"So
ist gut"
eigen(verantwortlich)e
Lieder
Nasenwuchs
Ein
Blick in den Spiegel: Faltig und grau
schau ich mir in mein altes Gesicht.
Ich seh, was ich sehe und mach mir nichts vor,
selbst wenn mancher so nett widerspricht.
Kenn selbst alle die Sprüche, hab oft sie zitiert,
man sei nur so alt, wie man sich fühlt...;
Und die Zeit zeigt Gewinner und auch wer verliert -
schließlich ist jede Glut abgekühlt.
Wenn
man altert und schrumpft, verschrumpelt wird, dick ...
warum wachsen dann Augenbrauen, Nase und Ohr’n?
Hört und riecht man so besser? Vielleicht klärt sich der Blick?
Geht nicht der, der sich sträubt, auch verlor’n?
Ein
Blick auf die Uhr: Es ist früh, doch zu spät,
um nachzuhol’n, was man versäumt.
Ich spür, was ich spüre: Die Knochen, das Kreuz,
hätt’ mich längst, wenn’s was nützt, aufgebäumt.
Hab ja selbst oft gelästert: „Nun stell’ dich nicht an!
Mach dich fit, sei beweglich, treib Sport!
Speck ab, bleibe rege, sonst rostest du ein...“ -
Oh, wie leicht spricht sich keck manches Wort...
Ein
Blick aus dem Fenster: Ich fühle den Herbst,
den ich tief in mir spür’, auch wenn’s blüht.
Ich merk, was ich merke: Es ist nicht mehr so
wie es war, als ich Kräfte versprüht.
Es hilft ja nichts - geht eben nicht mehr so schnell
und ist genau so, wie es ist.
Man kann nichts dran ändern und weiß wie es kommt,
auch wenn man schon so manches vergisst.
Ein
Blick durch die Brille und drüber weg,
wenn sie fehlt ist kein Arm lang genug,
genauer erkenn' wolln hat gar kein’ Zweck,
diese Einsicht ist nötig, nicht klug....
Ein
Blick in die Zukunft – warum nur zurück?
Schließlich ist doch noch lange nicht Schluss.
Ich träum, was ich träume, und jeden Tag neu,
gönn’ mir großen und kleinen Genuss.
Zeit sich mal nehmen, soviel wie man will –
verschwendet ist doch kein Moment,
und Leben erleben, das Schöne geht vor,
weil man Schatten ja schließlich gut kennt.
2009
Eile
mit Weile
Na
schön, Jahre vergehn, lass doch mal sehn,
was sie uns gebracht.
Langsam, allmählich, spürn wir, die Zeit verstreicht.
Na und, Herbst ist so bunt, wir sind gesund,
und die Sonne lacht,
strahlend, herrlich, wie sie uns erreicht.
Und wenn es manchmal schwerer fällt, das Tempo mitzugehn,
wer zwingt uns zur Eile? Bleiben wir ne Weile stehn...
Na schön, Jahre vergehn, lass doch mal sehn,
was sie uns gebracht.
Langsam, allmählich, spürn wir, die Zeit verstreicht.
Du kennst meinen Blick, weißt, wie ich tick,
keiner mich so kennt,
bist unverkennbar längst ein Teil von mir.
Ich weiß wie du denkst, wie du mich lenkst,
wie es in dir brennt,
herrlich, begehrlich, zieht’s mich hin zu dir.
Und wenn es manchmal schwerer fällt, die Steigung mitzugehn,
wer zwingt uns zur Eile? Bleiben wir ne Weile stehn.
Du kennst meinen Blick, weißt, wie ich tick,
keiner mich so kennt,
bist unverkennbar längst ein Teil von mir.
Komm
zu mir, mein Schatz, ich mach dir Platz,
hier reicht’s doch für zwei,
näher, noch näher, nah, so nah wie’s geht.
Hier, bei dir, bei mir, da sind nur wir -
was fehlt noch dabei?
Ehrlich wär ich ohne dich total verdreht.
Und wenn es manchmal schwerer fällt, jeden neuen Weg zu gehn,
wer zwingt uns zur Eile? Bleiben wir ne Weile stehn...
Komm zu mir, mein Schatz, ich mach dir Platz,
hier reicht’s doch für zwei.
Näher, komm näher, nah, so nah wie’s geht.
2008
Leben
mit dir
Ob
auf dem Lande, oder ob in die Stadt -
so mancher andere mehr Abwechslung hat.
Ich brauch nichts Besonderes, bist du nur bei mir.
Bin dann wo ich sein will – bin zuhause bei dir.
Bin
gern in der Menge, sogar ganz allein,
und mag im Gedränge ganz nah bei dir sein.
