrad fahrn (Papa repariert)
Falschgeld (So ist gut)
Fang an (Weit und offen)
Fassade
Fast dreißig Jahre
(Ausgeliefert)
Fit oder fett (Stück des Wegs)
Flieg (Ausgeliefert, Diese 2)
Forschung
(Du bist schuld)
Fragen Fragen Fragen (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Papa 
          backt)
Freiheit (Du bist schuld)
Frei sein (Draufgänger)
Freispruch (Ausgeliefert)
Frei wie der Wind (Im Handumdrehn)
Fremde Augen
(Nix dagegen)
Freund aus Potsdam
(Nix dagegen)
Freunde, seid wach
(Nicht als Eigentum, Nichts ist 
         ideal, Sternschnuppen, Diese 1)

Frieden
(Stück des Wegs, Nichts ist ideal, 
         Sternschnuppen, Diese 3)

Früher war alles besser
(Draufgänger)
Frühstück im Bett (Mama, mach Mam'lade)
Furcht im Nacken (Nix dagegen)

G

Gamino (Nicht als Eigentum, Nichts ist ideal)
Gegenseitig geschenkt
(Weit und offen, Gegenseitig 
         geschenkt, Diese 2)

Geh nicht auf den Wecker (Mama, mach Mam'lade)
Gelage (Stück des Wegs)
Gelebter Traum
(Unentdeckt)
Genieß
(Spuren, Diese 4)
Glaubwürdigkeitsmarsch
(Nix dagegen)
Grau in grau
(Draufgänger)
Greif zu
(Du bist schuld, Diese 4)
Gute Besserung (Igitt, da drin sind Zwiebeln)

H

Hab doch noch Geduld  (auch engl.) (Nicht als 
       Eigentum, Gegenseitig geschenkt, Sternschnuppen, 
       Diese 4)

Halbes Leben
(Unentdeckt)
Hallo Kam'raden
(So gesehen)
Harrisburg-Syndrom
(Störfall in Stade) (Nicht als 
         Eigentum, Sternschnuppen)

Haufen Schrott
(Bestes Stück)
He, Baby 
Heinz, der Elefant (Ich bin groß)
Herzlichen Glückwunsch (Ausgeliefert, Diese 4)
Heute hab ich frei (Ich bin groß)
Heut geht M.G. (Im Handumdrehn)
Heute, liebe Leute (Ich bin groß)

Holz knistert
(Ausgeliefert)

I

Ich bin dran (Papa repariert)
Ich bin ein Cowboy (Papa repariert)
Ich bin ja so gespannt (Ich bin groß)
Ich bin so blank (Der geklaute Gameboy, Aufräum')
Ich bin stolz (So gesehen)
Ich hätte und du würdest (Igitt, da drin sind Zwiebeln)
Ich kam in Jeans (Draufgänger, Woher - wohin, Diese 3)
Ich kann auch anders
(Weit und offen, Woher - wohin, 
         Diese 2)

Ich kann noch mehr (Papa repariert)
Ich kenn den Weg zu dir (So gesehen)
Ich mag das nicht (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Papa 
         backt, Aufräum')
Ich muss (So gesehen)
Ich spür dich bei mir (Stück des Wegs, Gegenseitig 
          geschenkt)

Idioten (Der geklaute Gameboy)
Im Handumdrehn (Im Handumdrehn)
Immer hab ich dich dabei (So gesehen)
Im Mäppchen ist so viel (Ich bin groß)
Immer Augen auf (Ich bin groß)
Immer locker
Im Zoo (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Papa backt, 
          Aufräum')
In der Nacht
(Du bist schuld)

Intensiv
(Spuren, Diese 1)
I
ntrigantenstadl (Bestes Stück)
Irgendwo (Der geklaute Gameboy, Mach die Tür zu)
Is egal (Mama, mach Mam'lade, Im Handumdrehn)
Ist vorbei, ich bin groß (Ich bin groß)

J

Ja du, dann dann
Jammerschade (Weit und offen, Nichts ist ideal)
Jannik (Schicksalsglück)
Ja, wenn das so ist (So gesehen, Nichts ist ideal)
Jeder kennt einen
(Weit und offen, Nichts ist ideal, 
         Diese 4)

Jederzeit
(Unentdeckt)
Journalisten (Stück des Wegs, Nichts ist ideal, Setzt 
         euch zu mir, Diese 2)

Jugendherberge (Papa repariert)
Jugendlich (Spuren, Diese 2)
Jusotod (Nix dagegen)

K

Kalt (Draufgänger)
Kann man das kleben (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Mach 
          die Tür zu)
Kann nicht schlafen (Papa repariert, Papa backt, Mach 
         die Tür zu)
Kann nur besser sein (So gesehen, Woher - wohin, 
         Diese 3)

Karl der Steife
(Nix dagegen)
Kasimir, das Nachtgespenst (Papa repariert)
Katastropheneinsatzplan (Nicht als Eigentum, Nichts 
         ist ideal, Sternschnuppen, Diese 2)

Kinderarzt (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Aufräum')
Kinderklau
(Ausgeliefert)
Kindertag
(Igitt, da drin sind Zwiebeln)
Klare Ansage (Spuren)
Klassenfest (Mama, mach Mam'lade)
Kleiner Engel (Draufgänger, Ich bin groß, Papa backt, 
         Mach die Tür zu, Schicksalsglück, Diese 2)
Kleiner Wirbelwind (Igitt, da drin sind Zwiebeln)
Knallkopp
Knibbelei (So gesehen, Papa repariert, Papa backt, 
         Diese 3)
Knötterich (Ich bin groß)
Kohlroulade (Ausgeliefert)
Komm doch mal rüber (Im Handumdrehn)
Komm in meine Arme
(Igitt, da drin sind Zwiebeln, Papa 
        backt)
Komm mit in den Park (auch engl.) (So gesehen, 
        Gegenseitig geschenkt, Diese 2)

Komm' se raus
(Stück des Wegs, Sternschnuppen)
Komm spielen
Kopf hoch (Draufgänger)
Krähenfüße
(Draufgänger, Gegenseitig geschenkt,
         Diese 1)

Krank (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Mach die Tür zu)
Krieg der Knöpfe (Stück des Wegs)
Krölle-Bölle (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Papa backt, 
        Aufräum')
Kuck doch mal her (Igitt, da drin sind Zwiebeln)
Kurzinfo (Du bist schuld)
Kussräuber

L

Langweilig (Du bist schuld, Mama, mach Mam'lade,
         Papa backt, Mach die Tür zu, Diese 4)
Lang ist her (Bestes Stück)
Lätzchen-Schätzchen (Igitt, da drin sind Zwiebeln)

Lass dich fallen
(Spuren)
Lass mich dir erklären (Stück des Wegs)
Lass mich lesen (Der geklaute Gameboy, Papa backt, 
         Mach die Tür zu)
Lass sie nur (So gesehen, Nichts ist ideal)
Leben 
(auch engl.) (Stück des Wegs, Woher - wohin, 
         Diese 3)

Leben lieben
(Du bist schuld, Diese 1)
Leben mit dir (So ist gut)
Lebenslust
(Weit und offen, Nichts ist ideal)
Logik
(Stück des Wegs)
Lukis Nuki (Igitt, da drin sind Zwiebeln)

M

Mach die Tür zu (Mama, mach Mam'lade, Mach die Tür 
         zu)
Mach dir nichts vor (Nicht als Eigentum, Schicksalsglück)
Mach was, Mama
(Spuren, Diese 1)
Mallied (Ich bin groß)
Mal reden (Nicht als Eigentum, Woher - wohin, 
         Sternschnuppen, Diese 3)

Mama, mach Mam’lade (Mama, mach Mam'lade)
Manager von Jennifer (Weit und offen)
Mein Bett (Mama, mach Mam'lade, Mach die Tür zu)
Meine Mode
Meisterschaft (Unentdeckt)
Melanie (Ausgeliefert, Diese 1)

Mich traf ein Licht
(So gesehen, Gegenseitig 
         geschenkt)

Midlifekrise
(Stück des Wegs, Woher - wohin,
         Sternschnuppen, Setzt euch zu mir, Diese 2)
Mordsgelüste (Bestes Stück)
Museum
(Du bist schuld, Diese 4)
Mutation
(Nicht als Eigentum, Nichts ist ideal, 
         Sternschnuppen)

N

Nasenlöcher sehen nichts (Ich bin groß)
Nasenwuchs (So ist gut)
Neuanfang (Nix dagegen)
Neubeginn  
Neustart (Im Handumdrehn)
Nicht als Eigentum (Nicht als Eigentum,  Gegenseitig
          geschenkt, Sternschnuppen, Diese 2)

Nichts ist ideal
(Nicht als Eigentum, Nichts ist ideal)
Nichts ist so toll (Ich bin groß)
Nichts zu verliern (Unentdeckt)
Nie verkehrt
(Du bist schuld)
Nikoläuse (Ich bin groß)
Nix dagegen (Nix dagegen)
Noch frisch (Im Handumdrehn)
Noten sind bloß Zahlen (Ich bin groß)
Nur geklont (Ausgeliefert, Diese 2)

O

Oettinger Klartext (Bestes Stück)
Oh Mann
(Nicht als Eigentum, Woher - wohin, Diese 4)
Ohne Ende (Im Handumdrehn)
Ohne Gebiss
(Stück des Wegs, Diese 4)
Olle Pollen (Papa repariert)

P

Packlied (Igitt, da drin sind Zwiebeln)
Papa backt
(Weit und offen, Papa backt, Diese 1)
Papa-Rap (Du bist schuld)
Papa repariert (Papa repariert, Papa backt, Aufräum')
Party (Spuren, Diese 1)
Passiert ist passiert (Weit und offen, Diese 3)
Paternoster
(Draufgänger, Nichts ist ideal)
Pazzilozzi-Kindergarten (Igitt, da drin sind Zwiebeln)
Pekinger Frieden (So ist gut)
Photosession (Weit und offen, Woher - wohin, Diese 3)
Plapperfrei (Igitt, da drin sind Zwiebeln)

Prima, sind Ferien (Mama, mach Mam'lade)
Prinzesschen hat geheiratet (Igitt, da drin sind Zwiebeln)
Pudding mit Ketchup (Der geklaute Gameboy)

R

Radiotime (Stück des Wegs)
Regen
(Du bist schuld)
Reif
(Weit und offen, Woher - wohin, Diese 4)
Reste (Der geklaute Gameboy)
Rezepte (Unentdeckt)
Richtig wichtig (Bestes Stück)
Rücken zur Wand (Bestes Stück)

S

Schicksalsglück (Unentdeckt)
Schlaflied 
(Schlaf, mein Schatz) (Stück des Wegs, 
         Woher - wohin, Sternschnuppen, Diese 3)

Schlaflied (Brav, dreh dich) (Igitt, da drin sind Zwiebeln, 
         Papa backt, Mach die Tür zu)
Schlot (Papa repariert)
Schlotterhosenknabe (So ist gut)
Schneemann (Draufgänger, Mama, mach Mam'lade, 
         Mach die Tür zu)
Schnurr, Miezi, schnurr (Mama, mach Mam'lade, Mach 
         die Tür zu)
Schöner Döner (Ausgeliefert)
Schon wieder (Nix dagegen),  
Schon wieder frei (Du bist schuld, Mama, mach  
           Mam'lade)
Sechzehn Nationen (Nix dagegen)
Sei still
(Stück des Wegs, Nichts ist ideal, Diese 4)
Sie in ihr
(Spuren)
Sie lacht
(Unentdeckt, Diese 1)
Sie schläft nicht gut (Bestes Stück)
So gesehen
(So gesehen, Woher - wohin, Diese 1)
So gut
(Spuren)
So ist gut (So ist gut)
So kann's gehn
(Unentdeckt)
So nah dran
(Spuren, Diese 4)
So’n Pech für mich (Der geklaute Gameboy, Aufräum')
Sonst nix (So gesehen, Nichts ist ideal, Diese 4)
Sozialistengesetz
(Nix dagegen)
Spekulantensong
(Nix dagegen)
Spick mich (So ist gut)
Spiel dein Spiel (Ausgeliefert)
Sprechstunde
(zum "Jahr des Kindes") (Nicht als 
        Eigentum, Sternschnuppen, Diese 4)

Spurensuche
(Spuren, Diese 2)
Spur zum Glück
(So gesehen, Woher - wohin, Diese 2)
Sternschnuppen
(Stück des Wegs, Woher - wohin, 
        Sternschnuppen, Mach die Tür zu, Diese 1)
Stimme im Ohr (So ist gut)
Stimme seines Herrn
(So gesehen, Nichts ist ideal)
Stück des Wegs
(auch engl.) (Stück des Wegs,
       Gegenseitig geschenkt, Sternschnuppen, Setzt  
       euch zu mir, Diese 1)
Suchen - Finden (Ausgeliefert)
Susanne steigt aus (Bestes Stück)

T

Taschenlampe im Bett (Papa repariert)
Träne im Auge (auch engl.) (Stück des  Wegs, Gegenseitig 
      geschenkt, Diese 4)

Traumlied (Ich bin groß)
Trotzige Alte (Stück des Wegs, Nichts ist ideal,
      Sternschnuppen, Diese 4)

Tschuldigung
(Spuren)
T-Shirt
(Draufgänger, Woher - wohin, Diese 1)
Tun als ob (Ich bin groß)
Tut mir leid (Der geklaute Gameboy)

U

U-Bahn fahrn (Ich bin groß)
Überheblich (Unentdeckt)
Unentdeckt
(Unentdeckt, Diese 2)

V

Verklappt (Ausgeliefert, Diese 3)
Vergessen (Bestes Stück)
Verwirrung
(Im Handumdrehn)
Vielleicht ist ja so (Im Handumdrehn)
Voll dabei (So gesehen)
Vorbei
(Spuren, Diese 4)
Vorfreude
(Du bist schuld)

W

Wachtraum (Spuren)
Warnung
(Du bist schuld)
Warum beeilen (Der geklaute Gameboy)
Was ich erzählen will (Ich bin groß)
Was ihr wisst (Ich bin groß)
Was ist wahr (Draufgänger, Nichts ist ideal, Diese 3)
Was mach ich da
(So gesehen)
Was muss ich noch tun
(Draufgänger, Gegenseitig 
       geschenkt, Diese 2)
Was weiß ich schon (So ist gut)
Was würd ich ohne dich tun
(Weit und offen, 
       Gegenseitig geschenkt, Diese 2)

Weit und offen
(Weit und offen, Gegenseitig 
       geschenkt, Diese 1)

Wem nützt es
(Spuren)
Wenn der Vorhang fällt
(Nix dagegen)
Wenn ich gehn muss
(Unentdeckt, Diese 3)
Wer kommt (Ich bin groß, Papa backt)
Wie geschmiert (Unentdeckt, Diese 3)
Wieso frag ich dich
(Weit und offen, Woher - wohin, Diese 3)
Will aber (Igitt, da drin sind Zwiebeln, Papa backt)
Woher, wohin (Weit und offen, Woher - wohin, Diese 3)
Wohin der Weg auch führt
(Nicht als Eigentum
       Gegenseitig geschenkt, Sternschnuppen)

Womit hab ich das verdient
(Du bist schuld)
Woran denkst du (Bestes Stück)
Wunder
(Spuren, Diese 2)
Wut so doll
(Der geklaute Gameboy)

Z

Zähl mal mit (Nix dagegen)
Zahnspange (Mama, mach Mam'lade, Aufräum')
Zielsuche (Im Handumdrehn)
Zu anderer Zeit (Draufgänger)
Zuhörer (Der geklaute Gameboy)

Unvertonte Gedichte

Ausgewogenheit
Denkmal

Die Lichter an Weihnachten

      nach Senta Schads Abschied

Fettich

HDH
  (für Hanns Dieter Hüsch)
Nachlass

Traditionspflege

Trost ?