Ich brauch nichts zu träumen, bist du nur bei mir.
Bin dann wo ich sein will, und träume mit dir.
Lauf
gern durch den Regen, spür gerne den Schnee,
mag mich gern bewegen, auch im Separée.
Für mich scheint die Sonne, bist du nur bei mir.
Bin dann wo ich sein will, bin ich nur bei dir.
Mag
gern laute Straßen, bin gerne zuhaus.
Mit mir ist gut spaßen, halt Schweigen gut aus,
Ich muss nichts mehr suchen, bist du nur bei mir.
Bin dann wo ich sein will – bin ich nur bei dir.
Du
fehlst, wenn du weg bist – das merk ich sofort,
selbst wenn du es vorher nicht sagst.
Wenn du wieder da bist, kann ich es gleich spürn:
Bist du in der Nähe, dann knistert’s,
auch wenn wir uns noch gar nicht berührn.
So
lang sind die Tage, so kalt ist die Nacht,
und ohne dich sind sie einsam verbracht.
Ich fahr stundenlang weite Wege zu dir.
Bin dann wo ich sein will, bin ich nah bei dir.
Geh
gern mit dir essen, was du trinkst, trink ich gern,
kann bei dir vergessen, muss mich nicht mehr wehr’n.
Mag Leben genießen, bist du nur bei mir.
Bin dann wo ich sein will – will leben mit dir.
2008
Falschgeld
Wie
Falschgeld lauf ich rum, so ohne Plan,
ausgebremst von dir, ganz aus der Bahn.
Ich bin so was von daneben -
wie kann ich das überleben…
Ich weiß ohne Navi weder aus noch ein –
Und ich wehr mich nicht und füg mich glücklich drein.
Ein
Fingerschnipps – ich steh vor deiner Tür.
Wenn ich von dir träume, frag nicht, was ich spür.
Eine hochgezogne Braue –
nichts, was ich mich dann noch traue.
Manchmal reicht ganz einfach auch ein kurzer Blick
und schon halt ich mich mal wieder für zu dick.
Nur
ein Wimpernklimpern – schon bin ich bei dir.
Ein tiefer Atmer reicht, dass ich den Kopf verlier,
eine hochgeschürzte Lippe,
dass ich aus den Latschen kippe,
nur ein Schulterzucken – weiß nicht mehr wohin,
bloß ein Kopfschütteln – und ich weiß nicht, wer ich bin.
Ich
steh stramm, tappst du nur einmal mit dem Fuß.
Und was du auch von mir fordern magst, ich tu’s
ohne lange nachzudenken.
Wirst du mir ein Lächeln schenken?
Darauf hoff ich, solang ich noch hoffen kann –
hast du mit mir was anderes vor, halt ich mich dran.
Du
hast mich – du weißt es – fest im Griff,
ich reagier aufs Wort, aufs Winken, und auf Pfiff,
tanz an deinen kurzen Fäden -
wenn auch mit geringen Schäden.
Um die auszubügeln, hilft mein Therapeut –
Ich hab bisher, dass ich dich traf, noch nie bereut….
2008
Autowäsche
Welch Glück, der
Regen ist vorbei –
Aprilwetter, und das im Mai,
das Auto ist so voll mit Dreck,
das wasch ich mal, dann ist der weg.
Doch vorher seh ich aufgetischt
die Post – noch völlig
durchgemischt.
Die Rechnungen zieh ich mal raus,
den Rest, den werf ich aus dem Haus.
Die Werbung steck ich in den Müll –
doch eh ich mehr den Eimer füll,
bemerkt ich, der ist ziemlich voll –
weshalb ich ihn wohl leeren soll.
So
hab ich immer was zu tun
und keine Zeit, mich auszuruhn –
Und plötzlich weiß ich nicht mehr, was hab ich gemacht...
Was grad getan, geholt, gesucht oder gebracht.
Welch Glück, denn am
Container steht
der Briefkasten, und wenn man geht,
um dort Papiermüll abzulegen,
kann man sich doch auch gleich bewegen
und Rechnungen per Post bezahln,
bereitet es auch manchmal Qualn.
Ich will die Überweisung schreiben –
wo all die Formulare bleiben…
ich brauche neue, will sie holen,
auf meinen weichen Hausschuhsohlen,
geh ins Büro, seh auf dem Tisch
die Cola-Dose – nicht mehr frisch.
So hab ich immer was
zu tun
und keine Zeit, mich auszuruhn –
Doch dann weiß ich nicht mehr, wo war ich gerade dran –
War ich grad fertig, oder fing ich grad was an...