Wenn

Zum Trotz

Gedichte und Texte zum Jahresende

Das Jahr geht rum 1989
Einheitsweihnachten
1990  

Weiße Weihnacht in weißen Westen
(Dialog)1994
Von Nix kommt nix
(Reportage)1995
Die Lichter an Weihnachten
1998
Zehn Minuten Gedicht
2001 
Schon wieder Zeit
  2002
Frohe Weihnacht wieder mal
  2003 
Weihnachtsstimmung
2004

Gedichte über den Weihnachtsmann  

Jobsharing  Weihnachtsmann & Osterhase 1991
Der Weihnachtsmann auf Tour in Kur
1992

Der Weihnachtsmann Präsidentschaftskandidat

           (
Der Kandidat - gescheit gescheitert) 1993 
Glaubst du an den Weihnachtsmann?
1996
Weihnachtsstreik
1997 
Weihnachtsmann ohne Dichtlust
1998
Das Weihnachtslicht
1999
Weihnachtsmann mit Frust
2000 

Gerd Schinkel singt auf deutsch eigene Lieder  

CDs für Erwachsene:

Es gibt CDs mit Liedern für Erwachsene in quasi chronologischer Zusammenstellung (drei vorwiegend aus dem vorigen Jahrtausend), eine CD mit meinen besten Liedern aus dem vorigen Jahrtausend und - als besondere Zusammenstellung - einen Viererpack mit meinen besten Liedern.

0 - "Nix dagegen" - eigen(sinnig)e Lieder

1 - „Nicht als Eigentum" - eigen(artig)e Lieder

2 - „Stück des Wegs" - eigen(willig)e Lieder

3 - „So gesehen" - eigen(mächtig)e Lieder

4 - „Weit und offen“  - eigen(ständig)e Lieder  

5 - "Draufgänger" - eigen(händig)e Lieder

6 - "Unentdeckt" - eigen(tümlich)e Lieder

7 - "Du bist schuld" - eigen(wüchsig)e Lieder

8 - "Spuren" - eigen(wertig)e Lieder

9 - "Ausgeliefert" - eigen(nützig)e Lieder

10 - "Bestes Stück" - eigen(brötlerisch)e Lieder

11 - "So ist gut" - eigen(verantwortlich)e Lieder

12 - "Im Handumdrehn" eigen(süchtig)e Lieder

 

CDs in besonderer Zusammenstellung:

die besten eigenen aus dem vorigen Jahrtausend :

- "Sternschnuppen"

- "Schicksalsglück" - CD mit 19 Liedern 
             zu meinem  Buch : 
 
             „Bin ich ihr ähnlich?" 
             - Adoptivtochter auf Spurensuche in Korea“ -
             erschienen Dez. 2005 bei Books on Demand,
             Norderstedt, ISBN
3-8334-33915-7, 260 S., 14.90 €
            
Buch ist im Handel und bei mir erhältlich, CD nur bei mir

- "DIE BOX: gnadenlos anachronistisch - aber nicht hoffnungslos"  enthält meine mutmaßlich besten Lieder:
             - DIESE (1)
             - AUCH DIESE (2)
             - AUCH NOCH DIESE (3)
             - WOHL AUCH NOCH DIESE (4)

"- "1-fach" Beispielsweisen 
             vorzugsweise auszugsweise 

- "4-fach" Beispielsweisen 
             vorzugsweise scheibchenweise
            als 4er Box angelegt, aber auch jede CD einzeln 
            
( erschienen 2003, thematisch sortiert mit meinen bis 
             dahin geschriebenen besten Liedern):

- „Gegenseitig geschenkt“
     
„Beziehungsweisen“ schönste Liebeslieder
-
„Woher – wohin“ – 
            „Betrachtungsweisen“ beste Lebenslieder
- „Nichts ist ideal“ – 
            „Sichtweisen“ trotzigste Trotzlieder 

- „Papa backt“ – 
           
„Singweisen“ aus der Kinderwelt
   

Es gibt fünf CDs mit eigenen Liedern für Kindern in altersentsprechender Zusammenstellung sowie zwei CDs mit den besten Kinderliedern (einmal laut, einmal leise):

CDs für Kinder:

- "Igitt! Da drin sind Zwiebeln" - für Vorschulkinder
- "Ich bin groß" - zur Einschulung
       

- "Papa repariert" - für "frische" Grundschulkinder

- "Der geklaute Gameboy" -
für erfahrene Grundschulkinder 
- "Mama, mach Mam'lade" -
für große Grundschulkinder

sowie als "beste" Kinderlieder:
- "Aufräum'"   (laut genug)
- "Mach die Tür zu" (leise)


Gerd Schinkel singt auf deutsch eigene Lieder  

"Nix dagegen" - eigen(sinnig)e Lieder

Dieser Lieder sind aus einer anderen Zeit, 
nicht aus einem anderen Leben. 
Es sind Lieder, 
die durch den Zeitablauf überholt wurden, 
aber als ich sie in den siebziger und Anfang der achtziger Jahre geschrieben habe, waren es Protestlieder im besten Sinne: 
aktuell und eindeutig parteilich. 
Ich habe sie für diese Aufnahme geringfügig bearbeitet, 
um nicht die Jahre zu ignorieren, 
die inzwischen vergangen sind. 
Die Aufnahme war wohl der letzte Anlass, 
sie noch mal zu singen... 
So gesehen sind es Lieder 
aus dem Archiv für das Archiv 
und für diejenigen, 
die am Rückblick sentimentales 
oder anderes Vergnügen finden: 
"Weißt Du noch, damals... 
bei der Sitzblockade ... 
vor dem Bauzaun... 
auf der Demo ..."

Die Tage werden kürzer

Die Tage werden kürzer - der Sommer geht vorbei. 
Das Laub fällt aus den Zweigen und hat keinen Schmerz dabei.
Ich träum’ noch von der Wärme, von Blüten, grünem Baum, 
von Licht und Fröhlichkeit - einen sagenhaften Traum.

Es ist ein schöner Morgen: Der Schlaf war tief und fest, 
die Brötchen schmecken knackig - und so lass ich keinen Rest.
Der Kaffee dampft und duftet, und das Ei ist frisch und weich. 
So lob ich mir den Tag, fühle mich unendlich reich.

Die Zeitung auf dem Tisch berichtet aus der weiten Welt. 
Ich les’ sie jeden Morgen, denn sie schreibt, was mir gefällt.
Es gibt kein Land auf Erden, wo Krieg noch Leiden bringt.
Kein Mensch lebt mehr in Angst, jedes Kind mit Freuden singt.

Jeder Mensch hat Arbeit, und niemand leidet Not, 
und keiner wird entrechtet, gefoltert und bedroht. 
Kein Hass frisst in den Adern, und weder Gier noch Neid, 
denn jeder hat genug. Keiner kennt mehr Einsamkeit. 

Die Flüsse fließen sauber, und die Luft ist frisch und klar. 
Und einem langen Leben droht von nirgends her Gefahr.
Wer lernen will, kann lernen - die Auswahl steht ihm frei. 
Und Arbeitsplätze gibt es genug, mit Spaß dabei.

Ich mach das Radio an - es kommt Musik, wie ich sie mag. 
Eine nette Stimme liest, was so geschehen ist am Tag:
Sie spricht von Krieg und Toten, von Hungersnot und Flut, 
von Arbeitslosigkeit, von Seuchen, Mord und Blut.

Die Flüsse sind - laut Gutachten - gefährdet wie noch nie. 
Dem widerspricht ein Gutachten, bezahlt von der Chemie.
Ein Kernkraftwerk schon wieder wegen Störung abgestellt - 
doch radioaktive Strahlung drang nicht an die Außenwelt..

Mein Radiowecker war’s, der mich um meinen Schlaf gebracht. 
Presslufthammer-Techno-Sound hat mich ganz wach gemacht.
Der Himmel war verhangen, vom Qualm aus der Fabrik. 
Der Techno-Krach ließ nach - es kam Werbung, statt Musik.

Die Nachrichten warn trostlos - aber Hoffnung gab es kaum. 
Ich zog die Decke übern Kopf. Wo war mein schöner Traum?
Das Plumeau über beide Ohr’n, sah ich nur Dunkelheit – 
da flog die Decke weg – aufsteh’n, anzieh’n - höchste Zeit....

Anfang der 80er Jahre


Spekulantensong


Langsam gehst du in der Wohnung auf und ab. 
Dein Schritt hallt laut und du bleibst steh’n.
Die Umgebung, an die du dich so gewöhnt hast, 
sie wird verändert - du musst geh’n.
Man wird dich hier bald nicht mehr sehn.

All deine Möbel hast du schon verpackt. 
Und auch den Teppich eingerollt. 
Du hängst an ihnen, hängst an jedem Einzelstück, 
vom Sperrmüll hast du sie geholt -
kein anderer sonst hat sie gewollt.


Verdrängungsopfer, Spekulantenfraß, 
Stadtsanierung, Profitmaximierung -
die Geier kreisen schon tief über dir.


Dein Haus steht eigentlich ein halbes Jahr schon leer. 
Nur du allein warst noch im Weg.
Der schmucke Altbau wird bald nur noch Trümmer sein. 
Denn ein Bürohaus soll hier steh’n -
schön hoch, damit es alle seh’n.

Wo du nun wohnen sollst, weißt du noch nicht genau. 
Woanders sind die Mieten viel zu hoch.
Wenn du aufs Land ziehst, wird der Weg zur Stadt sehr weit, 
die Fahrt im Bus wird dir zum Schlauch,
und teuer ist das Fahrgeld auch.

Die Innenstadt sieht so schon trist und traurig aus. 
Nach Feierabend gibt’s kein Leben mehr.
Nur noch Geschäftshäuser, Büros ab erstem Stock – 
nach halb neun sind die Straßen leer -
tagsüber ist hier viel Verkehr.

Wie du erfahren viele andre aus der Stadt, 
was Stadtsanierung für sie heißt.
Und nur die Spekulanten sahnen kräftig ab, 
wenn man ein altes Haus abreißt,
und so die Mieter dort bescheißt.

1973


Drei alte Kisten


Drei alte Kisten, mit Büchern randvoll - 
ich weiß noch nicht, wohin ich mit dem Krempel soll.
Ein paar Klamotten im Koffer eingesackt, 
ohne Bleibe - aber sonst noch ganz intakt.


Und in der Stadt saniert man Haus um Haus kaputt.
Betonbüros statt Wohnraum, Wuchergeld auf Schutt.
Die alten Häuser - unbewohnt: Was willst du mehr? 
Instandbesetzt steh’n sie nicht länger leer...


Drei Matratzen auf Linoleum. 
Ein altes Radio - stand irgendwo herum.
Jetzt spielt es wieder - und zum Fenster zieht es rein. - 
Das lässt sich reparier’n. So schlimm wird das nicht sein.

Dreißig Leute - lebendiges Haus. 
Kein Wasserhahn tropft mehr - es sieht ganz wohnlich aus.
So könnt’ es bleiben - man schläft gut zugedeckt. 
Doch früh um fünfe, da wird unsanft geweckt.

Dreihundert Männer - ihr Rock aus grünem Tuch - , 
umsteh’n das Haus. Sie kommen nicht nur auf Besuch.
Vorbei der Traum, denn die verstehen keinen Spaß. 
Der nächste Traum - er wird durchzogen sein von Hass...

1980


Schon wieder

Schon wieder schlug sie zu, die kalte Macht.
Schon wieder hat sie Angst und Wut gebracht.
Worin lag das Verbrechen? Warum diese Gewalt?
Wir wollen doch nur leben. Wir sind noch nicht so alt,
und leben auch noch morgen, denn heut geht schnell vorbei -
nicht als verseuchte Wohlstandskrüppel - radioaktiv statt frei...

Schon wieder deckt der Staat das Kapital.
Schon wieder, wie vorher so viele Mal.
Er schützt vor seinen Bürgern, die er zu schützen hat.
Was gilt das Recht auf Leben bei zigtausend Megawatt?
Da geht es um Milliarden - nicht Menschen, sondern Mark -
und doch: Auch um die Menschen - um Leben oder Sarg...

Schon wieder wirft der Mammon sein Gewicht.
Schon wieder zeigt die Fratze ihr Gesicht.
Sie grinst, wenn andre leiden, zählt dabei den Gewinn.
Sie fletscht mit ihren Zähnen, und da hängt schon mancher drin.
Wachsweich in ihren Händen - durch Orden, Lob und Geld -
wird jener, der in Blindheit mit die Entscheidung fällt.

Schon wieder schlagen Knüppelknechte zu.
Schon wieder schaffen sie sich Friedhofsruh’.
Die Menschen sollen schlucken, was man da oben kocht.
Das Volk wird breit geklopft, wenn es auf seine Rechte pocht.
Verleumdet und geprügelt - in Brokdorf, Ahaus, Wyhl -
die Leute woll’n bloß leben - ein verbrecherisches Ziel?

Ende der 70er Jahre


Schon wieder 2


Schon wieder schlug sie zu, die kalte Macht.
Schon wieder hat sie Angst und Wut entfacht.
Worin lag das Verbrechen? Warum diese Gewalt?
Wer hat das angeordnet? Wer war so brutal und kalt?
Wir haben uns geäußert. Die Meinung ist doch frei...?
Und lautstark, weil es nötig war und uns nicht einerlei.

Schon wieder deckt der Staat die falsche Front.
Schon wieder - und hätt’ es anders doch gekonnt.
Er schützt vor wachen Bürgern, die das Gewissen plagt.
Die Hundertschaften werden scharf gemacht und losgejagt.
Und wenn die Freiheit draufgeht und ohne Nachruf stirbt -
der Polizeistaat wächst und blüht - Recht auf Papier vergilbt.