Die Dose warm, das
kann man fühln,
da muss man sie vielleicht nur kühln,
damit der Rest auch wieder schmeckt –
schnell wird die Dose eingesteckt,
sie soll zunächst im Kühlschrank bleiben,
die Überweisung wollt ich schreiben,
doch seh ich, wie die Blumen hängen
und mich zum Wasserholen drängen.
Auf der Kommode bleibt die Dose,
und plötzlich seh ich da ganz lose
die Lesebrille, die versteckt,
die so gesuchte - jetzt entdeckt.
So hab ich immer was
zu tun
und keine Zeit, mich auszuruhn –
Auf einmal steh ich da und rauf mir die Frisur –
Was wollt ich machen – weiß nicht mehr – was war es nur...
Die Brille ins Büro
gleich tragen,
um mich nicht länger blind zu plagen,
doch erst will ich die Blumen gießen,
damit wir länger Duft genießen,
drum bleibt die Brille wo sie lag,
weil ich die Kanne in die Küche trag,
lass sie randvoll mit Wasser laufen,
genug, die Blumen neu zu taufen,
da, auf dem Küchentisch vor mir
die Fernsehfernbedienung – wieso hier?
dass die nicht fehlt am Abend spät,
soll sie ins Wohnzimmer nah ans Gerät.
So hab ich immer was
zu tun
und keine Zeit, mich auszuruhn –
Und dann fällt mir auf einmal auf, dass ich nicht weiß,
was hab ich grad gemacht – wieso lauf ich im Kreis...
Zum Blumengießen,
bis sie nass genug sind,
kommt die Fernbedienung mit, dass ich sie wiederfind.
Trag die Kanne und mach ne Riesenpfütze,
beschimpf mich, bin doch zu nichts nütze,
Leg die Fernbedienung wieder auf n Küchentisch,
weil ich erst mal das Wasser vom Boden wisch.
Wring den Lappen aus und häng ihn in’n Keller,
geht alles schnell, manchmal noch schneller,
geh wieder rauf, einer muss es ja machen,
ich sag’s euch, das ist gar nicht zum Lachen,
geh an die Haustür - was ich da wollte?
Weiß nicht, auch nicht, was das nun sollte.
So hab ich immer was
zu tun
und keine Zeit, mich auszuruhn –
Bin ziemlich fertig, fühl mich völlig ausgelaugt,
merk, dass nicht jeder wohl für jede Arbeit taugt.
Am Abend lieg ich müde
auf dem Rücken,
spür, der Tag, der wollt nicht glücken:
Auto verdreckt, Rechnung unbeglichen,
aus der Cola noch immer die Kälte entwichen,
Blumen verdurstet, der Müll steht noch da,
das Überweisungsheft nicht wo es war,
die Fernbedienung nicht mehr zu finden,
ohne Lesebrille bin ich wie die Blinden,
der Autoschlüssel, wo war der noch gleich,
ich hab das Gefühl, meine Birne ist weich.
So
steck ich tief im Hamsterrad drin –
klar, dass ich völlig ausgelaugt bin.
Denn
ich hab immer was zu tun
und keine Zeit, mich auszuruhn –
schlepp mich am Abend dann ins Bett mit letzter Kraft –
und muss mir eingestehn – hab wieder nichts geschafft.
2008
Ausstand
Schreibtisch
geräumt, Kartons schon lang gepackt,
keine Reden mehr hörn, die Wände so nackt.
Dies Telefon schreckt jetzt nur andere noch auf.
PC runter fahrn – den fährt bald irgendwer rauf.
Der
Schreibtischstuhl, von deinem Arsch abgewetzt,
wird nun aussortiert – oder anders besetzt.
Das Mobiliar längst mit den Jahrn abgenutzt.
Der Teppich bleibt unübersehbar beschmutzt.
Hohl
und offen gähnt der Schrank an der Wand.
Der Blick tastet rund, dabei nichts in der Hand.
Was war, ist vorbei – jetzt sprengt Erinn’rung den Kopf.
Manche überflüssig wie ein lästiger Kropf.
Regale
entlastet - stand sowieso zuviel drin.
Schubladen leer - wo kommt, was drin war, nun hin?
Freude und Wehmut, Bitterkeit, Zorn und Glück –
nie mehr sehn wolln die einen – andere wünscht man zurück.
Wunden
vernarben, manche manchmal noch juckt.
Manch Wort auf der Zunge grad noch runtergeschluckt.
Manches verblasst. Wie schnell man doch vergisst.
Mancher bleibt unvergessen, weil man manchen vermisst.
Worte
halln nach - zuviel gehört und gesagt.