Schon wieder wird der lange Arm bewegt.
Schon wieder wird die Lunte ausgelegt.
Gesetz geht vor Erregung, die Unrecht nicht nur schluckt.
Der Staat schlägt, von Justiz gedeckt, auf jeden, der nicht duckt.
Ja wie seit hundert Jahren die Obrigkeit schon spricht:
Die Ruhe sei, was auch geschieht, die erste Bürgerpflicht.

Schon wieder schlagen Knüppelknechte zu.
Schon wieder schaffen sie sich Friedhofsruh’.
Was sind das für Interessen. Was hat Priorität.
Wer wach ist, muss sich wehren. Vielleicht ist es bald zu spät.
Der Staat dient seinen Bürgern - so sollte es doch sein.
Doch warum knüppelt man dann jene, die vor Empörung schrei’n.

In den 90er Jahren


Furcht im Nacken
 


Er ist seit Stunden auf den Beinen.
Ihn drückt der Helm, sein Schild wird schwer.
Mag auch das Bild noch friedlich scheinen – 
den Frieden gibt’s schon lang nicht mehr.

Er weiß genau, was auf ihn wartet, 
hat’s doch im Film genau geseh’n.
Der Angriff wird nun bald gestartet – 
ein Zeichen, und dann wird’s gescheh’n.


Furcht, die im Nacken sitzt, 
Hass, blind geschürt.
Angst aus den Poren schwitzt 
und der Hals zugeschnürt...


Er sieht schon all die Steine fliegen, 
hat hasserfülltes Schrein im Ohr. 
Bald bleiben Opfer blutend liegen – 
er sieht sich hilflos selbst davor.

Vielleicht liegt er schon bald daneben, 
weiß nicht, wofür - hat nichts getan. 
Er weiß nur eins: Er will bloß leben, 
macht seinen Job so gut er kann.

Verhetzt, verheizt zwischen Problemen, 
nach deren Lösung keiner sucht.
Man will nur dem die Zähne nehmen, 
der in das Übel beißt und flucht.

Dafür hält man sich grüne Truppen, 
wie Kettenhunde scharf gemacht, 
sortiert in „Täter“ und in „Gruppen“ –
nur wird ans Übel nicht gedacht.


Furcht, die im Nacken sitzt. 
Hass, blind geschürt.
Angst aus den Poren schwitzt, 
und der Hals zugeschnürt.

Mensch gegen Mensch gejagt, 
sprachlos, brutal.
Nachdenken wird vertagt – 
Hass wird normal...


Anfang der 80er Jahre    


Computer


Wie war doch einst das Leben schwer, 
mit Krankheit, Armut, und noch mehr 
für den, der in der Fremde war. 
Kein and’rer Mensch war für ihn da.
Auch in der „Heimat-ach-so-weit“, 
dort fiel man in Vergessenheit. 

Doch diese Zeiten sind passé. 
Die Einsamkeit tut nicht mehr weh.
Wir sind heut nicht mehr unbekannt, 
nicht anonym in diesem Land - 
‘ne Nummer bringt die Einzigkeit. 
Das ist unsere neue Zeit.


Ja, eins-zwei-drei - kommt mal die Polizei.
Du hast kein’ Ausweis dabei? 
Dann macht sie kein Geschrei.
Denn vier-fünf-sechs - hat sie auch schon gehext:
Tja, ein Computer kennt dich längst, 
und weiß auch, was du denkst.


Geheimniskrämerei ade! 
Das Misstrau’n schmilzt dahin wie Schnee. 
Jedermann ist ja durchschaut. 
Man kennt die Flecken auf der Haut,
die Meinung und die Konfession – 
gespeichert sind sie lange schon. 

Der Computer hat Moral. 
Er tut dir nichts, bist du normal.
Doch wehe, du bist schwul, verklemmt, 
sind deine Haare falsch gekämmt.
Denn alles wird sofort erfasst – 
auch mit wem du geschlafen hast.

Er weiß, wie viel du heimlich sparst, 
ob du mal beim Psychiater warst, 
wohin du im Urlaub fährst, 
wo du dich und warum beschwerst,
die Kragenweite und noch mehr –  
keiner kennt dich so wie er. 

Wenn er so deine Daten nennt, 
dann freu dich doch, dass er dich kennt.
Gibt er sie weiter - bitte sehr, 
dann kennen dich vielleicht noch mehr. 
Und hat er dich auch in der Hand – 
er hat es für das Vaterland...

Anfang der 80er Jahre


Zähl mal mit


Du alte Stadt, ach du, du tust mir so leid.
Ich weiß, du hattest schon ‘ne bessere Zeit.
Schon wieder wird dein guter Ruf ganz versaut.
Sag mal, wer hat da Mist gebaut?


Zähl mal mit: 141...
Wieder mal Reichsparteitagszeit?


Die braun-verseuchte Henkerstradition -
sag mal, wie lang vermisst man die heute schon...
Unrechts-Gesetze, angewandt folgenschwer -
zieht man die heut schon wieder her...

Aufmarschparaden sind doch heut lang vorbei.
Noch leben manche, die warn damals dabei.
Von dieser Zeit hat mancher wohl bunt geträumt,
als man bei Nacht so aufgeräumt.

Nürnberg, du Alte, tust mir unheimlich leid.
Die Rechtsverdreher machen sich wieder breit,
besudeln dich erneut – nun wehr dich doch mal!
Ist dir dein Ruf schon scheißegal?

1981


Sozialistengesetz

Einhundert Jahre Sozialistengesetz – 
genauso lange Radikalengehetz -
und auch nach hundert Jahren längst noch nicht vorbei. 
Doch wird behauptet, dass nun alles besser sei...

Die Staatsfeindhetze hat in Deutschland lange Tradition. 
Der erste Vorwand war schon Terroristenrebellion:
Ein Anschlag auf den Kaiser, ein Angriff auf den Staat – 
der Anlass passte gut - man griff zum Würgedraht...

Eine gerade Linie ging von Bismarck bis Schmidt: 
Erst jagte man die SPD - dann jagte sie selbst mit:
Hundert Jahre lang hat sie wohl nichts daraus gelernt – 
von Einsicht und Erkenntnis meilenweit entfernt.

In blindem Eifer – Noske-Art - , da war auf sie Verlass. 
Bismarcks Opfer griff zum Radikalenerlass,
zum altbewährten Mittelchen: Gesinnungsschnüffelei. 
Dazu belog man uns: „Wir war’n noch nie so frei...“

Man spuckte große Töne aus dem Fenster raus. 
Ja, Worte sind geduldig - doch man lernt daraus:
Ein Tauwetter bleibt kalt, solang man zynisch-dreist 
politisch Unbequeme aus der Arbeit schmeißt.

Nicht nur im Westen gab es deutsche Gründlichkeit. 
Noch ein deutsches Land hielt sich für längst befreit.
Im Grabe grinste Bismarck - wer hielt ihn für tot? 
Funktionäre straften Linke mit Berufsverbot.

Terroristen, Kriminelle, Dealer, Gangster, Topspion – 
Gründe zur Bespitzelung, die schafft man sich schon.
Geht Sicherheit vor Freiheit, ist es bald vollbracht: 
In Deutschland herrscht rabenschwarze Friedhofsnacht.

Einhundert Jahre Sozialistengesetz – 
einhundert Jahre hohles Freiheitsgeschwätz.
So lang gefeixt hat sie und grinst auch noch, die Reaktion, 
gibt Überlebenshilfe für die Inquisition.

Anfang der 80er Jahre


Freund Aus Potsdam 


Grüß dich, Freund aus Potsdam, 
ich kenn dich nicht, doch schreib ich dir
hier stellvertretend für ein Mädchen, 
das sich nicht mehr traut.

Sie schrieb dir wirklich gerne – 
und doch verlor sie nun den Mut,
weil sie erfuhr, dass nicht nur du 
allein die Briefe liest.

Das war ja sowieso nie so, denn hinterm großen Zaun
gab’s immer Schnüffler, doch das war nicht schlimm.
Wenn die von unserm Ärger lasen, den Sorgen, was so lief,
dann konnt’ das für sie auch kein Schaden sein, oder?

Doch dann kam’s raus per Zufall. 
Der „Stern“ entdeckte den Skandal,
dass unser BND so gut 
wie eure Stasi ist. 

Die registrier’n hier alles,
was mit der Post gen Osten geht,
und sind dabei so dreist zu sagen, 
das sei ganz legal...

Die scher’n sich einen Dreck ums Briefgeheimnis, Grundgesetz.
Die sind so geil aufs Spitzeln, Denunzier’n.
Und wenn einer, vielleicht später, einmal Arbeit sucht,
dann zieh’n sie diesen Ostkontakt hervor, und er ist raus -
weg vom Fenster...

Und darum, Freund aus Potsdam, 
schreib ich dir stellvertretend hier,
damit die Drähte durch den Zaun 
auch weiter quer sich zieh’n.

Tja, früher war’s noch anders. 
Da hieß es: „Halt Kontakt mit drüben.“
Doch heute wird bespitzelt, 
der ihn weiter sucht und hält.

Die einen machen schlapp, kneifen den Schwanz ein, resignier’n -
und damit hat der Zweck sich voll erfüllt. 
Wird’s auch so schnell nicht anders, bei euch nicht, nicht bei uns.
Was soll’s. Noch tauschen wir Gedanken aus – 
trotzdem... 

Ende der 70er Jahre

Glaubwürdigkeitsmarsch

Wir sind in der richtigen Massenpartei 
mit dabei, mit dabei, mit dabei.
Alle Werktätigen werden mit uns frei, 
mit uns frei, mit uns frei, mit uns frei.

Und wer nur den richtigen Klassenstandpunkt hat,
wird im Kampf gegen unseren Klassenfeind nie matt -
und der Klassenfeind erzittert auch schon, 
wie früher vor der Sowjetunion...

Bei uns jeder frei diskutieren kann, 
Frau und Mann, Frau und Mann, Frau und Mann.
Konstruktive Kritik bringt uns stets voran, 
stets voran, stets voran, stets voran.

Doch wenn einer dabei seine Klasse schnöd’ verrät, 
dann ist es für jede Diskussion zu spät...
und was richtig ist, weiß die Partei. 
Darum sind wir ja schließlich dabei....

Die Partei, die Partei, die hat immer recht, 
drum Genossen, es bleibet dabei,
die Partei, die Partei, die Partei...

Wenn mal die Bevölkerung demonstriert, 
wird paktiert, wird paktiert, wird paktiert.
Gegen Umweltbedrohungen mitmarschiert, 
mitmarschiert, mitmarschiert, mitmarschiert.

Aber ist das Volk erst einmal an der Macht,
und hat dann die Partei darüber nachgedacht,
dann ist plötzlich die Kernenergie
völlig unschädlich wie Poesie...

Und wenn uns einer links überholen will,
mit Gebrüll, mit Gebrüll, mit Gebrüll,
ist das reaktionär und Chaotenmüll, 
Chaosmüll, Maos Müll, alles Müll...

Wer das sozialistische Lager nicht stützt,
letzten Endes alleine den Klassengegnern nützt,
darum vorwärts, Du Hoffnung des Staats, 

junge Garde des Proletariats -

auf, du junge Garde des Proletariats...

Ende der 70er Jahre


Nicht ganz ernstgemeinter Vorschlag für eine Parteihymne der Deutschen Kommunistischen Partei oder auch der SED-Nachfolgerin PDS, zu singen und zu klatschen auf allen Pressefesten der Parteizeitungen „Unsere Zeit“ oder „Neues Deutschland“ und auf sonstigen Parteiveranstaltungen, vielleicht auch ein Repertoirevorschlag für verschiedene Liedermacher oder Singegruppen in den alten oder neuen Ländern...


Jusotod


Roth oder Voigt, Voigt oder Roth, 
ist das schon euer letztes Angebot?
Roth oder Voigt, Voigt oder Roth, 
sagt mal, wie schnell stirbt sich ein Jusotod?

Er funktioniert so sehr, drum ist er Funktionär, 
wenn er mal Funken sprühte, ist das schon ‘ne Weile her.
Und hat er Macht geleckt und hat gemerkt, es schmeckt,
dann wird er gierig, so als hätt’ er frisches Blut geleckt.

Roth oder Voigt, Voigt oder Roth – 
wie schmeckt der Kuchen anstatt hartem Brot?
Roth oder Voigt, Voigt oder Roth –
sagt mal, wie schnell stirbt sich ein Jusotod...

Er dient dem Apparat - und meint, dem ganzen Staat.
Zu allerhöchsten Stellen hat er schon ‘nen heißen Draht.
Wenn ihn ein Sachzwang lenkt, fühlt er sich nicht bedrängt -
allein schon deshalb nicht, weil er in gleichen Bahnen denkt.  

Roth oder Voigt, Voigt oder Roth – 
wie ist es unter Deck im Luxusboot?
Roth oder Voigt, Voigt oder Roth – 
sagt mal, wie schnell stirbt sich ein Jusotod...

Seine Vergangenheit, die war vor langer Zeit.
Sie zu vergessen, ist er schon nach kurzer Zeit bereit.
Er hat sich arrangiert und merkt, es funktioniert -
ein warmes Polster hat er längst, auf dem er nie mehr friert...

Roth oder Voigt, Voigt oder Roth – 
bringt euch der Aufstieg nicht in Atemnot?
Roth oder Voigt, Voigt oder Roth – 
sagt mal, wie schnell stirbt sich ein Juso tot...

Er stellt sich einfach dumm und redet drum herum,
wenn einer tiefer bohren will und ihn mal fragt: Warum?...
„Warum auch nicht - na und!“ So denkt er sich - im Grund
weiß er genau, was er heut will und stößt sich kerngesund....

Roth oder Voigt, Voigt oder Roth -
Wischnewski, Börner, Müller, Corterier, Voigt oder Roth,
Wiczoreck-Zeul, Benneter, Schröder devot -
Wie viele sterben noch den Jusotod? 

Anfang der 80er Jahre


Nix dagegen


Nix dagegen, Mister Reagan - 
der Gedanke lässt sich pflegen:
Überhaupt muss man das Positive seh’n. 
Wenn die Menschheit weiter wächst, 
wär’s am Ende ganz verhext -
aber irgendwie soll es doch weitergeh’n.

Schlangen auf den Arbeitsämtern, 
bis der Haushalt nicht mehr passt.
Gäb’ es keine Arbeitslosen, 
gäb’s mit denen keine Last..

Andre schrei’n nach Unterkünften – 
hol’n sich Wohnraum mit Gewalt. 
Gäb’ es keine Wohnungssucher, 
wär’ doch Platz für jung und alt...

Nix dagegen, Mister Reagan. 
Dafür ham sie unsern Segen -
auf der Erde leben sowieso zuviel.
Viel zuviel, die randalier’n, 
die auf’s Wort nicht mehr parier’n -
die verderben einem glatt den Spaß am Spiel...

Hungerbäuche, hohle Augen - 
wem schmeckt da der Bissen noch...
Wär’ die Zahl der Esser kleiner, 
gäb’s für jeden einen Koch...