Rasch verdrängt, was man beschworn und beklagt.
Wer hat Wasser gepredigt und besoff sich mit Wein?
Selbst ein Rad im Getriebe – aber so oft allein.
Kopf
hoch und aufrecht, und die Brust durchgedrückt.
Viel zu lange gebuckelt, lang genug auch gebückt.
Aufs Morgenrot setzen, auch wenn Abendrot glüht,
und sehn was schon immer im Verborgenen blüht.
Licht
ausgemacht, schließ die Tür hinter dir.
Schlüssel lass stecken. Was hält dich nun noch hier?
Die Treppe hinab, durch den Ausgang hinaus.
Den Ballast lass zurück – dann bist du fein raus.
2008
So
ist gut
Zwischen
Selbstbeherrschung und Sehnen,
zwischen Herz, Bauch und Verstand –
zwischen Skrupeln und Bedenken –
und von innen fast verbrannt.
Hin und her, beinah zerrissen,
und sich selber neu entdeckt,
mehr sich fühlen, von sich wissen –
und dabei nichts mehr versteckt.
So ist gut, sogar besser
- wunderbar
wär’s, wenn’s so bliebe.
Tritt zutage, was vage geahnt -
vielleicht ist es Liebe?
Wer weiß - vielleicht Liebe...
Zwischen Selbstvorwurf
und Suche,
zwischen Kopf, Herz und Gefühl,
zwischen Abstand und Verweigern –
innen heiß – doch außen kühl.
Und im Auf und Ab verloren,
tastend blind nach festem Halt,
ein Gefühl wie neu geboren –
und aufs Leben aufgeprallt.
Zwischen Selbstmitleid
und Aufbruch,
zwischen Bauch, Kopf und Gemüt,
zwischen Zweifeln und Zermartern –
und im Innern fast verbrüht.
Für und Wider ausgeblendet,
unentwegt vor und zurück,
aufgedreht und umgewendet –
zögerlich der Griff ins Glück.
2008
Was
weiss ich schon
Ob
ich Techno oder Dylan mag,
Computer spiel den ganzen Tag,
Boxershorts oder Tangas trag –
Was weißt du schon von mir...
Ob
du Zeitung oder Bücher liest,
regelmäßig deine Blumen gießt,
n Engel bist, ne Schlampe, n gemeines Biest –
was weiß ich schon, was weiß ich schon,
was weiß ich schon von dir.
Ob
ich nach Schicht in der Bar rumhäng,
mich in viel zu enge Hosen zwäng,
immer nur in deine Nähe dräng -
was weißt du schon von mir.
Ob
du Knoblauch, Fisch oder Austern magst,
alles ausprobierst bevor du fragst,
oft rummotzt oder dich nie beklagst,
was weiß ich schon, was weiß ich schon,
was weiß ich schon von dir.
Kennen
wir uns überhaupt,
ist unsere Hoffnung viel zu hoch geschraubt,
sind wir wohl naiver als erlaubt –
was wissen wir von dir, von mir....
Ob
ich ab und zu gern Fußball seh,
bei Gelegenheit mal in’n Porno geh,
mich im Bett wie ein Propeller dreh,
was weißt du schon von mir...
Kannst
du im Kino sein auch ohne Chips,
hast du am Wochenende immer einen Schwips,
nervst du jeden ungefragt mit deinen Tipps,
was weiß ich schon, was weiß ich schon,
was weiß ich schon von dir.
2008
Spick
mich, spick dich
Schule
ist bescheuert, Lehrer sind bestusst –
Wieso hab ich den Test versiebt – hab doch so viel gewusst...
Zwei lächerliche Punkt, die mir am Ende fehl’n...
Jetzt soll der Lehrer selber seh’n, wie schlechte Noten quäl’n...
Keine
Frage – wenn ich’s sage,
wird es so sein...
wer will’s wagen, mir was zu sagen?
Den mach ich klein...
Spick
mich, spick dich – es kommt so, wie’s passiert...
Spick mich, spick dich – schon bist du registriert...
Spick mich, spick dich – ich schreib da, was ich will...
Spick mich, spick dich – anonym und schrill:
Erfinden
wir schnell ein paar Sünden –
das macht sich so gut...
Und gar nicht erst lange begründen –
das kühlt unsere Wut...
Schüler
sind so ätzend, machen mich ganz krank.
Bei „Spick-mich“ diese Lügen – und das ist nun der Dank...
Zuviel für meine Nerven – mein Herz ist so gestresst.
Wieso sperrt dieser Doktor sich und gibt mir kein Attest...?
Keine
Frage – ich brauch’s! Wenn ich’s sage,
muss es so sein...
Kein Zieren oder Genieren,
sonst mach ich den klein...
Lehrer,
die so jammern, komm’ mir gerade recht...
Ich helf doch, wo ich kann – und dann... mir wird ganz schlecht:
Im Internet dies Ranking – wieso steh ich so tief?
Das geb ich meinem Anwalt – und wehe, das geht schief...
Keine
Frage – wenn ich es so sage,
wird es so sein...
Also parieren – und wenn wir verlieren,
mach ich den klein...
Was
will der blöde Doktor – mehr war doch nicht drin...
Mich dafür anzuschwärzen – was glaubt der, wer ich bin?
Jetzt werd ich vor Gericht zieh’n – und find ich da kein Recht,
dann wird’s der Richter büßen, weil sich dann jemand rächt....
Doch
leise, denn harte Beweise
sind dann halt nicht da...
Soll er’s lesen... ja, wer ist’s gewesen...?
Wer das wohl war...
Der
Richter ist der Vater vom Testversager-Sohn,
und hielt die „Spick-mich“-Noten für gerechten Lehrer-Lohn.
Doch Richter zu bewerten, das geht ja wohl zu weit...
Das kann doch nicht erlaubt sein – was erlauben sich die Leut...
Keine
Frage, Herr Richter, die Klage
wird zulässig sein...
Wer wird’s wagen, dagegen was sagen...,
den machst du doch klein...
2008
Stimme
im Ohr
Was
lenkt wohin unsere Schritte -
Zufall? Bestimmung? Geschick?
Verschiebt so leicht unsere Mitte –
ein Wort, ein Treffen, ein Blick.
Wie
kann ein Anfang beginnen?
Wie kommt’s am Ende zum Schluss?
Das Sehnen erst, wie von Sinnen –
und dann kommt’s, wie’s kommen muss...
So
kann’s gescheh’n, kann’s passieren,
so kommt es manchmal schon vor –
hab Deine Augen vor Augen
und Deine Stimme im Ohr.
Was
kann uns wie wohin ziehen:
Zufall? Bestimmung? Geschick?
Die Chance, beizeiten zu fliehen,
die nimmt ein Wort oder Blick.
Man
sieht, was man übersehen,
und hört, was man nie vernahm,
und kann es selbst nicht verstehen,
weiß nicht, wie’s sein kann und kam.
Was wirft das Glück aus den Bahnen:
Zufall, Bestimmung, Geschick?
Wie kann man’s abseh’n, erahnen?
Gibt’s ein Rezept? Einen Trick?
Wie
ist ein Sturz zu ertragen?
Sind diese Schmerzen normal,
das Leiden, Jammern, Klagen
bei unerträglicher Qual…
2008
Schlotterhosen-Knabe
Hat’s
dich erwischt, wie’s manchmal geht:
Sein Blick hat dir den Kopf verdreht.
Er schaut – schon bist du hin und weg:
Ein cooler Typ – schert sich ein’ Dreck...
Dann überleg dein’ nächsten Schritt,
dass er dir nicht auf die Seele tritt.
Ist er auch süß, mit kleinem Bart –
hör auf Papa, seinen Rat:
Finger
weg von Schlotterhosen-Knaben,
mit Luft im Kopf und ohne Lebensplan.
Solang die ihren Schritt in’ Kniekehl’n haben,
ist doch von denen keiner schon ein
Mann,
sondern immer noch unreife Flegel – okay,
Ausnahmen bestätigen die Regel...
Du
wartest auf ihn stundenlang –
dann kommt er in sei’m Watschelgang,
zuckt nur die Schulter, sagt nicht viel –
du kennst sein blödes Ballerspiel...
Dann überleg, was du ihm sagst –
fürchte nicht, dass du zuviel wagst.
Ist er auch süß und cool und hip –
hör auf Papa, seinen Tipp:
Finger
weg von Schlotterhosen-Knaben,
auf die man sich doch kaum verlassen kann,
die den Schritt weit unterm Hintern haben –
keiner ist von denen schon ein Mann –
allerhöchstens doch unreife Flegel – okay,
Ausnahmen bestätigen die Regel...
Du
quälst dich: Er ist abgehau’n,
hat neben dir noch andere Frau’n.
Eiskalt bist du abserviert
und glaubst nicht, was dir da passiert.
Dann überleg, wie du reagierst,
damit du dich nicht noch blamierst –
der „Süße“ zeigt nun sein Gesicht –
hör auf Papa – oder nicht...
Finger
weg von Schlotterhosen-Jungen,
mit denen man kein Leben planen kann.
Ist ihr Arsch noch nicht in die Hose vorgedrungen,
fehlt ihnen noch so viel zum richt’gen Mann.