Eine scharf gewetzte Schere 
klafft weit zwischen arm und reich -
Gäb’ es ein paar Arme weniger - 
schon wär’n fast alle gleich...

Nix dagegen, Mister Reagan - 
da gibt’s nix zu überlegen,
denn nur Nutzung gibt der Forschung ihren Sinn.
Und geht nichts dabei kaputt, 
gibt es keinen Haufen Schutt,
nimmt man doch auch die paar Leichen ruhig hin...

Es wär’ ja schade um die Sachen - 
schließlich sind sie ja bezahlt.
Jetzt kann man sie weiterbrauchen, 
hat es sich erst ausgestrahlt...

Vielleicht käm ne Wirtschaftsflaute, 
würd’ der Absatz leicht stagnier’n
doch wer überlebt hat, wird auch 
die Konsumlust nicht verlier’n.

Nix dagegen, Mister Reagan - 
so lässt sich doch viel bewegen -
wenn wir mit Neutronen schmeißen, gibt es Platz.
Und der Bundeskanzler Schmidt 
macht bestimmt noch dabei mit,
denn der Wehretat wär’ sonst ja für die Katz...

Anfang der 80er Jahre

Sechzehn Nationen

Ein Schrei ertönt in Buenos Aires – 
im Stadion, da fällt ein Tor.
Eine Frau sitzt in der Wellblechvorstadt. 
Der Schrei dringt nicht an ihr Ohr. 

Vor Wochen, da war sie noch Mutter, 
und hatte auch noch einen Mann.
Sie hat alles, was sie liebt, verloren, 
dass sie heut kaum noch weinen kann...

Und sechzehn Nation rennen hinter dem Ball. 
Schweiß und Geschäft laufen gut.
Die Sonne brennt heiß in das Stadion – 
doch auf dem Rasen klebt Blut.

Ihr Mann war in der Arena 
als Ameise beim Bau der Pracht,
abkommandiert für wenig Lohn, 
ausgeliefert an die Macht.

Auch der Sohn für ein Hungergeld 
musste schuften für Weib und Kind,
damit noch zeitig für die Schau 
die Kulissen auch fertig sind.

Ein Murren war auf dem Bauplatz – 
schwere Arbeit, dafür wenig Lohn.
Wie kriegt man Kinder satt 
bei zweihundert Prozent Inflation? 

Das war ein gefundenes Fressen 
für die geheime Polizei -
die Maschinengewehre schossen – 
Sohn und Vater waren tot dabei. 

Von Deutschland fahren da gemeinsam 
Spieler, Fan und Funktionär,
die Faschisten aufzuwerten – 
sie spielten, sagten sie, nur fair...

Sie kommen nicht nach Argentinien, 
Klaus Zieschanks Schicksal aufzukär’n,
und vom Foltertod Elisabeth 
Käsemanns woll’n sie nichts hörn.

Nix sehn, nix hörn und auch nix sagen, 
wie Affen im Faschistenland.
Für Geld und zweifelhafte Ehren 
rutscht in die Füße der Verstand.

Rennen Menschen um ihr Leben – 
die Besucher rennen nach dem Ball -
die Generäle grinsen nicht verlegen – 
nun feiert man sie überall.

Nicht nur von sechzehn Nationen weltweit anerkannt. 
Das Geschäft hat sich gelohnt.
Was interessiert da noch jene Frau,
die weinend im Wellblechhaus wohnt...

1978


Fremde Augen


Wir sehn die fremden Augen, 
wir hörn die fremde Sprache,
und wir wissen, diese Menschen 
sind hier nicht bei uns zu Haus.
Sie sind nur zu uns gekommen, 
weil sie dort nicht bleiben konnten -
mehr verbannt und kaum geduldet, 
warten sie, dass Morgen wird.

Kein Wort steht in der Zeitung 
von den täglichen Problemen,
von den Knüppeln in den Beinen, 
die das Ausländeramt verteilt.
Nur mit Almosen gefüttert 
zeigt man ihnen voller Misstraun:
Ihr könnt froh sein, dass ihr hier seid, 
vielleicht wärt ihr sonst schon tot.

Wir hörn sie manchmal singen, 
und wir mögen ihre Stimmen,
der volle Klang der Bombos, 
der Charrangos reißt uns mit.
Wenn die Panflöten entzücken, 
hört man viele lustvoll stöhnen -
doch es stöhnen weit in Chile 
Menschen, die im Schmerz gequält.

Jahre sind schon vorüber 
zwischen Gastfeindschaft und Heimweh,
gestoßen von den Ämtern. 
Frösteln in Verlogenheit.
Sie suchen hier auch Wärme. 
Sie sind Gäste unserer Pflicht.
Denn erst gestern war’n Faschisten 
noch bei uns mit Mordgewalt.

Doch die Leiche von Allende,
die in Blut getränkten Hände,
sind ein Schrei, der bricht das Schweigen 
derer, die ohnmächtig flieh’n,
vor dem Terror der Faschisten, 
die das Heimatland verpesten.
Unser Land soll ein Asyl sein, 
bis sie frei nach Hause zieh’n.

Die Masken auf dem Bildschirm 
dreschen nichts als hohle Phrasen -
genau die gleichen Stimmen 
säuseln süß von Nächstenpflicht.
Aber wie sie unterscheiden, 
aussortieren, was nicht passt,
und verstoßen, was von falscher 
Seite an die Türe pocht.

Wie sie scheinheilig vergessen, 
durch ihr Schweigen akzeptieren,
und die Hand den Henkern reichen, 
mit Krediten prall gefüllt.
Wie sie trampeln auf die Ängste, 
auf die Sehnsucht und die Hoffnung -
und die Grenze doch versperren, 
die manch Gitter öffnen könnt’.

Und die Leiche von Allende, 
die in Blut getränkten Hände,
mahnen uns, nicht zu vergessen: 
Nur Gewalt treibt ins Asyl.
Was die Flüchtenden hier suchen – 
vielleicht brauchen wir es morgen,
wenn ein Alptraum wieder wahr wird – 
wer weiß, wohin er uns treibt.

Ende der 70er Jahre


Karl der Steife


Wir hatten Karl den Großen, 
Karl den Kahlen, Karl den Dicken,
Karl den Kühnen - und schließlich Karl den Steifen.
Er war nicht mehr der Jüngste, 
doch er dachte sich, das bringste,
ruft das Vaterland, dann darfste da nicht kneifen.

Kerzengrade wie ein Stecken, 
wie die alten teutschen Recken,
stand er trutzig wie ein Felsen im Morast,
und griff nach dem höchsten Sitze, 
wählte selbst sich an die Spitze,
treu und pflichtbewusst floh er vor keiner Last.


Steifer Karl, steifer teutscher Karl, 
die weiße Weste, du, die lässte besser aus.
Steifer Karl, steifer teutscher Karl,
du kannst die Flecken nicht verstecken, 
zieh sie aus.


Er war wie aus preußisch Leder, 
Herrenreiter, keck mit Feder,
doch sein Rock trug hässlich breite braune Streifen.
Er war schneidig und nicht bange, 
hielt dem Teutschen fest die Stange,
und das konnte ziemlich lange bei ihm reifen.

Schon bei Adolf mit dem Barte 
stand er fest zu der Standarte
als Parteivasall mit blauem Blick nach vorn.
Dann war’s aus mit dem Schlamassel 
und dem großteutschen Gequassel -
aber Karlimann, der hatte nicht verlor’n.