Allerhöchstens sind’s unreife Flegel – okay,
Ausnahmen bestätigen die Regel...
Vielleicht fängt ja das Mann-Sein grad erst an,
doch sei skeptisch, ob man das schon glauben kann...
2008
Cool
Der Blick eiskalt,
sein Gesicht aus Stahl, D
+F
kein Gefühl, nur Maske, alles voll normal. GD
Nie nach außen zeigen, wie es drinn’ aussieht,
D +F
was nach oben pushed oder runterzieht.
GD
Keinen geht’s was an, wie er sich fühlt,
CG
Wird’s zuviel, wird’s einfach weggespült.
CA
Er tut so cool –
brennt innen heiß,
weiß nicht wo’s langgeht,
deshalb läuft er nur im Kreis.
Hat keinen Plan, weiß nicht wieso,
wenn er sich cool gibt,
hofft er, alle sehn ihn so.
Der Gang gebremst und
mit breitem Schritt,
nie gehetzt, keine Hektik und nicht aus dem Tritt.
Die Kapuze hoch, tief die Hose hängt,
nie ein Wort zuviel, stets den Blick gesenkt.
Wen geht es was an, was er so denkt,
worauf er wartet, und woran er hängt…
Auf großem Fuß,
doch der Stand nicht fest,
erst mal ausprobier’n im geheimen Test,
sich nichts eingestehn, was zu Zweifeln führt,
und besonders nicht, was man innen spürt.
Wenn er etwas fühlt, wen geht’s was an?
Kann Schwäche sich nicht leisten, so als Mann.
Die Muskeln hart, Sprüche
laut geklopft –
Dicke Lippe oft riskiert, doch das Maul verstopft.
Die Würde längst verlorn und Respekt verspielt,
zuviel Hirn versoffen und durchs Glas geschielt.
Gefühl einzugestehen nie gewagt –
statt mutig nur zu feige, zu verzagt...
2009
Der
Kalender
In
meiner Zeitung lag heut ein Kalender,
die Tagesübersicht fürs ganze Jahr.
Nur kurze Zeilen, nichts für Platzverschwender -
wieder mal ein Jahr vergangen war.
Das nächste nicht mehr weit, nur ein paar Tage.
Kein Tag wie der andere kommt und geht.
Bei der Omi war das keine Frage –
was wichtig ist, auch im Kalender steht.
Gut
sichtbar hing er ewig in der Küche:
Auf Augenhöhe, gleich neben der Tür.
So unverzichtbar dort wie die Gerüche.
Und wer da drauf stand, war ein Teil von ihr.
Ein Heiliger pro Tag, und andere Namen
mit Jahreszahl, und nie genügend Platz
für all die Lieben, die in Frage kamen,
die ihr geblieben im Erinnerungsschatz.
Ja,
die Omi weiß die Zeit zu nehmen.
Sie lebt ihr Leben Tag für Tag beschwingt,
verdrängt, was ihr die Laune trübt,
indem sie sich in Langmut übt,
warum sich grämen, weil es doch nichts bringt.
Drei
Löffel Kaffee in die Filtertüte,
dann kochend heißes Wasser hinterher.
Der Rückblick voller Sehnsucht, Wehmut, Güte.
Mancher, der früh fort ging, fehlt ihr sehr.
Jeder Tag bringt Grund sich was zu gönnen:
Geburtstag, Hochzeit, Taufe, Kommunion.
Feste, die muss man auch feiern können.
Gelebtes Leben: Schmerz verliert sich schon.
So
früh hat sie ihr’n Hermann einst gefunden,
der aus dem ersten Krieg verwundet kam.
Sie hat voll Liebe sich mit ihm verbunden,
und er sie mit ins ferne Dortmund nahm.
Zwei Kinder zuerst, dann die Nazis kamen,
schon wieder Krieg, und Hermann schwer verletzt.
Er starb im Lazarett in ihren Armen,
und alle ihre Träume war’n zerfetzt.
Sie
ging zurück, woher sie einst gekommen.
Zog mit den Kindern bei den Eltern ein.
Hermanns Urne hat sie mitgenommen,
und war nicht nur an seinem Grab allein.
Wollt nie an einen anderen Mann sich binden,
und trug ihr Witwen-Schicksal Jahr für Jahr.
Kinder ziehn ins Leben und verschwinden,
Sie blieb – wenn man sie brauchte, war sie da.
Sechsundneunzig
wär’ heut
Tante Grete.
Und als ihr Karl fiel, warn sie noch verlobt.
Nie ein anderer ihr den Kopf verdrehte.
Der Krieg hat in ihr’m Kopf noch lang getobt.
Heinz war, als er starb, erst sechsunddreißig,
am Hochofen gestürzt und dann verbrannt.
Ein feiner Kerl, so fröhlich, immer fleißig,
und hat sich gut mit Tauben ausgekannt.
Manfred
fuhr zur See und kam nicht wieder,
Luise starb an ihrem achten Kind,
Schwester Helga, die kam elf mal nieder.
Wie gut, dass heut doch andere Zeiten sind.
Vetter Fritz war ohne Glück bei Frauen,
dreimal geschieden – jede lief ihm weg.
Onkel Heinrich, auf den konntst du bauen,
der half dir auch aus allertiefstem Dreck.
Manchmal
denkt sie an jene, die sie plagten.
Sie hat sie alle längst schon überlebt,
die sie verrieten, ihr Gemeines sagten,
Sie grinst: „Wer andern eine Grube gräbt...“
Trinkt auf ihr Wohl noch ein paar heiße Schlucke,
und gießt den Filter noch einmal halb voll:
Auf manchen Schietkerl, manche dumme Tucke....
Und immer noch sitzt da ein bisschen Groll...
Besuch bekommt auch gern mal was vom Teller –
Kartoffeln, Frikadellen, Blumenkohl.
Ist so’n Besuch auch manchmal nur ein schneller,
man fühlt sich so in ihrer Küche wohl.
Den Teller randvoll übern Tisch gehoben,
energisch vor den lieben Gast gestellt,
und noch ein wenig näher hingeschoben:
Hier wird gegessen, auch was nicht bestellt.
„Nimm
hin“, sagt sie, und meint nicht nur die Speise,
und alles, was sonst auf dem Tisch noch steht,
auch ihren Widerstand auf ihre Weise,
mit dem sie Ärger aus dem Wege geht.
Nimm hin und hak es ab und lass es laufen,
denn irgendwie renkt sich schon alles ein.
Und wenn du’s brauchst, kannst du dir Kuchen kaufen,
und schenk dir eine Tasse Kaffee ein…
Die
Jahre, die Jahrzehnte sind verflogen –
Manch Umzug, manchen Neuanfang gewagt.
Ausgebombt, den Rücken krumm gebogen,
gemacht, getan, nicht lang „Warum“ gefragt...
Gelandet dann zufrieden in der Küche,
tagein, tagaus gepütschert und gekramt.
Beim Kalender ein paar weise Sprüche,
selbst abgeschrieben, und nicht erst gerahmt...
Ein
halbes Leben lang schlohweiße Haare,
doch Kinder machen jeden Kummer wett.
Die Tochter überlebt um dreizehn Jahre.
Der Oberschenkelhalsbruch zwang ins Bett.
Das Lebensmotto niemals aufgegeben:
Ein Tag, der ohne Lachen, ist verlorn.
Winkt nahes Glück, warum nach fernem streben.
Und jeden Tag gelebt wie neu geborn.
Ja,
die Omi weiß die Zeit zu nehmen:
Das Schlimmste, sagt sie, liegt ja hinter ihr.
Und kommst du zu ihr auf Besuch,
fragt sie: „Hast du ein Taschentuch?“
und sagt: „Grüß deine Großmutter...“ zu dir...
2008
Pekinger
Frieden
Der
himmlische Frieden auf Pekinger
Art –
jetzt auch auf dem „Dach der Welt“.
Die sportliche Welt geht auf große Fahrt,
denn Olympia bringt ja viel Geld.
Die Uninformierten in Uniformen,
manche uninformiert im Trikot,
erfülln blind Befehle, erfüllen die Normen –
kann das sein, kann das gehn – einfach so?
In
China, wo Mörder befehln und regiern,
tibetische Mönche haben nichts zu verliern.
Sind die Koffer gepackt? Ich frag mich jedenfalls:
Läuft man schneller, springt höher, wirft weiter als sonst
mit dem Kloß im Hals...
Olympischer
Frieden auf Pekinger Art –
beobachtet vom Dach der Welt:
Von Soldaten bewacht, die von weit angekarrt,
nun in Peking auf Posten gestellt,
die das Blut auf den Mönchskutten nicht übersehn -
Erfahrung genug im Gepäck.
All die Rufe, die Schreie, die Ohnmacht, das Fleh’n -
der Mönche – der eigene Schreck.
In
China, wo Mörder befehln und regiern,
tibetische Mönche haben nichts zu verliern.
Sind die Koffer gepackt? Ich frag mich jedenfalls:
schwimmt man schneller, hebt höher, stößt weiter als sonst,
mit dem Kloß im Hals...