Er gab sich ganz integer, 
harmlos, wie ein Bettvorleger,
wie in Schoßhündchen mit niedlich bunten Schleifen.
Der Jurist, Professor, Doktor, 
glatt geschniegelt, kein gelockter,
wusste seinen alten Lack gut abzuschleifen.

Dass er mal in der Partei war, 
als der Mensch hier einerlei war,
das war denen, die ihn wählten, ganz egal.
Er kam steil vom rechten Flügel – 
gerne hielt er selbst die Zügel -
na, ich bitte doch, das war ja wohl normal.

Wir hatten Karl den Großen, Karl den Kahlen, 
Karl den Dicken, Karl den Kühnen, 
und schließlich Karl den Rechten - nicht Aufrechten!
Doch wenn wir es bedenken 
und uns jede Lüge schenken,
war’s so einer, wie ihn Durchschnittsdeutsche möchten,

der hier Staatskarriere machte, 
es zu vielen Ämtern brachte,
vieles sah, auch wenn er tapfer widersprach,
der von faulem Handel wusste, 
was er wohl vergessen musste,
verurteilt zahlte er und zählte nicht mal nach.

Tja, die Machtgier birgt auch Tücken, 
Fälle für Gedächtnislücken,
doch die kratzen nicht am Lack der Selbstgerechten.
Er war einer von den Zähen, 
die zu allen Zeiten krähen,
und doch peinlich viel sehr gern verwischen möchten.

Dieser Staat bekam, kein Zweifel – 
wer bestritt es auch, zum Teufel -
einen Würdigen zur Galionsfigur.
Diesem Volk der Dichter, Denker, 
und auch vieler großer Henker,
ging er stramm voran auf alter teutscher Spur. 

1977


Neuanfang


Als das Ende da war, was kam dann?
Noch mit Schrecken in den Knochen 
aus den Kellern raus gekrochen
und die braune Brut verjagt 
und mit Trümmern abgeplagt.
Als das Ende da war, was kam dann?
Noch mit Zittern in den Knien 
der Erinnerung entfliehen,
mit der Angst noch im Genick 
ein entsetzter Blick zurück.


Und nach dieser Schreckenszeit 
war es endlich dann so weit,
all die Weichen neu zu stell’n 
und die Zukunft zu erhell’n
und - so hat man mir erzählt - 
es wurde nicht mehr falsch gewählt.


Als das Ende da war, fing’s neu an:
Männer tot, verletzt, gefangen, 
Frau’n mit aller Last behangen,
bess’re Zeit nicht abzuseh’n - 
doch es musste weitergeh’n.
Als das Ende da war, fing’s neu an:
Zwar mit lautem Magenknurr’n, 
aber ohne laut zu murr’n.
Ging es auch mit wenig Kraft - 
schließlich war es doch geschafft.

Als der Anfang da war, da ging’s los:
Mit den Ärmeln hoch gekrempelt, 
ellenbogenfrei gerempelt -
zwar noch preußisch-deutsch und steif - 
doch im neuen way of life...
Als der Anfang da war, da ging’s los:
Nur die Sieger hell vor Augen - 
ihr Rezept, das sollte taugen.
Nur nicht lange nachgefragt - 
wieder einfach „Ja“ gesagt...

Als das Ende lange her war, kam der Tag,
die Gelegenheit zu fragen, 
auch die nie gestellten Fragen,
was noch ohne Antwort schien, 
um die Lehren draus zu zieh’n...
Als das Ende lange her war, kam der Tag -
Doch der Faden scheint gerissen; 
heut woll’n viele nicht mehr wissen
wie es vor dem Ende war. 
Ist es heut schon wieder nah?      

1985


Wenn der Vorhang fällt


Wenn der Vorhang fällt, die Souffleuse schweigt, 
jeder Scheinwerfer verlischt,
wird die Linse trüb und das Bild verschwimmt 
und der Nebel wird zur Nacht.
Szenen aus bedruckten Seiten, 
wie vom Leben ausgedacht, 
aufgesogen, einstudiert, 
dargestellt und vorgemacht,
mit derselben dreisten Freiheit,
 wie ein Narr sie einst genoss, 
der am Hof mit seinem Spott 
Fürst und Lakaien übergoss.

Wenn der Vorhang fällt und der Beifall rauscht, 
klappt die letzte Seite zu,
und die Spannung löst sich in Atem auf, 
der die Brust mit Leben füllt.
Lachen, jubeln, zürnen, schweigen, 
offen laut und leis’ versteckt, 
demaskiert von wachen Augen, 
aus den Sesseln aufgeschreckt.
Phantasievoll auf der Bühne 
spöttisch durch den Wolf gedreht - 
nackt, entblößt und unbeschönigt, 
jeder Schleier fortgeweht.

Wenn der Vorhang fällt, unbeweglich hängt, 
und in Samt die Bühne hüllt,
wird die Schminke feucht, weil das Auge tränt, 
die Fassade weich zerfließt.
Wer den Spiegel nicht erträgt, 
sieht nicht gern in sein Gesicht. 
Wer den Narren nicht erdulden mag, 
wenn er die Wahrheit spricht,
von der Bühne ihn vertreibt 
und ihn aus den Mauern jagt,
der sinkt selbst in einen Kerker, 
hat verloren, hat versagt.

Wo fühlt jener sich wohl, der das Tageslicht flieht, 
sich im Halbdunkel auskennt, da alles sieht, was geschieht.
Seine Haut sprüht er jeden Morgen 
mit Duftwasser ein, damit er besser riecht.

Er weiß, was er will - sortiert recht von schlecht. 
Er lässt sich nichts sagen - und hat immer Recht.
Und so sprüht er sich jeden Morgen 
frische Düfte ins Haar, damit er besser riecht.

Schmallippig hört er Kritik, besonders wenn sie ihm gilt, 
dann zielt er unter die Gürtel, und wird er fuchsteufelswild.
Und er schwenkt sich selbst jeden Morgen 
frischen Weihrauch ums Haar, und merkt nicht, wie er stinkt.

Mag er das tun, was er will - er suhlt im eignen Mist, 
soll er an seinem Trog schmatzen, bis er sich überfrisst.
Braucht er's für's Leben woll’n wir's ihm geben:  
Gülle in Hülle und Fülle - bis er daran erstinkt.

Wenn der Vorhang fällt, zur Kulisse wird, 
vor der die Spieler noch mal steh’n,
sich das Auge füllt, weint und lachen will, 
ins Blütenmeer die Bühne taucht,
wenn die Seitentür’n sich öffnen, 
aber doch noch keiner geht, 
wenn der Beifall rasend tobt, 
nicht enden will und jeder steht,
und weit draußen die beschämt, 
die sich aus dem Kleingeist nähr’n
die verleugnen, was sie sind 
und um Wahrheit sich nicht scher’n.

Wenn der Vorhang fällt, leer die Reihen sind, 
jeder Platz verlassen bleibt, 
fall’n die Türen zu, dann ist alles still 
und vorbei das letzte Spiel.
Kloß geschluckt und wohl verstanden, 
durchgeblickt, im Zorn erregt.
Amüsiert, gut unterhalten 
und in tiefstem Herz bewegt.
Narren ziehen ihrer Wege, 
abgeschminkt, im Alltagskleid, 
sehn den Hofstaat, die Fassade, 
fühlen Freude, Liebe, Leid.

Wer vertrieben wird, zieht weiter, 
lässt zurück, was ihn nicht will. 
Und es wechseln Nacht und Nebel, 
und auf Fragen bleibt es still.

Ende der 70er Jahre

mehr texte - über kurz oder lang - schau mal wieder rein