Eine
himmlische Friedensschau Pekinger Art –
die Bühne vorm „Dach der Welt“.
Geklotzt, nicht gekleckert wird, und nicht gespart –
geblendet wird, was das Zeug hält.
Zeugen beschafft, Pressefreiheit beschränkt –
genau ausgesucht, was man zeigt.
Gesponsert nur wer zu den Startblöcken drängt
und zur Pekinger Mordoper schweigt.
In
China, wo Mörder befehln und regiern,
tibetische Mönche haben nichts zu verliern.
Sind die Koffer gepackt? Ich frag mich jedenfalls:
fährt man schneller, turnt schöner, taucht weiter als sonst,
mit dem Kloß im Hals...
Ein
Friedhofsruh-Frieden auf Pekinger Art,
mit Aussichtsplatz vom Dach der Welt.
Die feige Gier mit Geschäftssinn gepaart,
das Schweigen erkauft gegen Geld.
Die Trikots gewaschen, der sportliche Schweiß
im Stadion hat sich gelohnt.
Medaillen und Hymnen – wie hoch ist der Preis?
In Tibet wird keiner verschont.
In
China, wo Mörder befehln und regiern,
tibetische Mönche haben nichts zu verliern.
Sind die Koffer gepackt? Ich frag mich jedenfalls:
Boxt man härter, ringt stärker, schießt besser als sonst,
mit dem Kloß im Hals...
Ein
himmlischer Frieden der lohnenden Art
mit Mord auf dem Dach der Welt.
So ist Sport nur ein Mittel zum Zweck wohl parat,
mit dem man Profit sich erhält.
Die Olympischen Ringe zur Kette geschweißt,
die sportlichen Spiele im Zwang -
Längst ging er verlorn, der olympische Geist -
im Stadion hängt er am Strang.
In
China, wo Mörder befehln und regiern,
tibetische Mönche haben nichts zu verliern.
Sind die Koffer gepackt? Ich frag mich jedenfalls:
Verdient man mehr, schneller und besser als sonst
mit dem Kloß im Hals...
2008
Epitaph
für John Pearse
Vielleicht
sitzt du nicht weit von hier,
halbvoll mit Wein dein Glas,
Gitarre direkt neben dir,
und hast dort deinen Spaß
an
dem, was wir hier treiben,
als wärst du mit dabei –
du konntest nicht mehr bleiben,
und bist doch mit dabei.
Ein
neuer Vers, ein anderes Lied,
mit klarem, offnem Wort,
das uns in gute Stimmung zieht,
im Groove und im Akkord.
Gesang
in muntrem Kreise,
hätt dir gefallen könn’,
auf angenehme Weise
sich Lust und Laune gönn’.
Die
Jahre und Jahrzehnte lang,
gelebt in Harmonien,
die Finger voller Saitendrang,
den Kopf voll Melodien,
in
Schwärmerei verloren,
das Staunen uns gelehrt,
Musik in unseren Ohren,
bleibst du von uns verehrt.
Don’t
know where you’re performin’ now,
playin’ your guitars and strings. -
With each
change of strings I think I should have said
a few important things.
At
least, just only “Thank you, John,
for your music in all times” –
I missed the chance in prose – and this
is just a try in rhymes.
2008
Das
war’s
Das
war’s gewesen, ist vorbei,
liegt hinter dir und ist vollbracht.
Nun kannst du lesen, wer du warst,
wo du gelebt, was du gemacht.
Jetzt
kannst du das tun, was du willst -
das interessiert jetzt keinen mehr.
Nun kannst du lachen. Du wirst sehn,
es lebt sich leichter hinterher...
wenn
du die Last verloren hast
und merkst, dass du nichts mehr verpasst –
das war einmal, das war einmal.
Dich keiner drängt und keiner lenkt,
und niemand mehr schwer an dir hängt –
alles egal, ist so egal.
Genug
ertragen, ausgeführt,
zu viel, was du von dir verlangst.
Nichts mehr zu klagen, zu erklär’n,
kein Ziel mehr da, um das du bangst.
Was
du probiert, was nicht geklappt,
noch ein’ Versuch kannst du dir spar’n.
Dem Hamsterrad nun doch entfloh’n -
kein Pech kann dir mehr widerfahr’n.
Nichts
mehr zu halten, alles weg,
was dir so unverzichtbar schien.
Nichts mehr zu schalten – abgestellt,
und niemand darf mehr an dir zieh’n.
Schau
nicht nach hinten, nicht zurück -
es funktioniert auch ohne dich.
Was soll’n die Zweifel – du vergisst
doch, was gewesen – hoffentlich.
2007